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Sonntag, 2. Oktober 2005, 13:52

Islamistische Extremisten in Indonesien

Hamburg (dpa) Nach dem ersten Attentat von Bali mit 202 Toten im Oktober 2002 sind islamische Extremisten in Indonesien in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. In dem nach der Bevölkerungszahl größten moslemischen Land der Welt gibt es seit Jahren eine größere Zahl kleinerer radikal-islamischer Gruppen, die meist jedoch kaum organisiert agieren. Relativ bekannt ist etwa die Front zur Verteidigung des Islam (FPI), die Bars und Discotheken bekämpft. Einigen Organisationen werden Kontakte zur El Kaida, der Terrororganisation Osama bin Ladens, nachgesagt.

Jemaah Islamiyah (JI): Die Organisation gilt als Drahtzieher des Bali-Anschlags vom Oktober 2002 und soll auch einen Bombenanschlag auf das Marriott-Hotel in der Hauptstadt Jakarta verantworten, bei dem zwei Monate zuvor zwölf Menschen ums Leben kamen. Sie soll außer in Indonesien Zellen auf den Philippinen, in Malaysia oder Singapur unterhalten. Ihr Ziel ist die Errichtung eines pan-islamischen Staates in Südostasien. Als geistiges Oberhaupt der Gruppe gilt der islamische Gelehrte Abu Bakar Ba'asyir, der im Zusammenhang mit der Bluttat von Bali zu 30 Monaten Haft verurteilt wurde. Über ihren logistischen Kopf, genannt Hambali, soll die JI mit El Kaida in Verbindung stehen. Hambali ging den Fahndern im August 2003 ins Netz. Mitglieder der JI sollen sich in Trainingscamps in Afghanistan aufgehalten und Geld von bin Ladens Organisation erhalten haben.

Laskar Dschihad: Die Organisation gilt als eine der militantesten islamistischen Gruppen Indonesiens. Sie wurde bislang vor allem durch ihren blutigen «Heiligen Krieg» gegen die christliche Bevölkerung auf den indonesischen Molukken-Inseln bekannt und ist Verfechterin eines streng moslemischen Lebensstils. Ihr Anführer Jafar Umar Thalib sitzt seit Mai 2002 im Gefängnis. Der indonesische Geheimdienst sagte der Organisation Kontakte zu El Kaida nach. Die Laskar Dschihad soll für ihren Kampf auf den Molukken ausländische islamische Kämpfer rekrutiert haben.

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Sonntag, 2. Oktober 2005, 14:42

Das Aufkommen des islamischen Separatismus auf den Philippinen

Der Begriff "Moro" stammt noch aus der spanischen Kolonialzeit und war ursprünglich eine abwertende Bezeichnung für die überwiegend muslimische Bevölkerung auf den südlichen Philippinen. Von Mitte des 16. bis Ende des 19. Jahrhundert unterwarf Spanien den größten Teil des philippinischen Archipels seiner Herrschaft und bekehrte den größten Teil der Landbevölkerung der Insel Luzon und der Visaya-Inseln zum Christentum. Aber auf der zweitgrößten Insel des Archipels, auf Mindanao, konnte es nur einige Vorposten halten. Dort herrschten weiterhin mehrere islamische Sultanate.

Nachdem die USA nach ihrem Sieg im spanisch-amerikanischen Krieg von 1896-98 die Philippinen ihrem Kolonialbesitz einverleibt hatten, nutzten sie die Spaltungen zwischen Christen und Muslimen aus, indem sie eine Allianz mit den Moro-Sultanaten gegen die nationalistische Filipino-Bewegung eingingen. Nachdem Luzon und die Visayas "befriedet" waren, dehnten die USA ihre militärische Kontrolle über Mindanao aus und bauten lokale Moro-Führer als Marionetten für ihre Kolonialregierung auf.

