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Dienstag, 9. November 2010, 06:26

Kulturdifferenzen ...

... nicht weil es gerade schick ist über "Kultur" zu sprechen, sondern weil man mich darum gebeten hat, Themen aus meinem Blog auch hier einzustellen, schreibe ich hier über die "Kulturdifferenzen".

Wer in Asien lebt und auf Anhieb alles versteht, ist entweder ein Naturtalent - dazu herzlichen Glückwunsch - oder setzt sich in überheblicher Weise über die Menschen hinweg und hat eben doch nix verstanden. Ich selbst bin kein Naturtalent, sondern verstehe viele Beobachtungen nicht so ganz, zumindest nicht auf Anhieb. Gute Literatur im Sinne von kompakt und leicht verständlich, ist schwer auszumachen bzw. gibt es nicht. Hier im Forum werden viele Kulturbegriffe wild durcheinander geworfen, Behauptungen aufgestellt und vieles ohne weitere Prüfung weiter erzählt. Es gibt englischsprachige Titel wie z.B. das "dos & don'ts" einer Filipina, die das ganze aus ihrem eigenen Blickwinkel beschreibt. Hilft aber einem Westler nicht viel, da es nur an der Oberfläche bleibt. Denn er wird nach wenigen Sätzen bereits bemerken, dass die Autorin mindestens soweit von der westlichen Kultur entfernt ist, wie man selbst von der asiatischen. Noch schlimmeres las ich von einem Filipino, der sich aus seiner Kultur das herauszog was ihm gefiel und dies sogar noch zum Maßstab seiner Kultur erhob.

Die asiatische Kultur ist für einen Westler sehr komplex, man versteht sie kaum. Nur wenige haben das Glück in ihrem Umfeld Menschen zu haben, mit denen man darüber sinnvoll sprechen kann und die ausreichend Information zu beiden Kulturen haben. Was philippinische Besonderheiten angeht ist dies nochmals ein eigenes Thema, was ich zu einem späteren Zeitpunkt bearbeiten möchte. Deshalb habe ich mir die Mühe gemacht, Informationen zu sammeln und diese zusammen mit meinen eigenen Beobachtungen gemeinsam mit Asiaten zu diskutieren. Ich kenne einige Asiaten, welche teilweise seit Jahrzehnten im Westen arbeiten. Diese können mir dann immer wieder Erklärungen geben, die man selbst so nicht sehen würde. Aber witzigerweise deuten Asiaten ihre eigenen Verhaltensweisen auch nicht alle gleich, was mir das Leben nicht gerade erleichterte. Aber das ist auch mit ein Grund dafür, weshalb ich keinen wissenschaftlichen Anspruch an meine Zusammenfassung erhebe. Ich hoffe ihr könnt damit leben.

Generell:
Was sind die "Kulturdifferenzen"?
Die Kulturdifferenzen beschäftigen sich mit den Unterschieden der asiatischen (der Schamkultur) zur westlichen Kultur (der Schuldkultur). Die Betrachtung erhebt keinen wissenschaftlichen Anspruch! Dennoch versuche ich sachlich zu erklären und anhand von Beispielen zu erläutern.

Warum wird die philippinische Kultur nicht direkt erklärt?
Nun, was die philippinische Kultur angeht, überlagern sich hier Gegensätze, die selbst anderen Asiaten ebenso befremdlich erscheinen, wie Menschen aus dem Westen. Bedingt durch die Vermischung der zuvor genannten Kulturen, ist zunächst ein Verstehen der Schamkultur notwendig. Dass der Leser die Schuldkultur versteht setze ich mal voraus. Bedingt durch die Kolonialisierung der Spanier, wurde versucht eine andere Kultur zu etablieren, was aber nur teilweise gelang. Das Ergebnis ist die sehr spezielle Kulturmischung der Philippinen.

Warum gibt es in der Kulturbetrachtung Pauschalisierungen?
Generell spreche ich darin von "Westlern" und "Asiaten", was ich nicht abwertend meine. Mit "asiatischer" Kultur bezeichne ich hier die Kulturen, deren Wurzeln primär aus China stammen. Auch bitte ich die getätigten Aussagen nicht alle sofort auf die Goldwaage zu legen. Pauschalisierungen sind bei solch einer komplexen Materie nicht immer ganz vermeidbar, ohne vom Hundertsten ins Tausendste zu geraten. Das lässt sich nur vermeiden, wenn man das Thema wissenschaftlich aufbereitet. Dann kann man aber genauso gut die dicken Wälzer durchgehen. Wem das nicht passt, muss nicht weiterlesen, sondern kann sich selbst die Mühe machen die Kulturen zu erforschen.

Warum gibt es immer wieder die Themenvermischungen und Querverweise?

Meine Kulturbeschreibung bzw. Vergleich umfasst einige Kapitel, die ich versucht habe thematisch zu gruppieren, was nicht immer so leicht fiel, da Überschneidungen der einzelnen Themengruppen nicht ganz verhindert werden konnten. Z.B. gibt es kaum ein Kulturmerkmal wo der Gesichtsverlust ausgeklammert werden kann.

Im Blog selbst sind wir ein wenig weiter ... aber Geduld, hier werde ich alle Beiträge der Kulturdifferenzen veröffentlichen.
Wer aber Querverweisen direkt folgen mag, kann dies unter http://stevaro.blogspot.com bereits tun.
So wir starten mit Kapitel 1: Der Gesichtsverlust ...
Signatur von »stevaro«

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Dienstag, 9. November 2010, 06:43

1. Der Gesichtsverlust

In der gesamten Abhandlung wird der "Gesichtsverlust" relativ häufig anklingen, da in den asiatischen "Schamkulturen" sich dieser als roter Faden hindurchzieht. Übrigens spricht man bei der westlichen Kultur dagegen häufig auch von der "Schuldkultur". Während man in der Schamkultur die eigene Wertschätzung als wichtigstes Ziel anstrebt, ist in der vom Christentum geprägten Schuldkultur, eben die Vergebung seiner Schuld ein sehr wichtiges Ziel (so zumindest in der Tradition). Aber selbst heute noch ist in der Schuldkultur das Gewissen das Kontrollinstrument, was aber in der Schamkultur kaum Bedeutung hat.

Um das erste Missverständnis zu vermeiden, sollte man sich über folgendes klar werden. Als "Gesicht" bezeichnet man in der Schamkultur, nicht nur die sichtbare Vorderhälfte des Kopfes, sondern auch die Meinung über eine Person, also ihr "Ansehen"! Sein Ansehen verliert man in der Schamkultur, wenn man "versagt". Im Beruf, in der Familie oder generell wenn man die angeforderte Leistung nicht erbringen kann. Verstärkt wird der Gesichtsverlust dann, wenn er von anderen angesprochen wird oder durch Auslachen, Kritik, Andeutungen oder direktes Hinterfragen, zusätzlich betont wird. Da es verpönt ist, diesen Gesichtsverlust zur Sprache zu bringen, verliert derjenige, welcher ihn anspricht ebenso sein Gesicht! Aber selbst das Andeuten eines Wutausbruchs, das Anheben der Stimme oder das Zeigen von Ärger, bewirkt einen Gesichtsverlust!

Von Geburt an wächst jedes asiatische Kind in dieses Empfinden, dass der Gesichtsverlust das Schlimmste überhaupt darstellt, was einem Menschen widerfahren kann. Diese Angst sitzt sehr tief und kann mitunter zu einer geistigen Starre führen, die den Mut etwas zu wagen, blockiert. Sie ist auch der Grund weshalb man von Asiaten immer nur das erwarten kann, was man ihnen direkt anweist! Denn wenn er bei etwas wo er keine direkte Order dafür hatte einen Fehler macht, verliert er sein Gesicht!

Die Verarbeitung des Gesichtsverlustes verläuft leider nicht so schematisch wie die Beschreibung der Entstehung. Die Kinder lernen "das tut man nicht!" und dann haben sie hoffentlich genug gelernt um ihn zu vermeiden. Sollte das aber nicht ausreichen und es kommt dann doch zum "Versagen", dann ... ja dann hat jeder seine individuelle Schwelle, bei deren Überschreitung er ganz unterschiedlich und oft heftig reagiert. Dies kann u.U. dann Suizid bedeuten, ein längeres Verkriechen oder in der Ermordung des Verursachers enden.

So ist es keine Ausnahme, als letztes Jahr ein 15-jähriger Schüler im Pausenhof einen Klassenkameraden erstach, der ihn zuvor im Unterricht auslachte. Ein 8-jähriger Junge wurde auf einer Geburtstagsfeier von einem anderen im selben Alter gehänselt. Erst als er diesen niederschlug und dieser sich weinend am Boden wälzte, war seine Ehre wieder hergestellt. Ein Geschäftsmann erhängt sich am Tag bevor er den historischen Verlust der Firma verkünden soll. Ein junger Mann verliert seine Freundin an einen anderen. Er lauert ihm auf, um ihn zu erstechen. Leider lassen sich fast beliebig viele solcher Beispiele auflisten ... Die Gefahr, dass der Gesichtsverlust irrational verarbeitet wird, ist sehr groß.

Die Angst vor Gesichtsverlust kann aber auch innerhalb funktionierender Familiengebilde dazu führen, dass Probleme "unter den Teppich" gefegt werden. Wie gut oder schlecht so was ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Aber diese Bewertung betrifft ohnehin nur die direkt betroffenen Familienmitglieder selbst. In der Politik ist der Gesichtsverlust ein ganz wichtiger Aspekt, im Geschäftsleben und im öffentlichen Geschehen ebenso. So gibt es Berufszweige, die sich in besonderer Gefahr für den Gesichtsverlust befinden. Richter, Anwälte und Polizisten können ein Lied davon singen. Aber auch Journalisten können eigentlich überhaupt nicht effizient arbeiten, ohne einen Gesichtsverlust auszulösen. Ärzte begeben sich mitunter in Lebensgefahr, wenn sie eine schlimme Diagnose übermitteln müssen. Die Entlassung eines Mitarbeiters kann tödlich enden. Ebenso ist es problematisch einen Mitarbeiter zu kritisieren oder ihn auf "Linie bringen" zu wollen.

