pedro4u
| quote: |
Lebensmittelpreise alarmierend wie Finanzkrise Nicht nur die Finanzkrise, auch die steigenden Lebensmittelpreise gefährden die Weltwirtschaft, warnt IWF-Chef Strauss-Kahn. Die Philippinen versuchen bereits verzweifelt, Weizen auf dem Weltmarkt zu kaufen - doch niemand will liefern. Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat eindringlich vor den Folgen steigender Lebensmittelpreisen gewarnt: Der Preisauftrieb bei Grundnahrungsmitteln sei eine "mindestens ebenso wichtige" Gefahr für die Weltwirtschaft wie die Finanzkrise, sagte Dominique Strauss-Kahn dem französischen TV-Sender France 24. "In einer Anzahl von Ländern, namentlich in Afrika, wird dies zu wirtschaftlichen Turbulenzen führen, aber auch zu beträchtlichem individuellem Leid, weil es eine der Ernährungsgrundlagen destabilisieren wird." Damit wird wahrscheinlicher, dass sich die Finanzminister und Notenbankgouverneure der sieben großen Industrienationen (G7) bei ihrem Treffen am Freitagabend (Ortszeit) in Washington nicht nur mit den Verwerfungen im internationalen Finanzsystem, sondern auch mit den stark steigende Preisen für Grundnahrungsmittel wie Reis, Mais oder Weizen auseinandersetzen werden. Der britische Premier Gordon Brown hatte bereits gedrängt, das Thema auf die Agenda des Treffens im Vorfeld des Frühjahrstreffen von IWF und Weltbank in der US-Hauptstadt zu nehmen. Weizen und Reis auf Rekordhoch Bilderserie: Der Aufstand der Hungrigen Wie schlimm die Lage in einigen Ländern ist, illustrieren nicht nur die heftigen Unruhen der vergangenen Tage im Karibik-Staat Haiti: Dort sprach sich nach Straßenschlachten, die mindestens fünf Todesopfer forderten, nicht nur eine Mehrheit des Senats für den Rücktritt des Ministerpräsidenten Jacques Eduard Alexis aus. Demonstranten riefen auch nach dem Rückzug von Präsident Rene Preval und forderten teils die Rückkehr seines umstrittenen Amtsvorgängers Jean-Betrand Aristide. Haiti gilt als das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Auch in mehreren afrikanischen Staaten hatte es bereits gewalttätige Auseinandersetzungen gegeben, nachdem die Lebensmittelpreise kräftig angezogen hatten. Auf dem Weltmarkt haben die Notierungen für Reis und Weizen in diesem Jahr bereits Höchststände erreicht. Hintergrund sind nicht nur schlechte Ernten und eine langsame Umstellung der Ernährung in Schwellenländern hin zu mehr tierischen Lebensmitteln. Auch der Boom beim Biosprit hat für mehr Nachfrage vor allem nach Mais geführt. In Sorge um die Versorgung der eigenen Bevölkerung haben wichtige Exporteure wie Indien und China ihre Ausfuhren an Grundnahrungsmittel bereits gedämpft, indem Beschränkungen erlassen oder Zölle erhöht wurden. Philippinen suchen Ersatz - ergebnislos Philippinische Soldaten bewachen eine Lkw-Ladung Reis Philippinische Soldaten bewachen eine Lkw-Ladung Reis Hart getroffen hat das insbesondere die Philippinen, die der weltweit größte Importeur von Reis sind. Nach einem dramatischen Appell von Präsidentin Gloria Arroyo, keinen Reis zu horten und nicht auf weiter steigende Preise zu spekulieren, versucht die Regierung nun, Ersatz herbeizuschaffen - bislang erfolglos. Handelssekretär Peter Favila sagte am Freitag, China habe eine Bitte der Regierung in Manila, Weizen zu liefern, "freundlich" abgelehnt. Die Chinesen hätten mitgeteilt, sie müssten "ebenfalls ihre Bestände aufstocken". Medienberichte, wonach die Philippinen 200.000 Tonnen des Grundnahrungsmittels ordern wollte, bestätigte er indes nicht. Eine solche Bestellung hätte etwa zehn Prozent des jährlichen Weizenverbrauchs der Philippinen ausgemacht. Der Handelssekretär betonte, die Regierung habe sämtliche Handelsattachés alarmiert, um Weizenlieferanten zu finden und so Engpässe zu vermeiden. Fest stehe bereits eins: "Die Preise für Brot werden steigen", sagte Favila. "Entweder das, oder ihre Größe wird schrumpfen." Sowohl Australien als auch die USA seien bereits wegen Weizenlieferungen kontaktiert worden, sagte der Handelssekretär. Das belegt, wie verunsichert die Regierung in Manila ist: Die Botschafterin des engen Verbündeten USA, Kristie Kenny, hatte bereits vor zwei Tagen versichert, die frühere Kolonialmacht werde die Lebensmittelversorgung auf den Philippinen "absolut" sicher stellen. |
http://www.ftd.de/politik/international/...ise/341796.html