1946 wurde den Philippinen Unabhängigkeit zugestanden. Aber in den letzten fünfzig Jahren hat sich die Filipino-Bourgeoisie als vollkommen unfähig erwiesen, die ethnischen und religiösen Konflikte in Mindanao zu überwinden. In Wirklichkeit erhöhten die Nachkriegsregierungen die Spannungen noch beträchtlich, indem sie eine große Anzahl armer Bauern ermutigten, nach Mindanao zu ziehen, ohne dass sie für eine angemessene Infrastruktur für die Lokalbevölkerung und die neu hinzugekommenen Siedler gesorgt hätten. In den späten sechziger Jahren machten Muslime gerade mal 25 Prozent der Gesamtbevölkerung von Mindanao aus, verglichen mit 75 Prozent zur Zeit der Jahrhundertwende. Darüber hinaus war ein Großteil des fruchtbaren Ackerlandes von Gesellschaften oder Siedlern übernommen worden, während man Holzfällerkonzernen umfangreiche Konzessionen auf der ganzen Insel erteilte.

Die wachsenden Konflikte führten dazu, dass sowohl die Siedler als auch die lokalen Würdenträger private Armeen aufbauten, und es kam zu brutalen bewaffneten Zusammenstössen. Aber erst in den siebziger Jahren wurde die MNLF, die National Moro Liberation Front, auf der Grundlage der wachsenden Erbitterung philippinischer Muslime aufgebaut. Besonders an einen Zwischenfall erinnert man sich jedes Jahr wieder: das sogenannte Jabidah-Massaker von 1968, in dem mindestens 28 junge muslimische Rekruten von ihren Vorgesetzten getötet wurden. Laut Darstellung der MNLF hätten die Rekruten rebelliert, nachdem man ihnen gesagt habe, sie würden nach Sabah geschickt um gegen andere Muslime zu kämpfen.

Die Armee, die mit paramilitärischen Truppen und mit Privatarmeen zusammenarbeitet, führt seit mehr als dreißig Jahren auf der Insel einen brutalen und blutigen Krieg. Laut Schätzungen der Regierung sind etwa 120.000 Menschen in diesem Krieg gefallen, über eine Million wurden obdachlos und über 200.000 Muslime flohen auf die Nachbarinsel Sabah in Malaysia. Die Kämpfe weiteten sich aus, nachdem Präsident Ferdinand Marcos 1972 nach einem Muslim-Aufstand in Marawi City das Kriegsrecht über die ganzen Philippinen verhängt hatte. Der Höhepunkt erfolgte im Februar 1972, als während einer heftigen zweitägigen Schlacht um Jolo das Militär die Stadt vom Meer aus beschoss und in Brand setzte, wobei zwischen 500 und 2.000 Menschen den Tod fanden.

Weil er nicht in der Lage war, einen entscheidenden militärischen Sieg zu erzielen, verhandelte Marcos mit der MNLF unter Beihilfe der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) und dem Libyschen Staatschef Muammar Ghaddafi, der die Separatisten unterstützt hatte. Das Ergebnis bestand in dem Abkommen von Tripolis, das 1976 unterzeichnet wurde und begrenzte Autonomie für 13 der 23 Provinzen im südlichen Teil der Philippinen vorsah. Seine Realisierung scheiterte jedoch.

Die Kämpfe flackerten wieder auf, und während immer neue fundamentalistische islamische Tendenzen im Nahen Osten und weltweit auftauchten, brach die MNLF nach und nach auseinander. Die Islamische Befreiungsfront der Moros (MILF), die 1978 nach dem Scheitern des Abkommens von Tripolis entstanden und ursprünglich als "neue MNLF" von der MNLF abgespalten war, rekrutierte die meisten Führer aus den Reihen islamischer Gelehrter mit traditionellem religiösem oder aristokratischem Hintergrund. Während die MNLF auf regionaler oder ethnischer Grundlage an alle Moros unabhängig von ihrer Religion appelliert hatte, definierte sich die MILF ausdrücklich als islamische Organisation.