Als wir unser Auto verkauften und eine zeitlang dann auch den Fahrer nicht benötigten, für den wir keine andere Beschäftigung hatten, mussten wir ihm kündigen. Da wir wussten, dass er als Asiate dabei freundlich bleibt, dennoch durch den Vorgang selbst schnell sein Gesicht verlieren kann, boten wir ihm eine Abfindung an. So bezahlten wir ihm etwas mehr als ihm zustand und gaben ihm in Naturalien sein "Abschiedsgeschenk". Er bedankte sich und empfahl sich gleich für den Zeitpunkt, dass wir wieder einen Fahrer benötigten. Der Gesichtsverlust war abgewendet. Dies ist aber ein Dilemma im gegenseitigen Kulturverständnis. Als Westler muss gerade hier Zurückhaltung gelten, da man sonst schnell Scherben hinterlässt und einen Gesichtsverlust mit fatalen Folgen auslöst.

Aber auch ganz witzige Blüten kann die Angst vorm Gesichtsverlust treiben: fragt man jemanden nach dem Weg und er kennt ihn nicht - nein, er kann das nicht zugeben! Er schickt Dich in die Prärie ... Das selbe Verhalten, wenn man einen Verkäufer im Supermarkt nach einem Produkt fragt, wo er aber dessen Regal nicht kennt ... "ist gerade ausgegangen!" wird er antworten. Nicht darüber wundern, wenn man es 2 Minuten später selbst findet. Ein anderes Problem kann entstehen, wenn man jemandem etwas zu erklären versucht. Gerade wenn man dann davon ausgeht, dass es der Gegenüber verstanden hat und man die erste Antwort von ihm nicht schlüssig einsortieren kann, dann ist etwas schief gelaufen! Denn sehr wahrscheinlich hat er überhaupt nichts kapiert und kann aber aus Angst vorm Gesichtsverlust nicht nachfragen ...
Signatur von »stevaro«

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Donnerstag, 11. November 2010, 05:30

2. Das Harmonieprinzip

Ja ich weiß, viele aus dem Westen legt sich jetzt gleich beim Lesen des nächsten Satzes das Runzeln auf die Stirn. Trotzdem muss ich ihn festhalten: Denn in Asien versuchen üblicherweise die Menschen ihre Beziehungen untereinander harmonisch zu gestalten. Streit stellt eine Störung dieser Harmonie dar, die zu vermeiden ist. Es gibt sehr viele Betrachtungen und Aspekte, die Beziehungen zwischen den Gegensätzen beleuchten und diese in eine Harmonie bringen wollen. Architektur, Natur, Medizin, Weltanschauung, Kunst und natürlich die Menschen selbst! Das hat sehr tiefe Wurzeln, auf die wir aber hier nicht weiter eingehen wollen, sonst wird das Kapitel ein ganzes Buch. Das überlasse ich lieber Menschen, welche mehr Zeit dafür haben.

Störungen der Harmonie treten durch Ereignisse auf, wie z.B. laute Stimme, einem harten oder kategorischen "Nein", Kritik an anderen oder durch Emotionsäusserungen (wie Ärger, Wutausbrüche oder das Belasten anderer mit seinen Sorgen). Westler fallen regelmäßig an dieser Stelle auf die sprichwörtliche "Schnauze" da sie das nicht verstehen und von Haus aus die Antennen dafür fehlen. Viele Asiaten können ihr Problem nicht direkt ansprechen. Dies bedeutet eben nicht, dass sie keine Probleme haben! Doch das im Westen manchmal darauf folgende "Nachbohren" ist an der Stelle eher kontraproduktiv. Da hilft nur sein eigenes Verständnis zu schärfen. Feine Andeutungen herauszuhören ... Stichwort "Empathie"! Wenige Westler sind empathisch veranlagt, die meisten aber nicht. Nur ohne Sensibilität wird man in Asien gnadenlos untergehen! Auch gilt größte Vorsicht den "redseligen" Menschen gegenüber, die einen kaum kennen, aber einem ihre Probleme vortragen. Was die wohl damit bezwecken? Auch in Asien gibt es nun mal schlechte Menschen ...

Aber auch ein Pochen auf sein Recht, wird als massive Störung der Harmonie betrachtet, die nicht akzeptiert wird, was nach westlichem Verständnis nur schwer akzeptabel ist. Denn genau für diesen Fall gibt es doch das Recht und die Gesetze! So zumindest das westliche Verständnis. Stattdessen sucht man in Asien nach Kompromissen, auch wenn dafür lange Laufzeiten bei der Lösungssuche riskiert werden. Da ein absolutes "Nein" ebenso die Harmonie stört, wird es oft mit einem "Ja" ersetzt. Nun bedeutet dieses "Ja" genau genommen "Ja, ich habe das gehört ..." aber eben nicht unbedingt "Ja, ich werde das tun." Dies führt oft zum nächsten Missverständnis für Angehörige anderer Kulturkreise. Auch hier gilt, eine falsche Aussage muss keine Lüge sein, zumindest keine bewusste! Der Gegenüber kann oft gar keine andere Antwort geben! Doch diese feine Differenzierung ist zugegebenermaßen nicht einfach, dennoch kann - nein - man muss versuchen sein Gespür danach auszurichten!

Hingegen wird als harmonisch empfunden: Zurückhaltung, mildes und leises Sprechen, unaufgeregtes Handeln statt Hektik. In den Philippinen z.B. bezeichnet der Ausdruck "bahala na" recht gut den "way of life". Übertragen heißt er "I will do all my best, let God take care of the rest!" oder kurz "Macht nix!" Nur nicht aufregen, wofür? Einen Gang zurück schalten, relaxen: lass ruhig ein paar Reissäcke in China umfallen, solange Du nicht drunter liegst ... so what?

Ebenso bewirkt die Harmonie oft, dass man Besucher übergebührlich lobt! Dem Westler mag das übertrieben erscheinen, hat seinen Ursprung aber im Harmonieprinzip. Übrigens gibt es weitere Merkmale der Kultur, die ihren Ursprung in der Harmonie haben. So werden häufig bunte, teils schrille Farben oder Stoffe aus diesem Grund verwendet, die dann auf westliche Beobachter schon fast kitschig wirken. Dies gilt nicht nur in Tempeln, sondern auch beispielsweise bei Kleidung. Wer meint in seinem Asienurlaub preisgünstig Straßenkleidung kaufen zu wollen, sollte dieses bedenken. Zurück in Europa wird ihm das dann schlagartig bewusst, spätestens wenn man ihn dann wie einen Außerirdischen anstarrt!

Als ich das erste mal ein Schild in einer Apotheke sah, wo man seine "Priority"-Nummer ziehen soll war ich zunächst überrascht. Denn warum benötigen denn diese freundlichen und netten Menschen eine Nummer, die nacheinander abgearbeitet wird? Asiaten kennen keine Warteschlangen, dafür bilden sich sehr schnell Menschenansammlungen, in denen man - wenn auch meistens relativ gesittet - drängelt. Man schreit nicht oder schubst auch niemanden weg, aber versucht sich Aufmerksamkeit zu verschaffen. Wie sind aber drängelnde Asiaten z.B. an Theken oder dem Taxistand zu werten, da die jedenfalls auf die Harmonie in dem Augenblick keine Rücksicht nehmen? Nun ist es so, dass die Harmonie primär jeweils innerhalb der eigenen Gruppe oder Familie gilt (Achtung: das asiatische Gruppendenken wird im übernächsten Kapitel erläutert)! Diese "Gruppe" existiert aber in dem Moment am Taxistand nicht und so hat dies durchaus seine Logik. Der gleiche Mensch der an dieser Stelle rücksichtslos drängelt, wird in wenigen Augenblicken innerhalb seiner Gruppe nicht wiederzuerkennen sein!

Was durchaus noch krasser auf Westler wirken kann, sind diese Beispiele: ob dies Duschen in der Nacht bedeutet, das Hupen zum Öffnen des Tores, das Kläffen der Wachhunde, das Karaoke singen bis zum Morgengrauen, Auto warm laufen lassen, an nahezu jeder Stelle den Müll wegwerfen, Müllverbrennen usw. Solange niemand aus der eigenen Familie oder der eigenen Gruppe dadurch gestört wird, bleibt die Harmonie in Ordnung und man hat dann wenig Verständnis für die Interessen anderer Menschen. Wir hatten einen Nachbarn, dessen "Boy" uns häufig mit seinem Basketballspiel zu den unmöglichsten Uhrzeiten (nachts um 11 Uhr oder Sonntags sehr früh) belästigte. Während er unsere Bitte nach Verlegung auf eine andere Uhrzeit ignorierte, beendete er sofort sein Spiel, als sein "Padre" sich gestört fühlte ...

Hinweis an die CEBU- und SINULOG-Fans
Heute im Blog: ein Bildbericht zum Sinulog-Festival
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GrimmR

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Montag, 15. November 2010, 09:45

Philippinen - asiatische Kultur

Die Philippinen haben keine asiatische Kultur ... sind 50 % Teil der USA.... sehen das auch selbst so.

liegen halt am östlichen Rand von Asien... die Kultur ist aber nicht zu vergleichen mit Thailand, Malysia, Japan, China, Indien.... usw..

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Montag, 15. November 2010, 10:06

Die Philippinen haben keine asiatische Kultur ... sind 50 % Teil der USA.... sehen das auch selbst so.

liegen halt am östlichen Rand von Asien... die Kultur ist aber nicht zu vergleichen mit Thailand, Malysia, Japan, China, Indien.... usw..
Auch wenn Du gestern bereits schon zu 100% das selbe schon mal geschrieben hast, NEIN - Wiederholungen machen es nicht richtiger.

