Kundiman - "...und sollte es nicht so sein"

Rizza
Von den Philippinen kommt eine eigenständige Form des Kunstlieds, die sich dort seit Jahrhunderten fortentwickelt hat - das Kundiman. Der Begriff Kundiman leitet sich ab aus "kung hindi man...", eine Phrase in Tagalog, die auf Deutsch ungefähr "und sollte es nicht so sein..." bedeutet. Sollte der Liebende seine Liebe nicht erwidert sehen, so muss er sich seinem Schicksal ergeben und würde lieber sterben. Dementsprechend lassen sich die Lieder an ihrem recht schwermütigen und melancholischen Charakter erkennen.

Das Kundiman lässt sich auf alte philippinische Musikformen aus den Zeiten vor der Kolonisation der Inseln zurückführen. Als die Spanier im 16. Jahrhundert das Archipel eroberten und unter ihre Herrschaft stellten, brachten sie natürlich ihre eigenen und auch die europäischen Musiktraditionen mit auf die Inseln. 1879 wurde zum ersten Mal eine Zarzuela auf den Philippinen aufgeführt. Unter den Einflüssen von Habanera, Jota und Tango entstand schließlich das Kundiman in seiner jetzigen musikalischen Form: Zweiteilig, der erste Teil in Moll, ruhig und zärtlich; der zweite Teil dann im gleichnamigen Dur, aufgewühlt und dramatisch.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert erhielt das Kundiman auch eine gesellschaftliche und sogar patriotische Bedeutung zu. Um diese Zeit formte sich auf den Philippinen die nationale Bewegung gegen die spanische Herrschaft, was schließlich zur Revolution im Jahre 1896 führte. Im Kundiman übernahm das geliebte Vaterland die Rolle der angebeteten Liebsten. Das Kundiman wurde zum Revolutionslied.

In der Mitte des vergangenen Jahrhunderts pflegten und verfeinerten vor allem die Komponisten Francesco Santiago (1889 - 1947) und Nicanor Abelardo (1893 - 1934) das Kundiman und verschafften ihm die Anerkennung als anspruchsvolles Kunstlied.



Eine schöne CD mit Kundiman-Liedern haben der Bass-Bariton Jonathan de la Paz Zaens und und der Pianist Abelardo Galang in lobenswerter Eigeninitiative produziert. Beide haben dabei großen Wert darauf gelegt, jeden Anschein von Folklore zu vermeiden, sondern den anspruchsvollen Liedern mit Ernsthaftigkeit und Respekt gerecht zu werden. De la Paz Zaens interpretiert dabei sehr ausdrucksstark und sensibel. Der Klavierpart ist zum Teil sehr virtuos ausgearbeitet. Dennoch drängelt sich Galang am Flügel nicht in den Vordergrund, sondern wahrt stets die Balance zwischen Gesang und Begleitung.

Auf mich wirkt die Interpretation glaubwürdig und überzeugend. Man fühlt, dass diese Musik den beiden Künstlern am Herzen liegt. Dieses für uns Europäer etwas exotische Repertoire vom anderen Ende der Welt ist es auf jeden Fall wert, gehört und beachtet zu werden.

Viele Grüße
Frank

PS: Die CD ist leider nicht im Handel erhältlich. Wer Interesse daran hat möge sich bitte per PN an mich wenden.
P.PS: Konzert mit Jonathan de la Paz Zanes und Abelardo Galang (Kundiman und deutsche Kunstlieder am 31. Mai 2008 im Konzerthaus am Gendarmenmarkt, Berlin.
Pinoy Klaus
Ich kenne auch eine schöne CD mit Kundiman-Liedern von dem philippinischen Tenor Abdul Candao mit dem ich persönlich bekannt bin. Ob´s die offiziell gibt weiss ich nicht (hier in Deutschland wohl eher nicht aber auch auf den Philippinen weiss ich nicht so genau).

Ich kann nur bestätigen: wer sich für klassische Musik (insbesondere Vokal-Musik) interessiert für den könnte auch das interessant sein.