Abu Sayyaf wurde Mitte der achtziger Jahre von dem Koranschüler Abdurajak Abubakar Janjalani gegründet, der eine "reine" Form des Islams befürwortete, etwa wie die islamischen Fundamentalisten in Afghanistan, die Film und Fernsehen ebenso sehr missbilligen wie Tanz und populäre Lieder. Janjalani und anderen Mitgliedern von Abu Sayyaf wird nachgesagt, sie hätten in Afghanistan mit den von der CIA unterstützten islamischen Guerillas gegen das sowjetfreundliche Regime in Kabul gekämpft. Mehrere Berichterstatter verwiesen darauf, dass von dieser Gruppe kaum mehr als eine bewaffnete Verbrecherbande übrig sei, nachdem Janjalani in einem Schusswechsel mit der Polizei Ende 1998 getötet worden war.

Nach dem Zusammenbruch der Marcos-Diktatur im Februar 1986 führte Corazon Aquino den Krieg in Mindanao weiter und versuchte gleichzeitig, zu einer neuen Übereinkunft mit der MNLF zu kommen. Der Autonomieentwurf unter der Bezeichnung ARMM, der unter dem Gesetz Organic Act for the Autonomous Region in Muslim Mindanao vorgesehen war, ist jedoch noch beschränkter als das frühere Abkommen von Tripolis und bezieht nur vier statt wie vorher 13 Provinzen mit ein. Erst im September 1996 wurde unter Präsident Fidel Ramos endlich ein Abkommen mit der MNLF geschlossen, aber die MILF und Abu Sayyaf weigerten sich dieses anzuerkennen.

Der MNLF-Führer Nur-Misuari präsidiert heute als Gouverneur die Autonome Region von Muslimisch Mindanao (ARMM). Aber das Abkommen ist keine wirkliche Lösung. Die MNLF ist verärgert, weil der ARMM-Regierung jede wirkliche Macht fehlt und sie das Geld, das ihr unter dem Abkommen versprochen wurde, gar nicht erhalten hat. An einer Versammlung am 18. März zur Erinnerung an das Jabidah-Massaker scholten MNLF-Führer die Estrada-Regierung wegen ihrer Unfähigkeit, ihre Versprechen unter dem Friedensvertrag einzuhalten, und warnten, sie könnten gezwungen sein, wieder zu den Waffen zu greifen. Misuari kommentierte: "Ich habe keinen Grund zur Zufriedenheit. Sogar der nationale Sicherheitsberater Alexander Aguirre hat zugegeben, dass die anfängliche Durchsetzung des Friedensvertrags ein Misserfolg war."

Die Unzufriedenheit im südlichen Teil der Philippinen wird durch die schrecklichen Verhältnisse genährt, unter denen ein großer Teil der Bevölkerung leben muss. Die muslimisch beherrschten Gebiete sind die rückständigsten des Landes, das zu den ärmsten von ganz Südostasien zählt. Laut dem Philippine Human Development Report von 1997 zählen fünf der vorherrschend muslimischen Provinzen zu jenen sechs am unteren Ende der 74 Provinzen des Landes. Ein Bericht des Bildungsministeriums von 1994 enthüllte, dass auf ARMM 27,8 Prozent der Menschen über 15 Jahren weniger als ein Jahr lang eine Schule besucht haben, verglichen mit 3,7 Prozent im nationalen Durchschnitt. Seit jener Zeit ist die Region noch einmal sowohl durch die Asienkrise als auch durch eine schlimme Dürre 1997-98 schwer heimgesucht worden.

hier noch ein interessanter Link:
Die Rebellion der Muslime im Süden der Philippinen

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Montag, 3. Oktober 2005, 10:15

Mutmaßlicher Drahtzieher der Bali-Anschläge erfahrener Bombenbauer

Kuala Lumpur - Die jüngsten Anschläge auf der indonesischen Ferieninsel Bali könnten den Beginn einer neuen Bombenserie der mit dem Terrornetzwerk Al Kaida verbundenen Gruppe Jemaah Islamiyah signalisieren. Das verlautete am Sonntag aus malaysischen Sicherheitskreisen, die mit den indonesischen Behörden zusammenarbeiten. Einer der beiden mutmaßlichen malaysischen Drahtzieher sei ein in Afghanistan und auf den Philippinen ausgebildeter Bombenbauer.