Wer auf den Philippinen sieht denn in seiner Kultur einen Anteil von 50% der USA?
Welche Erfahrungswerte legst Du hierfür zugrunde?
Bitte um Präzisierung !
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Montag, 15. November 2010, 10:14

Das kann ich nicht behaupten. Klar, sind wir Amerikanisiert durch das Essen, Musik, und die Sprache. Die Eingliederung von einem Filipino in der amerikanischen Gesellschaft wird dadurch einfacher. Aber als ich in den USA war konnte ich nicht sagen dass die amerikanische Art und Weise identisch mit der Philippinischen ist. Ein gewissen Einfluss ist da, aber unter dem strich, ein Joe bleibt immer noch ein Joe.

Amerikaner gehen immer noch respektlos mit ihren Eltern
Sie sprechen offener über dem Thema Sex zu sprechen (kaum zu glauben aber wahr)
Sie sprechen direkter als Filipinos. Körpersprache ist anders.

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Montag, 15. November 2010, 10:23

Amerikanisierung

Das kann ich nicht behaupten. Klar, sind wir Amerikanisiert durch das Essen, Musik, und die Sprache. Die Eingliederung von einem Filipino in der amerikanischen Gesellschaft wird dadurch einfacher. Aber als ich in den USA war konnte ich nicht sagen dass die amerikanische Art und Weise identisch mit der Philippinischen ist. Ein gewissen Einfluss ist da, aber unter dem strich, ein Joe bleibt immer noch ein Joe.
So sehe ich das auch: sie wurden stark amerikanisiert, mehr aber auch nicht!

Denke da verwechselt jemand, dass jemand der eine "Xerox" braucht und die mit einem "Scotchtape" zusammenklebt, auch dann kein Joe wird, selbst wenn er den ganzen Tag "Donuts" isst!
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DonPaco

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8

Montag, 15. November 2010, 11:41

Was ist denn asiatische Kultur?
Ich kann mich da nur anschließen. Wie genau ist denn die asiatische Kultur definiert. Welche Gemeinsamkeiten seht Ihr denn z. B. in den Kulturen von Israel, Usbekistan und Indonesien? Alles Länder, die in Asien liegen.

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Montag, 15. November 2010, 12:02

Ernsthaftigkeit

Ich kann mich da nur anschließen. Wie genau ist denn die asiatische Kultur definiert. Welche Gemeinsamkeiten seht Ihr denn z. B. in den Kulturen von Israel, Usbekistan und Indonesien? Alles Länder, die in Asien liegen.
Das ist genau die Art von Fragestellungen, die ich hier nicht mehr beantworten werde! Denn es zeigt wieviel Interesse am Thema besteht.
Wer nicht mal den Beginn des Threads liest, den möchte ich bitten seine Fragen in andere Threads zu verteilen. Denn im allerersten Beitrag habe ich geschrieben:

Warum gibt es in der Kulturbetrachtung Pauschalisierungen?
Generell spreche ich darin von "Westlern" und "Asiaten", was ich nicht abwertend meine. Mit "asiatischer" Kultur bezeichne ich hier die Kulturen, deren Wurzeln primär aus China stammen. Auch bitte ich die getätigten Aussagen nicht alle sofort auf die Goldwaage zu legen. Pauschalisierungen sind bei solch einer komplexen Materie nicht immer ganz vermeidbar, ohne vom Hundertsten ins Tausendste zu geraten. Das lässt sich nur vermeiden, wenn man das Thema wissenschaftlich aufbereitet. Dann kann man aber genauso gut die dicken Wälzer durchgehen. Wem das nicht passt, muss nicht weiterlesen, sondern kann sich selbst die Mühe machen die Kulturen zu erforschen.

Möchte die Moderation bitten, hier nochmals auf die Ernsthaftigkeit des Threads hinzuweisen.
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10

Montag, 15. November 2010, 23:18

Ernsthaftigkeit???

Das ist genau die Art von Fragestellungen, die ich hier nicht mehr beantworten werde! Denn es zeigt wieviel Interesse am Thema besteht........
....... Denn im allerersten Beitrag habe ich geschrieben:

Warum gibt es in der Kulturbetrachtung Pauschalisierungen?
......... Mit "asiatischer" Kultur bezeichne ich hier die Kulturen, deren Wurzeln primär aus China stammen. Auch bitte ich die getätigten Aussagen nicht alle sofort auf die Goldwaage zu legen. Pauschalisierungen sind bei solch einer komplexen Materie nicht immer ganz vermeidbar ........ Wem das nicht passt, muss nicht weiterlesen, sondern kann sich selbst die Mühe machen die Kulturen zu erforschen.


Lieber stevaro,

im Gegensatz zu dir bin ich der Meinung, dass gerade das kritische Nachfragen Interesse und Ernsthaftigkeit zeigt. Es ist keinesfalls einleuchtend, dass man unter "Asiatischer Kultur" diejenige versteht, die ihre Wurzeln in China hat. Die indische Kultur ist mindestens genau so bedeutsam.

Die Anmerkung "Wem das nicht passt, muss nicht weiterlesen" finde ich in einem Diskussionsforum nicht angemessen.

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Dienstag, 16. November 2010, 03:55


Lieber stevaro,

im Gegensatz zu dir bin ich der Meinung, dass gerade das kritische Nachfragen Interesse und Ernsthaftigkeit zeigt. Es ist keinesfalls einleuchtend, dass man unter "Asiatischer Kultur" diejenige versteht, die ihre Wurzeln in China hat. Die indische Kultur ist mindestens genau so bedeutsam.

Die Anmerkung "Wem das nicht passt, muss nicht weiterlesen" finde ich in einem Diskussionsforum nicht angemessen.

Ich sehe es ähnlich wie pag-asa. Fast jeder, der bisher zu diesem Thema geschrieben hatte, warf die Frage nach der asiatischen Kultur auf. Demnach scheint es hier verschiedene Ansichten zu geben. Chinesisch geprägt sind vor allem ostasiatische Länder, wie Japan, Korea und Vietnam. Man sieht dies u.a. an der Verwendung der Essstäbchen und der Schriftzeichen. Vietnam war zudem 100 Jahre lang französische Kolonie. Natürlich ging der chinesische Einfluss auch ein wenig in südlicher Richtung. Indonesien und Malaysia sind aber traditionell hinduistisch geprägte Länder und erst seit dem 15. Jh. muslimisch. Zudem waren auch diese Länder von Portugal, Holland und England kolonialisiert. Ähnlich ist es in den Philippinen, welche einen starken indisch-malaiischen Einfluss haben, aber auch spanisch und amerikanisch und ein wenig chinesisch, islamisch u.a. mehr beeinflusst sind. Natürlich ist es legitim, für das bessere Verständnis der Kulturdifferenzen zwischen Filipinos und Westlern einfach von Asiatischer und westlicher Kultur zu sprechen und dies eingangs zu begründen. Aber einige Tage nach Themenstart ist dieser Hinweis wohl auch nicht mehr bei allen präsent. :floet


visayas
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GrimmR

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12

Dienstag, 16. November 2010, 07:27

Christianisierung

christianisierung unter Spanien von 1580 an bedeutet was völlig anderes als z.B. Buddhismus. Christianisierung bedeutete im Zweifel werde Christ oder stirb... es war auch die Zeit der "Hexenprogrome" speziell in Spanien. Zuvor bei Karl dem Grossen war das nicht andes... z.B. Sachsen, er hat ca. 2000 Sachsenfürsten abschlachten lassen, weil sie sich weigerten das Christentum anzunehmen.

Würden heute alle christlichen Staaten nach der christlichen Lehre vorgehen, dann wäre das Ende der Menschheit mit 100%iger Sicherheit in Sicht ... s. z.B. katholische Vorstellungen zur Geburtenkontrolle ect..

13

Dienstag, 16. November 2010, 08:45

Christianisierung bedeutete im Zweifel werde Christ oder stirb...


Nur das gerade die Christianisierung seitens der Spanier auf den Philippinen im Vergleich zu anderen Weltgegenden relativ friedlich vonstatten ging und eben
weitestgehend nicht mit vorgehaltenem Schwert oder schwelendem Scheiterhaufen!
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DonPaco

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14

Dienstag, 16. November 2010, 12:15

Nur das gerade die Christianisierung seitens der Spanier auf den Philippinen im Vergleich zu anderen Weltgegenden relativ friedlich vonstatten ging und eben
weitestgehend nicht mit vorgehaltenem Schwert oder schwelendem Scheiterhaufen!
Das hat Jose Rizal aber etwas anders gesehen. Für die Veröffentlichung der von den Spaniern verübten Grausamkeiten wurde er ja schließlich auch hingerichtet.

15

Dienstag, 16. November 2010, 13:37

Ernsthaftigkeit ?

Lieber stevaro,

im Gegensatz zu dir bin ich der Meinung, dass gerade das kritische Nachfragen Interesse und Ernsthaftigkeit zeigt. Es ist keinesfalls einleuchtend, dass man unter "Asiatischer Kultur" diejenige versteht, die ihre Wurzeln in China hat. Die indische Kultur ist mindestens genau so bedeutsam.

Die Anmerkung "Wem das nicht passt, muss nicht weiterlesen" finde ich in einem Diskussionsforum nicht angemessen.
Möchte Deinen Beitrag dazu nutzen, vielleicht nochmals ein paar Dinge zu diesem Kulturthread hervorzuheben.

