Reise Nr. 5 In der neuen Heimat

  • Im Vorfeld meiner Reise hatte ich gelesen, dass Bassey auf Samar das Zentrum für Webkunst in der Gegend ist. So sind wir am letzten Tag dort hingefahren. Ich wollte einige Taschen kaufen und versuchen diese hier in D dann wieder zu verkaufen.
    Die Fahrt zeigt deutlich die Unterschiede zwischen den Inseln. Während Leyte doch auf eine relativ gute Infrastruktur was Straßen angeht zurückgreifen kann und mächtig viel gebaut und erneuert wird sieht es auf Samar ganz anders aus. Schlaglöcher ohne Ende, Straßen die sich nach unten wölben was den Schluss zulässt, dass beim Bau geschludert wurde und insgesamt ein wesentlich ärmerer Eindruck.


    Nach 45 Minuten kamen wir in Bassey an. Wir hatten eine Adresse eines Produzenten über Bekannte bekommen und so kamen wir in dem kleinen Shop an und ich kaufte verschiedene Taschen für 8 bis 10 Euro pro Stück. Die Produkte sind wirklich wunderschön und von guter Qualität.


    Verhandeln musste ich mit der Patrona des Hauses, einer 76 Jahre alte ausgemergelten Dame die mit festem Blick und noch mehr Verhandlungsgeschick meine Versuche den Preis zu drücken immer wieder abwehrte. So konnte ich nur einen kleinen Rabatt rausschlagen aber es hat Spaß gemacht mit der Dame und Ihren Kindern und Enkelkindern zu verhandeln. Wir lachten, wir dissten uns und immer wieder versuchte ich den Preis zu drücken nur um immer wieder von der Dame lachend ein DIRI oder No zu hören. Sie verhandelte und sagte mir, dass sie seit 60 Jahren in diesem Handwerk tätig wäre und Sie wüsste was die Dinge wert hätten in Europa.


    Ich glaube die Verhandlungen mit den Kindern hätten höhere Rabatte gebracht daher musste auch Oma oder Ur-Oma herhalten.


    So gingen alle zufrieden auseinander. Ich weil ich einige schöne Taschen bekommen habe die ich hoffentlich mit ein Wenig Gewinn für die Reisekasse verkaufen kann. Sie weil Sie an diesem Tag wohl genügend eingenommen hatte um den Tag zu bestreiten.
    Ich werde bei Zeiten berichten ob ich Abnehmer für die schönen Produkte finden konnte.

    Wer sich nicht lebt, wehrt sich verkehrt!

  • So…. nun sitze ich also in Dubai in der Smoker Lounge und warte auf meinen Weiterflug nach FFM.


    3 Wochen neue Heimat hinter mir und 4 Monate harte Arbeit vor der Brust. Wenn alles gut geht bin ich im Dezember wieder dort.
    Im Nachhinein betrachtet muss ich sagen, dass sich doch einiges geändert hat.
    Es ist kein Abenteuerurlaub mehr in exotischem Lande. Es ist heimkommen in die neue Heimat. Es ist wohlfühlen mit meiner Liebsten. Es ist leben in der Family. Es sind neue Freunde und Bekannte die man kennengelernt hat.
    Ich weiß nicht in wie weit dieser 5. Bericht noch von Interesse für Euch ist aber für mich selbst ist es eine Form der Verarbeitung des Erlebten. Und ein Reflektieren der Umstände, des Lebens und der Zukunft.
    Meine Sichtweisen haben sich geändert. Ich bin angekommen dort und ich bin glücklich dort.


    Aber…. Ich kann jeden verstehen, der zu einem anderen Schluss kommt am Ende. Denn es ist schon komplett etwas anderes. Es ist ein Risiko im Hinblick auf Politik, Gesundheit und Gefahren. Nur es ist eben auch eine total glückliche und relaxte Gesellschaft dort wo ich mich aufgehalten habe. Es sind Menschen die nach einigen Begegnungen nicht nur den „Foreigner“ sehen sondern den Menschen dahinter. Es sind nur noch wenige „Verwandte“ die meinen Sie könnten nun Geld leihen wegen des vermeintlichen Reichtums durch die Beziehung zu einer „Langnase“. Es ist schlicht und einfach normal geworden und akzeptiert.


    Wenn ich im Viertel etwas kaufen gehe kennen mich die Menschen, grüßen (oder auch nicht) und haben ein Lächeln übrig. Wenn ich mit Moped oder Auto unterwegs bin kenne ich mittlerweile jede Abkürzung, jedes Schlagloch und viele Geschäfte und Restaurants. Und mir gefällt das alles.


    Deshalb mein Resümee nach dieser Reise: Ich habe meine Heimat gefunden. Sofern ich gesund bleibe, sofern meine finanzielle Situation in D sich nicht dramatisch verschlechtert. Sofern meine Freundin sich nicht dramatisch verändert.
    Also im Prinzip genauso wie es in Deutschland gewesen wäre .


    Ich denke, es ist nun Zeit die ausführliche Berichterstattung von meinen Reisen zu beenden. Denn weder will ich langweilen noch will ich mein Leben immer und überall transparent ausbreiten so wie ich es hier getan habe.


    Das Ganze hier soll als Ermutigung dienen. Ermutigung für diejenigen, die ebenfalls planen so einen Schritt zu wagen. Ermutigung denen, die sich von Horrormeldungen in D über die Phil. Nicht abschrecken lassen.
    Aber auch als Mahnung: Mahnung immer mit wachen und offenen Augen durch dieses Land zu gehen. Mahnung die Beziehung genau zu hinterfragen (so leid einem das tut wenn man verliebt ist). Sensibel reagieren wenn es darum geht ob Geld ein wichtiger Punkt in der Beziehung ist oder nicht. Und natürlich Abwägung: Abwägung ob man bereit ist sich auf dieses wunderschöne Land einzulassen auch wenn die Standards hier nicht denen der europäischen Länder entsprechen.


    Danke an Alle die mit PN oder auch über Facebook, Messanger oder per Mail Anteil genommen haben. Ohne das Bewertungssystem ist es schwierig herauszufinden ob das Thema von Interesse ist oder nicht. Aber die über 500 Treadbesuche der Geschichte(Stand 25.8.) haben mir gezeigt dass es doch einige gibt die Spaß am Lesen haben.

    Wer sich nicht lebt, wehrt sich verkehrt!