Bei den fast zeitgleichen Explosionen in drei vollbesetzten Restaurants am Samstag wurden bis zu 26 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt. Die Anschläge wurden nach ersten Erkenntnissen indonesischer Ermittler von Selbstmordattentätern verübt, die Sprengstoffwesten trugen. Nach Einschätzung malaysischer Sicherheitskreise wäre es für einen der beiden gesuchten malaysischen Extremisten kein Problem, solche Westen mit Sprengstoff zu präparieren.

Indonesische Ermittler haben als mutmaßliche Drahtzieher die beiden Malaysier Azahari bub Husin und Noordin Mohamed Top genannt. Die beiden seien nach den Anschlägen in den USA vom 11. September 2001 aus Malaysia geflohen und nach Indonesien gegangen. Dort hätten sie die Anschläge auf Nachtclubs am 12. Oktober 2002 organisiert, bei denen mehr als 200 Menschen getötet wurden. Azahari habe detaillierte Kenntnisse über den Bau von Sprengsätzen und ihre Fernzündung, hieß es. Er habe dieses Wissen 1999 und 2000 im Süden der Philippinen und in Afghanistan erworben. Noordin sei vermutlich Azaharis rechte Hand; er habe wohl auch die Attentäter für die Bali-Anschläge angeworben.

Die Behörden hätten Familie und Freunde der beiden Verdächtigen beobachtet, aber die Spur sei bereits vor Monaten erkaltet, sagte ein Gewährsmann. Azahari und Noordin sollen in Jakarta 2003 und 2004 weitere Anschläge organisiert haben. Allerdings wurden dabei keine Selbstmordattentäter eingesetzt, sondern ein Auto und ein Rucksack in die Luft gejagt.

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Dienstag, 4. Oktober 2005, 20:08

Kampf gegen Bars und Discotheken

Kampf gegen Bars und Discotheken

Islamistische Terroristen rücken in Indonesien wieder in den Mittelpunkt / Kaum organisiert

Vom 04.10.2005

HAMBURG (dpa) Nach dem ersten Attentat von Bali mit 202 Toten im Oktober 2002 sind islamische Extremisten in Indonesien in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. In dem nach der Bevölkerungszahl größten moslemischen Land der Welt gibt es seit Jahren eine größere Zahl kleinerer radikal-islamischer Gruppen, die meist jedoch kaum organisiert agieren. Relativ bekannt ist etwa die Front zur Verteidigung des Islam, die Bars und Discotheken bekämpft. Einigen Organisationen werden Kontakte zur El Kaida, der Organisation Osama bin Ladens, nachgesagt.

Die Organisation Jemaah Islamiya gilt als Drahtzieher des Bali-Anschlags vom Oktober 2002 und soll auch einen Bombenanschlag auf das Marriott-Hotel in der Hauptstadt Jakarta verantworten, bei dem zwei Monate zuvor zwölf Menschen ums Leben kamen. Sie soll außer in Indonesien Zellen auf den Philippinen, in Malaysia oder Singapur unterhalten. Ihr Ziel ist die Errichtung eines pan-islamischen Staates in Südostasien.