Ich beginne mit dem Schlußsatz: prinzipiell gebe ich Dir Recht, dass es nicht sonderlich geschickt ist in einem Forum den Mitgliedern einen Maulkorb zu erteilen. Das ist nicht meine Absicht gewesen. Dazu muss ich aber auf die Entstehungsgeschichte des Textes verweisen, der zu keinem Zeitpunkt als ein Forumsbeitrag geplant war, sondern ausschließlich als ein Blogbeitrag! Da die Software aber noch immer auf sich warten lässt, wollte ich mit einem Verweis auf meinen eigenen Blogbeitrag hinweisen, aber das wollten andere wohl nicht ...

Wie dem auch sei, im Moment stehen hier 2 Kapitel von insgesamt 8-10 Kapiteln. Wenn ich mir vorstelle, dass jedesmal nach den Beiträgen erstmal 20 und mehr Diskussionsbeiträge folgen, dann haben meine Beiträge ihren Sinn verfehlt, da man das nicht mehr verarbeiten kann, von "kompakt" oder gut lesbar ganz zu schweigen. Deshalb möchte ich zumindest anregen, diesen Thread nicht kaputt zu diskutieren, sondern die Diskussion dazu auszugliedern in einen eigenen Thread. Dann erübrigen sich auch Fragen nach der "Ernsthaftigkeit" der Diskussionen, da bei weiteren Kapiteln noch viel mehr Inhalte in einem zeitlich noch viel größeren Abstand folgen werden. Denn generell kann ich in einem Kulturthread nicht mitten in der Diskussion einsteigen, da fehlt sonst der komplette Bezug zum Anfang! Wer sich nicht die Zeit nehmen möchte, die Beiträge ernsthaft durchzulesen, der sollte dann bitte auch nicht aufgrund eines Zitates hier zwischen rein reden. Nur meine Meinung...

Hinsichtlich der Aussage mit der "asiatischen Kultur" behaupte ich im Übrigen nicht, dass alle Länder Asiens mit meiner Definition gemeint sind, sondern sich meine Definition "nur" auf die Kulturen bezieht, die ihre Wurzeln in China haben. Genausowenig mache ich eine Wertung oder gar Bewertung der Kulturen, was ich ohnehin für nicht angebracht erachte. Erkläre das mal einem Pinoy, wie wichtig seine Kultur im Vergleich zur indischen Kultur sei ... oder verstehe ich da was falsch. Dass es eine indische, arabische, russische oder jüdische Kultur in Asien gibt, deren Beleuchtung sicher interessant ist, versteht sich von selbst. Wenn wir aber die Eingangs von mir genannte Zielsetzung einer "kompakten" Kulturerklärung uns nochmals aufrufen, dann wirst Du sicher verstehen, dass ich mich auf die Betrachtung der Schamkultur beschränke. Wer mehr oder etwas anderes will, den halte ich nicht von der Erforschung ab.
Signatur von »stevaro«

16

Dienstag, 16. November 2010, 18:03

Stevaro, dein Gesichtspunkt leuchtet mir jetzt eher ein als zuvor.Vielleicht wäre es eine gute Idee, die Beiträge zur Erklärung der phil. Kultur tatsächlich als bloße Informationen zu sehen, so ähnlich wie die "News", wo ja auch nicht drüber diskutiert wird. Andererseits sind ja meistens doch Rückmeldungen, wenn man sich Mühe gegen hat wie du, durchaus vom Verfasser auch erwünscht. :denken

Aber das sollte jetzt an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Würde ja alles noch mehr auseinander reißen.

17

Dienstag, 16. November 2010, 21:05


Lieber stevaro,

im Gegensatz zu dir bin ich der Meinung, dass gerade das kritische Nachfragen Interesse und Ernsthaftigkeit zeigt. Es ist keinesfalls einleuchtend, dass man unter "Asiatischer Kultur" diejenige versteht, die ihre Wurzeln in China hat. Die indische Kultur ist mindestens genau so bedeutsam.

Die Anmerkung "Wem das nicht passt, muss nicht weiterlesen" finde ich in einem Diskussionsforum nicht angemessen.


Kritisches Nachfragen ist ja ok aber nicht wenn der TS den Bezug seiner Definition bereits erklärte und dann darauf rum geritten wird. Daher diese Diskussionen entfernt.


Des weiteren wird es hier nicht gehandhabt wie im Newsbereich. Aber ihr habt Pech den strengsten Mod erwischt für den Bereich. Der hat das Ziel das hier zu einer Art Aushängeschild und lehrreichen Bereich zu machen. Daher habe ich heute nur gelöscht, nächstes mal bin ich strenger.
Sorry das diskutiere ich auch gar nicht lange. Daher weiter im Topic.
Signatur von »andy74th«
Es grüßt Andre



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Sonntag, 21. November 2010, 06:59

3. Die Indirektheit

Wenn man nun einerseits den Gesichtsverlust vermeiden will und ebenso das Harmonieprinzip einhalten möchte, tut sich ein neues Verhaltensmuster auf, ohne welches dies kaum gelingen kann: die "Indirektheit"! Diese bedeutet konkret: man redet mitunter stundenlang um den heißen Brei herum! Es gilt dabei zu vermeiden, dass man Probleme direkt anspricht oder gar jemanden kritisiert. Für westlich orientierte Betrachter winden sich die Beteiligten solange, dass man am liebsten aufstehen möchte, auf den Tisch hauen und mal richtig "Tacheles" sprechen würde! Keiner kommt auf den Punkt. Man versteckt geradezu die Kritik in seinen Worten.

Wenn man nicht so viel Zeit zur Klärung des Sachverhaltes hat, besteht die Möglichkeit einen Mittelsmann einzusetzen. So erinnere ich mich als wir unsere Kinder auf die neue Schule vorbereiten mussten. Die Haupttutorin schaffte zeitlich nicht alles, sodass wir als zweite Tutorin deren Schwester akzeptierten. Der fehlte aber die Erfahrung und sie begann methodisch sehr ineffektiv! So hatten wir einige Verbesserungen vorzuschlagen, ohne deren sofortige Umsetzung jedoch, das Ganze keinen Sinn machte, da uns die Zeit dafür fehlte. Deshalb sprachen wir mit der Haupttutorin, ohne Beisein ihrer Schwester und erläuterten ihr gegenüber unsere Wünsche. Am nächsten Tag kam die Schwester und setzte die Dinge welche wir wünschten um, ohne dass sie ihr Gesicht dabei verloren hätte. Bei direkter Ansprache wäre das Verhältnis mehr als gestört gewesen.

Falls man keinen Mittelsmann einsetzen kann oder möchte, dann gibt es noch eine andere Methode der Indirektheit: man spricht über einen nicht Anwesenden oder eine fiktive Person! Diese wird dann anstelle des Anwesenden indirekt kritisiert und deren Verfehlungen aufgezeigt. So lassen sich dann manche Details ansprechen, ohne jemandem wehzutun. Allerdings sind hier Grenzen gesetzt, da der Betroffene ja die fiktive Person auf sich übertragen muss. Bei gemässigtem Vorgehen wird der so zu Kritisierende sein Gesicht nicht verlieren, da ihn persönlich niemand anspricht. Er wird dennoch aufmerksam zuhören und verstehen. Asiatische Antennen sind dafür sehr feinfühlig ...

Sollte die zuvor genannte Möglichkeit auch nicht durchführbar sein, dann muss man seine persönliche Kritik sehr behutsam vortragen! D.h. es ist erforderlich seine Beschreibung auf sein eigenes Problem zu beschränken und den anwesenden Verursacher dabei selbst nicht zu kritisieren. Gar nicht so einfach! Beispiel dafür: man lässt sein Auto reparieren, aber die Reparatur ist schlecht durchgeführt. Statt - naheliegend - auf den Mechaniker loszugehen, wird man schneller ans Ziel kommen, indem man über das schlechte Bauteil spricht, welches einem jetzt wieder Probleme bereiten wird. Hingegen wird eine Kritik an der Reparatur viel eher eine Selbstverteidigung auslösen, da man sein Gesicht nicht verlieren will ...

Kritik sogar öffentlich zu tätigen ist ebenso verpönt. Auch Kritik am eigenen Land wird kaum akzeptiert, da man diese sofort auf sich persönlich überträgt (als Folge des Gruppendenkens, vgl. nächstes Kapitel). So hatte ich in einem Gespräch mit einem Rechtsanwalt, die philippinische Diskriminierung der Ausländer angesprochen, da diese für die gleiche Leistung 10.000 Pesos bezahlen müssen gegenüber 2.000 Pesos, die Filipinos für exakt das selbe bezahlen. Dies ist eine gesetzlich festgelegte Gebühr, die auch so veröffentlicht wird. Obwohl mein Gegenüber ausreichend Umgang mit Ausländern hatte, hat er meine "Klage" als persönliche Kritik empfunden und er hat einige Minuten später eine "Gegenattacke" gefahren, indem er mir was vorwarf wo im Ausland diskrimiert würde. Auch ist es eine Tabuverletzung, vertrauliche Gespräche Dritten gegenüber zu zitieren. Die Folge daraus kann eine Distanzierung aller Parteien zu dem "Schwätzer" sein!

Vorsicht ist auch vor vermeintlichem Lob geboten, da dieses manchmal Kritik enthalten kann und nicht als Lob sondern als Kritik gemeint ist! Beispiel: man spricht jemanden an, dass er "aber viel zu tun" habe, meint jedoch seine Geschwindigkeit, da er so langsam arbeitet! Deshalb ist auch Vorsicht hinsichtlich unbedachten Lobes geboten, da dies falsch verstanden werden kann. Sinnlose Nettigkeiten werden nicht als "nett" empfunden, sondern lösen bei der Gegenseite eine Suche nach einem persönlichen "Fehler" aus.