Als geistiges Oberhaupt der Gruppe gilt der islamische Gelehrte Abu Bakar Ba'asyir, der im Zusammenhang mit der Bluttat von Bali zu 30 Monaten Haft verurteilt wurde. Über ihren logistischen Kopf, genannt Hambali, soll die JI mit El Kaida in Verbindung stehen. Hambali ging den Fahndern 2003 ins Netz. Mitglieder der JI sollen sich in Trainingscamps in Afghanistan aufgehalten und Geld von bin Ladens Organisation erhalten haben.

Laskar Dschihad: Die Organisation gilt als eine der militantesten islamistischen Gruppen Indonesiens. Sie wurde bislang vor allem durch ihren blutigen "Heiligen Krieg" gegen die christliche Bevölkerung auf den indonesischen Molukken-Inseln bekannt und ist Verfechterin eines streng moslemischen Lebensstils. Ihr Anführer Jafar Umar Thalib sitzt seit Mai 2002 im Gefängnis. Der indonesische Geheimdienst sagte der Organisation Kontakte zu El Kaida nach. Die Laskar Dschihad soll für ihren Kampf auf den Molukken ausländische islamische Kämpfer rekrutiert haben.
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Donnerstag, 6. Oktober 2005, 11:42

Baumeister der Bomben

Baumeister der Bomben
Bali

Erneut wurde das Ferienparadies Bali von Anschlägen erschüttert. Eine tragische Tradition, hinter der ein Mann steckt: Azahari Husin.



Am Anfang stand ein harter Bruch: Azahari Husin gab sein wildes Studentenleben auf und verliess seine an Krebs sterbende Frau und die drei gemeinsamen Kinder. «Allah hat Wichtigeres mit mir vor.» Das musste der Gattin als Begründung genügen. Später schrieb der vom Autonarr zum Gotteskrieger gewandelte Malaie ein Handbuch für den Bombenbau, weshalb ihn Zeitungen in seiner Heimat den «Demolition Man» nennen. Heute hängt Azaharis Steckbrief in jeder Polizeidienststelle zwischen Manila und Bangkok. Der inzwischen 48-Jährige soll hinter den jüngsten Bombenanschlägen auf der Ferieninsel Bali stecken. In ganz Südostasien zittern Politiker aus Furcht vor weiteren Anschlägen des fanatischen Islamisten. Allein in Indonesien setzten die Behörden 200'000 Polizisten in Alarmbereitschaft. Selbst in Thailands Hauptstadt Bangkok wurden die Sicherheitsmassnahmen verschärft.

Azahari ist nicht nur ein Meister des Bombenbaus; er ist auch ein geübter Trickser und Täuscher. Immer wieder entschlüpfte er den Fahndern. Mal erkannten Polizisten in Indonesien den Mann nicht, den sie bei einer Strassenkontrolle angehalten hatten. Dann entwischte Azahari in letzter Sekunde aus einem Haus, das Jakartas Terrorfahnder stürmten.

Dass Azahari sich trotz aller Bemühungen immer noch auf freiem Fuss befindet, ist umso beachtlicher, als er keine mitgliederstarke Organisation mehr hinter sich hat. Er hat sich mit seinen alten Kampfgenossen vom südostasiatischen Al-Kaida- Ableger Jemaah Islamiyah überworfen. Den Heiligen Kriegern, für die Azahari auch die Bomben gebaut hatte, die am 12. Oktober 2002 auf Bali 202 Menschen töteten, wenden sich inzwischen von der harten Linie des «Demolition Man» ab. Weil die Organisation wegen vieler muslimischer Opfer bei ihren rund 50 Anschlägen auch von fundamentalistischen Gruppen kritisiert wird, plädiert Jemaah Islamiyah nun für Zurückhaltung. Azahari aber will zusammen mit seinem ebenfalls malaysischen Terrorpartner Nurdin Mohammed Top noch mehr Bomben. Das Duo bildete deshalb die Dschihadi-Gruppe Thoifah Mugatilah (Kampftruppe).

«Es gibt deutliche Zeichen für Streit in der Organisation», sagt die Indonesien- Expertin Sidney Jones von der International Crisis Group. «Aber Azahari und Nurdin können auf ein komplexes Netz von persönlichen Bekannten auch ausserhalb von Jemaah Islamiyah zurückgreifen.» Aus diesem Milieu stammen möglicherweise die drei Attentäter von Bali.

Tausend Tote in Thailand
Sicher ist: Die Behörden kennen die Rekruten des Terrors nicht, die mit Rucksäcken voller Bomben seit dem ersten TAG des islamischen Fastenmonats Ramadan die Region in Schrecken versetzen. Der Zeitpunkt hat Tradition: Mit dem 1. Oktober startet die meist bis Dezember dauernde Bombensaison, in der sich die Anschläge islamischer Terroristen Jahr für Jahr häufen. Wie auf Bali könnten während der kommenden Wochen auch andere Touristenziele attackiert werden.

«Thailands Behörden sind absolut auf Azahari und Nurdin konzentriert», sagt der Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma in Bangkok, der seinen Namen nicht genannt wissen will. Neben den Philippinen mit seinen islamischen Untergrund-Organisationen auf Mindanao gilt Thailand als besonders gefährdet. In den Südprovinzen operiert eine muslimische Rebellengruppe. Der Konflikt in Thailand forderte bislang 1000 Tote. «Wir wissen», so der Sicherheitsexperte, «dass auch Leute aus Indonesien gekommen sind, um die Rebellen zu trainieren.» Und ein hoher Geheimdienstoffizier gibt freimütig zu: «Wir wissen nicht, warum es noch keine Anschläge in Bangkok gegeben hat. Es wäre leicht, so etwas zu organisieren, ohne dass wir dies verhindern könnten.»
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Freitag, 7. Oktober 2005, 19:04

Nach den Anschlägen

Nach den Anschlägen
Neue Spuren, alte Fehler
Von Jochen Buchsteiner, Dehli

07. Oktober 2005 Die ersten vier Buchstaben des Ortes Balikpapan sind berühmt - haben aber mit der Ferieninsel Bali nichts zu tun. Balikpapan ist das Kohlerevier in der indonesischen Provinz Ostkalimantan, zwei Flugstunden vom Urlaubszentrum des Landes entfernt. Hier, in der Industriemetropole, hätten die staatlichen Behörden mit einem Anschlag gerechnet, berichtete die Zeitung „Jawa Pos” am Freitag.

Hätten die Bombenanschläge auf Bali am vergangenen Wochenende womöglich verhindert werden können, wenn der Geheimdienst nur genauer hingehört hätte?

Hinweise seit Juli

Die Arbeit der Sicherheitskräfte, letztlich die Fähigkeit der Regierung zu wirkungsvollen Antiterror-Maßnahmen, ist nicht das einzige Thema, über das Indonesien nach dem zweiten Bali-Anschlag diskutiert. Aufmerksamkeit beanspruchen auch neue Einschätzungen über die Strukturen der südostasiatischen Terrorszene. Die Ermittler meinen, Anzeichen dafür zu haben, daß eine „neue Generation” am Werke sei. Zudem verdichten sich die Indizien für eine weitere Internationalisierung.

Seit Juli lagen den indonesischen Behörden Hinweise darauf vor, daß radikale Islamisten, die vermutlich mit der Jemaah Islamiah (JI) Verbindung standen, abermals zuschlagen würden. Anfang August informierte Jakarta die Regierung in Manila, daß verdächtige Personen in das benachbarte Inselreich eingereist seien. Der philippinische Sicherheitsberater Norberto Gonzales rechnete damals mit JI-Anschlägen in seinem Land.

An Attraktivität nichts eingebüßt

Nun sieht es so aus, als seien die indonesischen Islamisten nicht in die Philippinen eingesickert, um Anschläge zu verüben, sondern um sich in den muslimischen Gebieten des philippinischen Südens als Terroristen ausbilden zu lassen. Man habe von 36 JI-Mitgliedern gewußt, die wieder nach Indonesien zurückgekehrt seien, zitierte die „Jawa Pos” eine Regierungsquelle. Bis an die Ostküste Javas, die Bali gegenüberliegt, habe man sie verfolgen können, bevor die Spur verloren gegangen sei.