Zwei weitere Beispiele für die Indirektheit, hinsichtlich Reklamationen:
1. Wer z.B. in Europa einkaufen geht, macht das üblicherweise nach dem Standpunkt: ich bin Kunde und bezahle die Ware, also habe ich auch Rechte mit meiner Bezahlung erlangt! Das Motto "Der Kunde ist König!" wäre hierfür überstrapaziert, dennoch verhalten sich viele Kunden trotzdem danach. Überheblichkeit, Frechheit, Geiz und Sturheit sind da Tagesordnung. "Wehe ICH kaufe etwas und nach 3 Tagen funktioniert das nicht mehr, aber dann!" Jedenfalls gibt es Kunden, die maulen den Verkäufer erst mal an, als hätte der sich persönlich an ihnen bereichert! Umtausch? - Nein, ich will mein Geld zurück! Es wirkt oft, als ob keine Mühe zu groß sei, das eigene Ziel zu erreichen. Ob der Verkäufer danach eine Minna ist, egal - ich bin König und darf jeden beleidigen, da ich bezahlt habe! In Asien undenkbar! Wer nur ansatzweise so agiert, zeigt was für einen schlechten Charakter er hat!

2. In den Philippinen habe ich einen gebrauchten Scanner verkauft, den ich vor dem Verkauf nicht mehr testen konnte. So gab ich ihn weg, nahm das Geld - und gut. Leider doch nicht so gut, denn die Dame reklamierte kurz darauf, dass er nicht funktioniere. Da ich vermutete, dass der Fehler in ihrer Bedienung lag, bat ich sie wieder zu kommen. Aber als ich das Netzteil einsteckte, blieb die Kontrolleuchte dunkel. Zum Glück hatte ich ein anderes Netzteil, welches ich ihr zwar nicht überlassen konnte, da ich es für ein anderes Gerät benötigte. Aber für den Test tauschte ich das Netzteil aus, die Kontollampe leuchtete sofort. Also meinte sie "Ok, alles nicht schlimm, dann müssen wir das ja nur austauschen." Da sie in der Nähe eines Geschäftes arbeitete, welche solche Netzteile verkauften und ich selbst keine Zeit zum Einkauf hatte, fragte ich sie ob sie eines kaufen könnte, ich würde das dann auch bezahlen. "Kein Problem. So kriegen wir das hin!" meinte sie. Es dauerte nicht lange und sie rief mich wieder an. "Netzteil geht, aber die gescannten Bilder sähen sehr merkwürdig aus!" Also kam sie wieder. Ich stöpselte den Scanner an den Laptop und hatte leider den selben Effekt. Sie meinte, um mir eine Brücke zu bauen "Das lässt sich doch reparieren - oder?" In Gedanken war sie schon längst bei einer Rückzahlung, hatte aber Angst dies direkt auszusprechen, da sie befürchtete ich könnte dadurch einen Gesichtsverlust erleiden. Ich gab ihr das Geld und ein Geschenk aus Deutschland zur Entschädigung wegen ihrer Mühe, damit auch sie keinen Grund hat "gekränkt zu sein".

Generell ist es so: Das ist eine Form von Diplomatie, die man lernen kann. Wer einen Asiaten "anpoltert", braucht allerdings keine sinnvolle Antwort mehr zu erwarten! Auch ist es üblich, nicht gleich beim Anlass zur Kritik, diese sofort loswerden zu müssen. Ein paar Stunden oder Tage später, reicht meist auch noch. Wer aber als "Hackklotz" geboren wurde und vielleicht noch stolz auf seine "Direktheit" ist, sollte sein bisheriges Glück nicht überstrapazieren! Der Gesichtsverlust ist das Schlimmste, was man einem Asiaten antun kann! Entsprechend können seine Reaktionen darauf ausfallen ...
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Amos

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19

Montag, 22. November 2010, 08:35

Schön zu lesen.

Gerade das "warten" mit der Kritik habe ich für mich als extrem wichtig und hilfreich entdeckt.

Als ich länger da war und jeden Tag mit Philipppinos gearbeitet habe, hatte ich irgendwann die Ruhe weg was Kritik angeht. Hat mich was geärgert, habe ich zwar innerlich gegrummelt, aber alles erstmal geschluckt. Hatte man dann einige Tage das Grummel schon vergessen und sich wieder beruhigt, konnte ich in aller Ruhe und mit viel Vorsicht die Dinge mehr oder weniger direkt, oder über eine Drittperson ansprechen und konnte alles so freundlich verpacken, dass niemand verletzt war. Ich hatte ein sehr gutes Verhältnis zu Philippinos und habe mich bestens mit ihnen verstanden. Ich hatte einen guten philippinischen Freudneskreis und habe viel Zeit mit Philippinos verbracht.

Genau an dem Punkt gab es für mich aber riesige Unterschiede zwischen Tourist sein und dort leben.

Bis ich es gelernt hatte Freundlichkeit, Ruhe und Vorsicht walten zu lassen, hatte es mindestens ein halbes Jahr gedauert.

Genau das fehlt mir aber, wenn ich als Tourist da bin und ich mache viele Fehler was das angeht. Komme ich gerde frisch aus Deutschland und bin nur für drei Wochen da, kann ich den Deutschen nicht schnell genug aus mir herausbekommen, bzw mich nicht schnell genug mitkriegen. Ich gebe mir Mühe, erwische mich dann aber selber, dass ich schnell kritisiere und mich über Dinge zu schnell ärgere.

Beim letztenn Urlaub ganz extrem. ich war nur 18 Tage da und wir wollten möglicht viel für die Hochzeit organisieren. Es war toll auf den Phils zu sein, aber irgendwie habe ich mich oft geärgert und bin mit einigen Leuten etwas aneinander gerasselt. Erst recht spät, habe ich dann seöbstreflektierend erkannt, dass ich einfach meistens viel zu direkt war und einfach immer nur tacheless sprechen wollte. Gerade weil man sich denkt "ich bin ja bald wieder weg, ich will das jetzt klären".

Ich kriege es im Urlaub auch selber mit und ärgere mich manchmal über mich selbst. Aber um sich auf die philippinische Umgangsweise umzustellen braucht es wirklich viel Zeit und Geduld und auch den Willen sich selbst zu ändern.

pub.lish

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20

Montag, 22. November 2010, 10:23

Zitat

Die Philippinen haben keine asiatische Kultur

Die "philippinische Kultur" lässt sich mit einem einzigen Wort erfassen: Stolz; als unmittelbare Empfindung, die dem Bewusst-sein über die eigene Identität entspringt. Sie ist der Beginn des Individuums, das Initial von Gruppe, Volk und Nation.


Eine romantisierende Typisierung einer Kultur, wie ich sie dem Subtext entnehme, würde ich als "zärtlichen Rassismus" werten. Anstelle jenes, würde mich eine innere Definition interessieren, von einem Vertreter der philippinischen "Intelligencia".


Danke für den Text.
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21

Donnerstag, 25. November 2010, 04:04

4. Das Gruppenverhalten

Das Gruppendenken und Gruppenverhalten oder auch Kollektivität genannt, ist eine wichtige Komponente der asiatischen Kultur. Wer der jeweiligen Gruppe nicht angehört, wird von ihr ausgegrenzt oder gar diskriminiert. Dabei stellt die bedeutendste Gruppe die eigene Großfamilie dar (aufgrund ihrer Bedeutung, wird dieser ein separates Kapitel gewidmet). Weitere Gruppen sind teilweise für Westler erheblich schwieriger zu durchschauen. Sie bilden sich z.B. am Arbeitsplatz, durch regionale Zugehörigkeit, sozialen Gruppierungen usw. So existiert ein teils hoch kompliziertes von außen schwer durchschaubares Gefüge. Hierbei gibt es jedoch Auswirkungen auf andere Kulturkomponenten, die vom Gruppenverhalten dominiert werden. Wie bereits erwähnt, ist dann durchaus möglich, dass die Familien- oder Gruppeninteressen z.B. das Harmonieprinzip bzgl. Nichtmitgliedern aushebeln!

Die Gruppe ist einerseits bestimmend über das Leben des Einzelnen, nimmt ihm aber auch viel ab was Individualität und Freiheit angeht. Im Westen würde man sagen, der Asiate wird seiner Freiheit beraubt, jedoch empfindet er selbst es nicht so! So spielen sich das Leben, die Arbeit und auch Freizeit überwiegend in der Gruppe ab. Einzelgänger oder Individualisten wie man diese im Westen nennt, gehören nicht dazu und werden diskriminiert (sorry für die Wiederholung - aber es gibt m.E. keine treffendere Bezeichnung). Intimsphäre oder andere private Freiheiten sind relativ unbedeutend, zumindest im Vergleich zum Westen. Innerhalb der Gruppe werden intime Fragen sehr offen besprochen, genauso wie ein Besuch eines Gruppenmitgliedes nicht angekündigt werden muss. Jedenfalls wenn man etwas unternimmt, tut man das nicht alleine, sondern nimmt andere mit. Das bietet mehr Sicherheit, aber auch mehr Spaß, zumindest nach asiatischem Verständnis.

Bei Festen wie Hochzeit, Taufe oder Geburtstagsfeiern wird man ebenso Einblicke in das Gruppenverhalten gewinnen. Während man bei Kindergeburtstagen noch von einem mehr oder weniger geschlossenen festen "Programm" wenig überrascht ist, laufen solche Anlässe bei Erwachsenen erstaunlicherweise durchaus ähnlich ab. So ist dann auch wenig verwunderlich, dass die Gastgeber zunächst warten ... und warten ... und schlagartig ist die "Hütte voll". Fast wie auf Kommando trifft man "asiatisch pünktlich" ein - klar in Gruppen - welche sich vorher trafen und zusammen erscheinen. Das Programm wird dann schon fast zeremonienartig "abgenudelt", ein Programm an dem alle gleichzeitig teilnehmen. Ob Spiel oder Vortrag oder Gesang. Oft wird dann irgendwann die Karaokebox angeworfen und in der Gruppe das Mikrofon zum Singen durchgereicht. Von wenigen hartgesottenen Ausnahmen abgesehen, kommt dann der Zeitpunkt des Aufbrechens wiederum wie ein geheimes Kommando, wo die Masse praktisch zusammen verschwindet.

Partygäste im Westen sind da anderes gewohnt: man tanzt mit seinem Partner, man unterhält sich in kleinen Grüppchen von 2 oder 4 Leuten. Das asiatische Feiern lässt sich auf deren Bedürfnisse nicht übertragen. Individualität ist das Schlagwort. Wo käme auch "Partygast" hin, wenn er sich einem oft als "lächerlich" oder "kindisch" empfundenen Gruppenverhalten unterordnen müsste? Er empfände das meist als anmassenden Zwang, langweilig und öde. Was es aber nicht ist, sofern man Teil der Gesellschaft wird ... Auch werden im Westen die Feierlichkeiten nicht in der Form beendet, sondern plätschern eher aus. Ähnlich sind Fotografien einzuschätzen. Während man im Westen "mein Kind, meine Frau oder mein Pferd und ich" als seine Bilder ausweist, sprechen z.B. in "Facebook" Asiaten eine ganz andere Bildersprache. Dort sieht man dann beispielsweise viel mehr Gruppenbilder welche das Thema haben könnten "meine Schulklasse, meine Geburtstagsgäste, meine Familie oder unsere Gesangsgruppe". Dabei ist es dann aber wiederum wichtig wie man selbst zusammen mit seiner Gruppe aussieht.

Doch mehr als diese äußerlichen Erscheinungen vermuten lassen, ist das Gruppenverhalten viel tiefer verwurzelt. Gerade aus dem engen und streng hierarchischen Familiengeflecht resultierend (die Hierarchie wird in einem späteren Kapitel betrachtet), ersetzt es die Freunde außerhalb der Familie, wie man sie z.B. im Westen kennt. Um hier keine Lücke entstehen zu lassen, ist ein Beziehungsgeflecht erforderlich, das im Alltag nützlich ist und für bestimmte Anforderungen unentbehrlich wird. Wer einen speziellen Handwerker braucht, fragt jemanden innerhalb seines persönlichen Netzes nach einer Person mit diesen Eigenschaften. "Oh, sorry! Das kann ich nicht. Aber der Nachbar meines Schwagers den kannst Du mal nachfragen." Sollte der aber auch nichts wissen, dann kann der sicher wieder auf einen anderen "Nachbarn seines Schwagers" verweisen oder den ersten Befragten noch mal ansprechen, da der bestimmt auch noch eine Schwägerin mit einer Nachbarin hat ...

So lassen sich über ganz kurze Wege Leute finden, bei Polizei, Justiz, Behörden, Handwerk oder beliebigen Dienstleistungen, in nahezu allen Gesellschaftsschichten. Wer dieses System nicht kennt, bewegt sich mit einer erheblichen Portion Unsicherheit bis Angst durch Asien. Das kann man ändern, indem man Augen und Ohren öffnet. Schnell wird man Schlüsselfiguren ausmachen können, die anscheinend jeden kennen. Zumindest kennen sie immer jemanden, der wiederum einen anderen kennt und dann ist man schnell an der richtigen Stelle. Der Zauber liegt im eigenen persönlichen Kontaktnetz, das man ständig pflegen und ausbauen sollte.

Inzwischen kann man sogar belegen, dass über 5 Stationen jeder zu jedem Menschen auf der Erde Kontakt haben soll ... Mein persönlicher Eindruck: während im Westen denn doch vielleicht 7 Stationen dafür notwendig sind, reichen in Asien lediglich 3 aus!
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22

Montag, 29. November 2010, 10:05

Kulturdifferenzen Teil 5: Die Familie

Generell wird in Asien der Familie, eigentlich wie jeder Gesellschaftsgruppe, immer eine größere Bedeutung zugestanden als einer Einzelperson. Das einzelne Familienmitglied erfährt darin einen besonderen Schutz. Deshalb unterscheidet sich die Familienstruktur auch sehr stark von der westlichen Vorstellung.

So übernimmt das Familienoberhaupt die Verantwortung für seine Familie. Dies bedeutet aber auch, dass es sich sich dafür in Belange einmischt, die es für wichtig hält, aber es nach westlichem Verständnis nichts angeht! So wird es bei der Kindererziehung, bei Ehefragen, Schul-Enrollment, Berufswahl, Streitschlichtung oder finanziellen Themen usw. sich mehr oder weniger tief in die Entscheidung des Einzelnen einmischen!

Das Familienoberhaupt ist nicht abwählbar und begleitet seine Funktion bis zum Tod. Danach übernimmt der in der Hierarchie nachfolgende (Kapitel 6 beschäftigt sich mit dem Kulturmerkmal "Hierarchie") die Funktion. Die Loyalität in der Familie ist normalerweise (zumindest im Idealfall) unbegrenzt. Vorsicht ist allerdings vor den Ausnahmen geboten! Denn Außenseiter sind meist nicht ohne Grund "Abtrünnige" und werden sich auch nicht in anderen Belangen integrieren. Hingegen nicht zur Familie gehörende Menschen, werden sogar teilweise soweit ausgegrenzt, dass man ihnen mehr als nur reserviert gegenübersteht. So wundern sich viele aus dem Westen stammende, dass bei einem Verkehrsunfall sich manchmal keiner drum kümmert oder gar hilft ...

Das heißt hier verbirgt sich ein komplett anderes Wertesystem dahinter! Denn im Gegensatz zum Westen, wo Individualität und Egoismus dominieren und man dafür eine Alterseinsamkeit in Kauf nimmt, steht in Asien die Großfamilie mit weitem Abstand an erster Stelle. Ältere Menschen werden deshalb derzeit noch mehr respektiert, als im Westen. Die Familie ist DIE Altersversorgung, sie ist ein Personenschutz, ein Hort der Geborgenheit und vieles mehr. Die Familie bildet den persönlichen Bewegungsrahmen und definiert in weiten Zügen das Leben. So ist es nicht sonderlich verwunderlich, dass die Großeltern oft ein gewichtiges Wort bei der Kindererziehung haben und in die Erziehung den Eltern reinreden! Andererseits ist den Großeltern, ohne weitere Hinterfragung, selbstverständlich ihr Auskommen bis zum Tod gesichert.

Doch es gibt noch andere Tragweiten dieses Familiensystems. Denn die Familie ersetzt oft Freundschaften, wie man sie vom Westen her kennt. Dort ist eine Freundschaft meist die engste menschliche Beziehung, gleich nach der Partnerschaft. Dass dies aber nicht nur Vorteile hat, zeigen all die Fälle im Westen, bei denen das ganze Leben aus den Fugen zu geraten droht, wenn eine Freundschaft zerbricht (Beispiel: Amokverhalten). Dagegen sind tiefer gehende Freundschaften in Asien eher selten. Die Familie ersetzt diese in nahezu jeder Beziehung. Denn während Freundschaften abrupt zu Ende gehen können, Verwandtschaftsverhältnisse sind nicht kündbar! Die Tochter bleibt die Tochter und der Opa bleibt der Großvater. Die Mutter wird nicht in ein Heim abgeschoben, nur weil sie zum Pflegefall wird. Sie käme niemals auf den Gedanken, dass sie jemandem dadurch in eine unzumutbare Situation brächte. Auch die Eltern müssen sich keinen Kopf zerbrechen, wer auf das Kleinkind aufpasst, da der Babysitter gerade Urlaub hat. Sollte jemand auf irgendeine Weise ein Familienmitglied gar bedrohen, dann wird er es schnell mit der ganzen Sippe zu tun bekommen.

Ein anderer Punkt der sehr oft auf Unverständnis im westlichen Lager stößt, sind die familiären Umgangsformen. So sind Streitigkeiten in Asien innerhalb einer Familie zwar meist an der "Tagesordnung", gehen aber üblicherweise nicht so tief. Hingegen Streitigkeiten außerhalb der Familie, versucht man aus dem Weg zu gehen, da schnell unüberbrückbare Gräben entstehen. Daraus ergeben sich dann für das westliche Verständnis kaum nachvollziehbare Sachverhalte. So streiten und zanken sich dann z.B. zwei erwachsene Schwestern, dass die Fetzen fliegen. Nur wenige Stunden später sind beide einträchtig beim Shopping zu sehen. Falls sich das häufiger wiederholen sollte, wäre das kein Widerspruch, sondern eher eine Bestätigung der Regel! Gerade dieses schnelle "Verzeihen" wird im Westen häufig als "oberflächlich" missverstanden.

Wenn nun ein Westler Gefallen an dem asiatischen Familienmodell findet und auf die Idee kommt, sich in solch eine Familie einbringen zu wollen, sollte sich aber zumindest auch diesen Abschnitt möglichst vorher durchlesen. Denn der Verlust der Individualität, der Intimsphäre und Freiheit, mag auf eine zeitlich befristete Dauer noch wie ein Abenteuer wirken, das man vielleicht gerne mal eingeht. Aber wie sieht es denn aus, wenn ich täglich bemerke, dass sich Mitglieder der Familie am Tage in meinem Bett ausruhen? Wie werde ich die tägliche "Ganztagesmahlzeit" verkraften (so kann es zumindest jemandem vorkommen, wenn 25 und mehr Menschen nicht gleichzeitig am Tisch Platz finden aber mindestens Frühstück, Mittagessen und Abendessen daran einnehmen)? Geht mir die Verwandtschaft nicht auf den Zeiger, wenn ich mal einen Ausflug alleine machen will? Denn auch da ist es selbstverständlich, dass man ohne weitere Rückfrage fertig gepackt neben dem Auto bereits wartet. Wo kann ich denn hingehen, wenn ich mal ein paar Stunden ganz alleine sein möchte? Werde ich damit klar kommen, dass ein "Geheimnis" welches ich nur mit einem Menschen teilen möchte, innerhalb einer Stunde die ganze Sippschaft diskutiert? ...