Der Zufluchts- und Ausbildungsort Südphilippinen scheint keineswegs an Attraktivität eingebüßt zu haben, wie Manila international glaubhaft zu machen versucht. Als die Regierung der Vereinigten Staaten am Donnerstag ein Kopfgeld auf zwei indonesische JI-Anführer aussetzte, dauerte es nicht lang, bis ein Repräsentant der „Internationalen Befreiungsfront der Moro” (Milf) vor die Presse trat und versicherte, die beiden Gesuchten würden sich auf den Philippinen aufhalten. Beide Terroristen - der von der Al Qaida ausgebildete Techniker Dulmatin sowie ein Mann namens Umar Patek - befänden sich in der Nähe des Abu Sayyaf-Anführers Khaddaffy Janjalani in Mindanao, hieß es bei der MILF, die offziell dem Terrorismus abgeschworen hat und mit der Regierung in Manila punktuell zusammenarbeitet.

„Keine unmittelbare Bedrohung mehr”

Der 33 Jahre alte Dulmatin, der aus einer wohlhabenden indonesischen Familie kommt und erst als Student dem Islamismus anheimgefallen sein soll, gilt als neue Schlüsselfigur der indonesischen Terrorszene. Er arbeitet eng mit dem fast zwanzig Jahre älteren Bombenexperten Azahari bin-Husin und dessen malaysischen Landsmann Nurdin Mohamed Top zusammen. Seit der Festnahme des Usama bin-Ladin-Vertrauten Hambali in Thailand vor mehr als zwei Jahren wird die südostasiatische Terrorszene von diesen drei Männern dominiert.

Fachleute meinen beobachten zu können, daß die JI an Einfluß innerhalb der Szene verloren hat. Erfolgreiche Ermittlungen nach den drei großen Anschlägen der vergangenen drei Jahre haben die Organisation so sehr ausgedünnt, daß die angesehene „International Crisis Group” noch vier Tage vor den Bombenanschlägen auf Bali die Einschätzung abgab, daß von der JI „keine unmittelbare Bedrohung mehr ausgeht”.

„Diversifiziertes Zellennetz”

Der Chefermittler in der jüngsten Anschlagsserie, Polizeigeneral Made Mangku Pastika, stützt seine These von der „neuen Generation” der Terroristen auf die Tatsache, daß keiner der einsitzenden Islamisten die Selbstmordattentäter erkannt habe. Das Zellennetz habe sich „diversifiziert”, heißt es in Fahnderkreisen.

Die bislang einzige heiße Spur führt allerdings ein weiteres mal ins Zentrum der JI. In der zentraljavanischen Stadt Solo sagte der Polizeichef dem „Sydney Morning Herald”, einer der drei Selbstmordattentäter sei seiner Behörde unter den Namen „Gareng” bekannt. In Solo steht die Wiege der Terrorgruppe - die Ngruki-Koranschule des Klerikers und mutmaßlichen JI-Indoktrinators Abu Bakar Baschir, auf die viele der bislang verurteilten Islamisten gegangen waren. In der Nähe von Solo ist am Freitagmorgen nach Behördenangaben Nurdin Mohamed Top nur knapp der Verhaftung entgangen.
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Donnerstag, 13. Oktober 2005, 20:10

Indonesien:
Terroristen narren ihre Jäger
Von unserem Mitarbeiter DANIEL KESTENHOLZ (Die Presse) 14.10.2005
Bei der Suche nach den Hintermännern der jüngsten Selbstmordanschläge auf Bali tappen die Fahnder im Dunkeln.