Dass nämlich der Gewinn durch die Familienbeziehung sich für jemanden, welcher im Westen mit dem westlichen Wertesystem aufwuchs, mehr als nur zum Prüfstein werden kann, ist noch verständlich. Aber eigentlich muss man vor solch folgenreichen Entscheidungen warnen, diese leichtfertig oder vorschnell zu treffen - sie sind reiflich zu überlegen! Denn ein Rückzug aus dem Clan ist kaum reibungsfrei durchführbar und kann katastrophal enden, denn oft bleibt es dann nicht bei Enttäuschungen oder "nur" Gefühlsverletzungen ...
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23

Dienstag, 30. November 2010, 00:48

Meinug und Ergänzung:
Dass nämlich der Gewinn durch die Familienbeziehung sich für jemanden, welcher im Westen mit dem westlichen Wertesystem aufwuchs, mehr als nur zum Prüfstein werden kann, ist noch verständlich. Aber eigentlich muss man vor solch folgenreichen Entscheidungen warnen, diese leichtfertig oder vorschnell zu treffen - sie sind reiflich zu überlegen! Denn ein Rückzug aus dem Clan ist kaum reibungsfrei durchführbar und kann katastrophal enden
Deine Darstellung der Familie sollte denen, die in eine solche Famile "einheiraten", als Ratgeber willkommen sein, die sich Fragen stellen wie z.B.:
  1. Bin ich jemand, der sich da hineinfinden kann, auf Dauer? Oder ist das etwas, was mich eher dazu bringen sollte, Abstand zu nehmen bzw. zu halten?
  2. Bin ich so aufgestellt, dass diese Art der Familie etwas ist, was mir u.U. bisher gefehlt hat?
VOR der Entscheidung hat man je nach Anwort auf die eigenen Fragen noch die Möglichkeit, von einer solchen "Union" die Finger zu lassen.
NACH einer (positiven) Entscheidung - man will ja nicht die Familie heiraten, sie ist quasi das "Hochzeitsgeschenk" - gibt es dann die 2 Alternativen:
  • Räumlichen Abstand zur Famile erzeugen - sei es durch die Rückkehr des Paares nach Deutschland, sei es durch den Umzug auf eine andere der 7.000 Inseln,
  • Die Familie als Teil des eigenen ständigen Umfelds akzeptieren, da sehe ich durchaus auch den einen oder anderen Westler für geeignet.
Und sollte jetzt einer zurückposten: Nein, das geht auf keinen Fall: dann ist er eben nicht dafür geeignet, auch gut :clapping
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Peter Pando

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Wenn das Leben dich nicht veraendert hat,
solltest du dein Leben aendern.

24

Montag, 6. Dezember 2010, 05:13

Kulturdifferenzen Teil 6: Die Hierarchie

Hierarchisches Denken ist in Asien allgegenwärtig: in der Familie, im Beruf, in der Schule, in der Politik und im öffentlichen Leben. Innerhalb einer Familie gelten die Hierarchien dann z.B. in der Form, dass Brüder sich dem Alter nach sortieren und anschliessend die Schwestern, auch dem Alter entsprechend folgen! Der jeweils niedrigere ist dem höher gestellten zu Respekt (vergl. auch späteres Kapitel zu Gestik) und bei "Bedarf" (wobei dieser Begriff sehr dehnbar ist) sogar zu finanzieller Unterstützung verpflichtet! Diese Regel wird beispielsweise auf den Philippinen in vielen Familien noch gelebt, unabhängig von der gesetzlichen Regelung, welche nur das Alter nicht aber das Geschlecht berücksichtigt! (Achtung: Bitte die Hierarchie nicht verwechseln mit der kulturellen philippinischen Besonderheit des "Utang na loob"!)

Äussere Symbole begleiten und unterstützen diese Hierarchien wie z.B. die Größe des Autos, der Wohnung oder Haus, des Büros, Einrichtungsgegenstände, Schmuck, etc. Dies erklärt auch die Bedeutung von Statussymbolen, die zwar im Westen ebenso existieren, aber bei weitem nicht diese Bedeutung haben! Eine zumindest denkbare Erklärung dafür, weshalb sich viele für die Statussymbole sogar verschulden, da ihnen der Besitz allein zu viel mehr (vermeintlichem) Ansehen verhilft. Ebenso sind Sitz- und Marschordnungen, besonders in der politischen chinesischen Öffentlichkeit, ein Spiegelbild des Machtgefüges.

Wer eine spezielle öffentliche oder berufliche Funktion inne hat, den spricht man üblicherweise mit Namen und seiner Funktion auch an: Attorny Fernandez, Teacher Jude, Mayor Osmena, Senator Marcos, usw. Aufgrund seiner Funktion wird er automatisch respektiert, drückt diese doch die Position innerhalb der gesellschaftlichen Hierarchie aus. Als Respektsperson wird er deutlich von Kritik oder Hinterfragung seines Tuns ausgenommen (auch unter Berücksichtigung des Indirektheitsprinzips, welches im öffentlichen Umgang noch weitere Regeln kennt, die wir hier aber nicht weiter verfolgen). Deshalb lässt man sich auch viel schneller von Politik und Religion in die Irre führen, da man sich erst gar nicht traut diese zu hinterfragen. Ein Manager wird bereits aufgrund seiner Funktion respektiert. Wenn dieser einen Mitarbeiter entlassen muss, wird dieser kaum echten Einspruch erheben. Es sei denn er verliert bei der ganzen Aktion sein Gesicht! Dann wird er wiederum, möglicherweise aber erst viel später, darauf reagieren.

Eltern sind innerhalb der Familienhierarchie generell Respektspersonen, die frei von jeglicher Hinterfragung ihres Tuns sind. Kritik an einem hierarchisch hoch Stehenden oder gar an dem Familienoberhaupt ist tabu. Die philippinischen Besonderheiten der Familienhierarchie wollen wir an dieser Stelle nicht weiter vertiefen, da diese eine eigene Betrachtung wert sind. Generell hat das hierarchische Familiendenken in Asien einen Stellenwert, der westlichem Denken fremd ist.

Im Westen wird eine andere Werteordnung vermittelt, die z.B. in Deutschland auch im Grundgesetz verankert ist: Gleichheit, Freiheit, Gerechtigkeit! In Verbindung mit der Aufklärung wie sie Immanuel Kant verstand "sich seines eigenen Verstandes zu bedienen", führt dies zu einem völlig anderen Bild. Die Aufklärung im Westen hinterfragt fast jedes Tabu. Jeder hat ein Recht darauf, die Erklärung für eine Entscheidung des anderen zu erhalten. Nicht nur dies, er kann seine Meinung dazu äussern und Kritik üben. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass weder Eltern, Vorgesetzte, Religionsführer oder Politiker davon ausgenommen sind. Ein in Asien unvorstellbarer Gedanke, die Hierarchie lässt sich nicht ignorieren! Hier besteht leider eine sehr gefährliche Falle für Westler: denn seine ganze Erziehung, seine Umgebung, sein gesellschaftlicher Umgang und sein Wertesystem, erlauben ihm wiederum diese Tabus nicht! Aber wer hier einem Asiaten die falsche Frage stellt oder ihm unberechtigter weise etwas vorwirft, zerschlägt meist unwiederruflich das "Porzellan"! Dieses ist zwar schnell verstanden und aufgeschrieben, aber die Umsetzung kann leicht zu einer Lebensaufgabe ausarten. Im schlimmsten Fall lässt sie sogar manche daran scheitern.

Ein Freund erzählte mir von absoluten Ungeheuerlichkeiten, die ihm und seinen Geschwistern von ihrer Mutter angetan wurden. Er meinte dies jedoch nicht als Vorwurf in Richtung seiner Mutter, da er sofort dazu sagte: "Aber das ist meine Mutter. Da kann man nichts tun!" Die Hierarchie wird als von "Gott gegebene Selbstverständlichkeit" akzeptiert. Aus dieser durch Hierarchien bestimmten Werteordnung, leiten sich auch zumindest teilweise der in Asien weit verbreitete Fatalismus ab. Denn die Hierarchie lässt sich nicht anzweifeln und somit sind alle daraus entstehenden Konsequenzen mit Geduld zu ertragen. Je weiter man selbst gewohnt ist in den unteren Hierarchien sich zu bewegen, desto größer ist die Leidensfähigkeit! Diese hat direkt nichts mit Dummheit oder mangelnder Bildung zu tun, wie es mancher westliche Beobachter vielleicht einschätzen mag. Es ist lediglich die Anerkennung eines Hierarchiesystems, in dem man aufwuchs und an dem man meist nichts ändern kann. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Je weiter man "oben" innerhalb der Hierarchie reingeboren wurde, desto größer ist meist der Wohlstand. Je weiter "unten" man hinein geboren wird, desto beschwerlicher und anstrengender wird sich das eigene Leben gestalten. Dies kann bis zum, nach westlichem Verständnis, "Sklaventum" reichen! Daraus resultieren dann Schicksale wie Prostitution, Pädophilie und Menschenhandel. Habe von einem einfachen Mann auf dem Land erfahren, der seine Schulden bei seinem Nachbarn nicht bezahlen konnte. Der war bereits über 70 Jahre alt und erklärte sich bereit, die Schulden zu erlassen, sofern der ihm seine jugendliche Tochter dafür übergäbe ... Ein anderer fragte mich, ob ich keinen reichen Ausländer für seine jungfräuliche Tochter kennen würde, die dann den "gerne auch 80-jährigen" heiratet ... Das sind dann die Momente, wo man verzweifeln könnte.

Aber Hierarchien sind nicht immer starr und unveränderlich, auch wenn sie so scheinen. Erfolge eines Gruppenmitglieds, insbesondere finanzieller Art (guter Job, hohes Gehalt, besondere Leistung etc.), lassen das Mitglied in der Hierarchie nach oben aufsteigen. Hingegen werden Versagen oder unangebrachtes Verhalten (negative Charaktereigenschaften), die jeweilige Person in der Hierarchie absteigen lassen. Dies gilt sowohl in gesellschaftlichen Hierarchien, als auch in den familiären.

Viele Westler überschätzen ihre eigene Persönlichkeit im Umgang mit diesen Gruppen-Hierarchien. Kuschen, Schäden finanziell abgelten und stets kleinbeigeben, führt zu dem zuvor beschriebenen Abstieg. Daraus aber zu folgern, man muss nur die anderen anschreien und einschüchtern, kann helfen - muss es aber nicht. Denn man wird damit in der Hierarchie nicht aufsteigen, sondern zum Aussenseiter, vor dem die meisten im Moment Angst haben. Allerdings sollte in diesen Fällen eher der Aussenseiter Angst haben, da er sich mit diesem Verhalten potentielle Feinde schafft. Und wer will schon in permanenter Angst leben?
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Montag, 6. Dezember 2010, 05:44

gerade unter geschwistern sollte man die hierarchie nicht ganz so eng sehen, da sie sich mit zunehmendem erfolg beruflicher und finanzieller art verschiebt.... es kommt durchaus vor, dass z.b. die juengste schwester zwar weiterhin ihre aelteren geschwister "blessed", aber ihre meinung z.b. bei familienentscheidungen am meisten respektiert wird, da sie eben den meisten "erfolg" aufzuweisen hat und damit als beispiel fuer alle gilt.... dafuer habe ich in meinem umfeld schon etliche beispiele gesehen.... im gegenteil, mir scheint die allgemeine herarchie unter geschwistern auf alltaeglichkeiten zu beruhen, aber wenn es um etwas geht, sieht man auf einmal eine ganz andere rollenverteilung..... gleichartiges habe ich in geringerem masse auch bei der eltern - kinder beziehung gesehen, wo dann die mutter oder der vater auf einmal grossen wert auf die meinung der juengsten legt, weil die ja als einzige in der familie echte kohle verdient.... man sieht das uebrigens recht haeufig bei OFWs aber nicht nur....

man koennte also die geschwisterliche hierarchie oder rangfolge aufteilen: da waere dann zum einen die zuerst von stevaro erwaehnte rangfolge und zum anderen die auf erfolg beruhende rangfolge, die er am ende auch erwaehnt, wobei diese sich durchaus verschieben kann, wenn andere geschwister auf einmal auch erfolge im leben aufweisen koennen.....

es sollte abschliessend noch dazu gesagt werden, dass die aelteste schwester im allgemeinen vor dem zweitaeltesten bruder rangiert, wenn sie die erstgeborene ist....
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icediver

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26

Dienstag, 7. Dezember 2010, 12:22

schließe mich da der meinung von kaithoma an.

meine kleine, jüngste tochter und insgesamt die drittjüngste von acht, bekommt von zu hause viel respekt und wird auch bei familiären entscheidungen um ihre meinung befragt.

ist vielleicht aber auch nicht überall so.

icediver

27

Freitag, 23. Dezember 2011, 19:04

Schade...

Warum schreibst du nicht weiter... Ich finde es sehr interessant!
Signatur von »narak1964«
Am schädlichsten für ein Unternehmen sind hoch motivierte Arbeitnehmer die keinen Überblick haben!

28

Samstag, 24. Dezember 2011, 02:17

Warum schreibst du nicht weiter... Ich finde es sehr interessant!
Dann schau doch mal hier:
http://www.philippinen.cc/ Da wirst Du weiter in aller Regelmäßigkeit gut bedient! :hi
Signatur von »fritzcat«
What a drag it is getting Old!
The Rolling Stones (Mother´s little helper)

:rauchen

sts

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29

Samstag, 24. Dezember 2011, 08:53

die geschwister meiner frau sind untereinander gleichberechtigt, so jedenfalls mein eindruck in den letzten 10 jahren auch intensivem zusammenlebens. mit den partnern,ehemännern gab es dafür probleme, weil die sich nicht einordnen lassen wollten in die hirarchie. deshalb haben sie sich auch mehr oder weniger entfernt,alle weg...

ansonsten finde ich stevaros beiträge sehr sehr lesenswert.

sts
Signatur von »sts«
Leben wie Rockefeller, warum kaufen wenn mieten so einfach ist.

30

Montag, 2. Januar 2012, 09:38

Ich konnte feststellen, dass der wirtschaftliche Erfolg für die Hirachie sehr entscheidend ist. Meine Frau hat sowohl ältere als auch jüngere Schwestern und Brüder. Ihre Familie war mal sehr arm. Aber meine Frau ist mit 18 ins Ausland arbeiten gegangen, hat hard gearbeitet und hat alles gespart. Dadurch zählt ihre Familie jetzt zu den wohlhabenden im Dorf. Ich hatte das Gefühl, das alle sofort sprangen, wenn meine Frau nur mit den Augen zwinkerte. Und auch wenn es irgendwelche Probleme gibt, wird sie angerufen und um Rat gefragt. Sie ist durch ihren wirdschaftlichen Erfolg zum absoluten Familienoberhaut aufgestiegen, auch Ihre Eltern haben sich ihr untergeordnet. Aber zu Kulturdifferenzen: Zu Neujahr musste ich in alle Taschen Geld stecken und damit klappern, um sicherzustellen, dass wir das ganze Jahr über Geld haben werden. Und auf den Tisch musste eine Schale mit vielen verschiedenen runden Früchten stehen, ich glaube für Glück oder so was. Und wir haben lange Spaggetis für ein langes Leben gegessen.

railman1967

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31

Montag, 2. Januar 2012, 10:26

Ich konnte feststellen, dass der wirtschaftliche Erfolg für die Hirachie sehr entscheidend ist. Meine Frau hat sowohl ältere als auch jüngere Schwestern und Brüder. Ihre Familie war mal sehr arm. Aber meine Frau ist mit 18 ins Ausland arbeiten gegangen, hat hard gearbeitet und hat alles gespart. Dadurch zählt ihre Familie jetzt zu den wohlhabenden im Dorf. Ich hatte das Gefühl, das alle sofort sprangen, wenn meine Frau nur mit den Augen zwinkerte. Und auch wenn es irgendwelche Probleme gibt, wird sie angerufen und um Rat gefragt. Sie ist durch ihren wirdschaftlichen Erfolg zum absoluten Familienoberhaut aufgestiegen, auch Ihre Eltern haben sich ihr untergeordnet. Aber zu Kulturdifferenzen: Zu Neujahr musste ich in alle Taschen Geld stecken und damit klappern, um sicherzustellen, dass wir das ganze Jahr über Geld haben werden. Und auf den Tisch musste eine Schale mit vielen verschiedenen runden Früchten stehen, ich glaube für Glück oder so was. Und wir haben lange Spaggetis für ein langes Leben gegessen.


Das man eine Münze in der Hosentasche zum Jahreswechsel haben muß wird bei uns ebenfalls zelebriert. Ebenso besteht der philippinische Teil der Familie auf den Verzehr von einer Frucht für den Erhalt der Gesundheit im kommenden Jahr. Das mit den langen Spaghetties ist mir allerdings neu.
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Brot kann schimmeln...und was kannst Du ?



Matthy99

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32

Montag, 2. Januar 2012, 11:02

Zu Neujahr musste ich in alle Taschen Geld stecken und damit klappern, um sicherzustellen, dass wir das ganze Jahr über Geld haben werden. Und auf den Tisch musste eine Schale mit vielen verschiedenen runden Früchten stehen, ich glaube für Glück oder so was. Und wir haben lange Spaggetis für ein langes Leben gegessen.
ja - kann ich alles bestätigen,

alle im haus vorhandenen münzen (und es waren nicht gerade wenige) wurden ich eine kochtopf verbracht,
um NULL uhr wurde damit draussen vor der haustür geklappert, was das zeug hält,

mindestens 13 verschiedene früchte mussten auf dem tisch präsentiert werden
(wir kauften sicherheitshalber 14)

und die längsten spaghettis mussten gekauft und sylvester abend verspeisst werden

LG
Matthy
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1. ich habe GELD gegen ZEIT getauscht - und es geht mir gut!
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kaithoma

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33

Montag, 2. Januar 2012, 11:05

die muenzgeschichten und die fruechte sind mir auch bekannt..... wobei es bei den muenzen variationen gibt.... bei meiner frau im dorf werden die muenzen nach dem "klappern" in die luft geworfen und die kinder duerfen die aufklauben.....

die langen spaghetti fuer langes leben kenne ich auch nicht, aber das ist vielleicht regional unterschiedlich......
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edgar

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Dienstag, 3. Januar 2012, 05:13

ist ueblich hier bei uns, wobei urspruenglich reisnudeln genommen wurden. gibts auch an geburtstagen etc.
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[X] <---- hier bitte bohren für neuen monitor.

bernd f

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35

Dienstag, 3. Januar 2012, 06:57


Ich kriege es im Urlaub auch selber mit und ärgere mich manchmal über mich selbst. Aber um sich auf die philippinische Umgangsweise umzustellen braucht es wirklich viel Zeit und Geduld und auch den Willen sich selbst zu ändern.
ja , genau und dann immer wieder das gefühl zu haben "ich kenn mich mit der mentalität gut aus" - und man denkt schon wieder verkehrt und muss dazu lernen , für mich glt es meine erwartungen absolut runter zu schrauben .
und ja , der stolz ist auch so ein knackpunkt , weil stolz sein kann man auf vieles , auch auf etwas worüber sich ein "vernünftiger" deutscher schämen würde . .