Bangkok/DENPASAR. Vorbei sind die Zeiten, als Indonesiens Ferieninsel Bali die friedlichste Oase im südostasiatischen Riesenreich war. Überschattet wird der balinesische Alltag heute von ständiger Terrorangst: Drei Jahre ist es her, dass bei Anschlägen auf drei Diskotheken im Ferienort Kuta 202 Menschen getötet wurden. Es folgte eine Großjagd auf Hintermänner und Komplizen. Bis Terroristen Anfang des Monats wieder zuschlugen und 19 Personen töteten.

Während beim ersten Bali-Attentat die Fahnder schnell die Verantwortlichen fassten, tappen sie bei der Suche nach den Terroristen vom 1. Oktober im Dunkeln. Am Donnerstag wurde ein Mann freigelassen, der als Hintermann der Anschläge galt. Es gebe keine Beweise gegen ihn, hieß es.

Auf einen mutmaßlichen Drahtzieher, den Indonesier Dulmatin, setzte Washington letzte Woche ein Kopfgeld von zehn Millionen Dollar. Nur für die Ergreifung Osama bin Ladens und Abu Musab al-Zarqawis, des al-Qaida-Anführers im Irak, lockt mit je 25 Millionen Dollar ein höhere Prämie. Die US-Botschaft in Bangkok versicherte, Dulmatin sei der "gefährlichste Terrorist in Asien". Dabei war der Javaner bis letzte Woche weltweit unbekannt.

Jakarta und Washington geben vor, die "Jemaah Islamiyah" (JI), Südostasiens Ableger der al-Qaida, zerschlagen zu haben. Tatsächlich sind zwar die Schlüsselmänner hinter dem ersten Bali-Attentat gefasst: Hassprediger Abu Bakir Bashir, der spirituelle Jl-Führer, sitzt hinter Gittern, der zuvor meistgesuchte Terrorist in Asien, Nurjaman Riduan Isamuddin alias Hambali, wurde in Thailand festgenommen. Doch bei den Anschlägen vom 1. Oktober schlug offenbar eine neue "Dschihadisten"-Generation zu: Unbeschriebene Blätter, die keiner Gruppe angehören, doch in ihrer radikalen Gesinnung geeint sind. Indonesiens Fahnder scheitern daher bereits bei der Identifizierung der Terroristen: Inhaftierten Extremisten wurden Fotos der abgerissenen Köpfe der Bali-Attentäter vorgelegt, Zeitungen druckten die Bilder auf den Frontseiten - niemand erkannte sie.

Terroristen in Asien operieren offensichtlich nach einer neuen Methodik. Dass die jüngsten Bali-Anschläge weniger tödlich waren als die bisherigen JI-Anschläge, zeugt Experten zufolge nicht von einer Schwäche, sondern von einer neuen Vorgangsweise der Extremisten: Die Attentate werden offenbar zunehmend von unerfahrenen Neulingen ausgeführt. In Indonesien stehen für solche "Einsätze" zahlreiche junge Männer bereit, die an religiösen Schulen indoktriniert wurden.

Die meisten bekannten Terroristen Südostasiens haben Verbindungen zum al-Mukmin-Internat auf Java, das von JI-Führer Bashir gegründet wurde. Laut Ermittlern häufen sich jedoch Hinweise, dass die Extremisten-Chefs nun vor allem von den Süd-Philippinen aus agieren. Ein Sprecher der philippinischen Separatistengruppe MILF (Moro Islamic Liberation Front) erklärte unlängst, der gesuchte Terroristenführer Dulmatin halte sich auf Mindanao auf. Auf der Insel verstecke sich zudem Khaddafi Janjalani, Chef der fundamentalistischen Terrorgruppe Abu Sayyaf.

Indonesische Fahnder gehen davon aus, dass auch die jüngsten Bali-Attentäter auf Mindanao trainiert wurden - was erklären würde, weshalb niemand in Indonesien die Attentäter erkennt.