Die praktischen Aspekte des Arbeitens von den Philippinen aus kommen in diesem Thema zu kurz. Viele Menschen träumen, am Südseestrand zu sitzen und gleichzeitig am Computer zu arbeiten.
Wie ich schon geschrieben habe, arbeitest Du in einer anderen Zeitzone. Du lernst Deine Kollegen nie persönlich kennen. Die Bedeutung des "Flurfunkes" ist nicht zu unterschätzen, und ich kenne genügend Kollegen, die über 100km ins Büro fahren, nicht, weil sie müssen, und der Betrieb sie einbestellt hat, sondern weil ihnen zu Hause die Decke auf den Kopf fällt.
Je nach Projekt fallen diese Argumente mehr oder weniger ins Gewicht.
Du möchtest nach einem Arbeitstag Deinen Kopf auslüften und eine Runde joggen? Das kann auf den Philippinen bei 38 Grad Hitze und in einer Betonwüste zu einer Herausforderung werden.
Dein Arbeitgeber muss die deutschen Arbeitsgesetze einhalten und das auch kontrollieren. Eure Kunden sind vielleicht nicht begeistert, wenn ihre Daten zwischen der halben Welt hin- und her vagabundieren.
Dann kommen die praktischen Unzulänglichkeiten. Die Stromversorgung ist auf den Philippinen stabil, aber Du musst mit angekündigten Netzabschaltungen von der Dauer von einem Arbeitstag klarkommen. Das heisst offiziell "Maintenance" und irgendwo werden Strommasten und Trafos ausgetauscht. Dazu kommen die unangekündigten Abschaltungen nach Taifunen oder durch technische Unzulänglichkeiten. Pech, wenn das Projekt fertig werden muss.
Mit schnellem Internet sind wir in Deutschland auch nicht gerade verwöhnt, vor allem wenn man auf dem Land wohnt. Aber in Deutschland kannst Du zur Not eben ins Büro fahren, wenn wieder einmal zu Hause nichts geht, weil ein Bagger die Leitung gekappt hat und Dein Kaff ansonsten nur mit 3G über die Luftschnittstelle versorgt ist.
Du möchtest noch arbeiten, und nebenan startet die Karaokeparty. It's more fun in the Philippines.
Rechtlich wurde ja schon vieles gesagt. Von der deutschen Seite aus sehe ich keine Probleme. Es gibt keine Möglichkeit, in Deutschland eine Zweitwohnung anzumelden, wenn man im Ausland seinen Hauptwohnsitz hat. Die Begründung eines Wohnsitzes in Deutschland ist kein Problem, Du musst nur Beziehungen zu Deinem Wohnort nachweisen. Vielleicht bist Du noch in ein oder zwei Vereinen Mitglied.
Wenn Deine Ausweise abgelaufen sind, musst Du die natürlich in Deiner deutschen Heimatgemeinde erneuern lassen. Die deutsche Botschaft ist dafür nicht zuständig. Wahlunterlagen gehen auch an Deine deutsche Heimatanschrift. In der Praxis wirst Du nicht mehr wählen können, weil die Fristen zu kurz sind und nicht die Postlaufzeiten berücksichtigen.
In der Praxis stört es niemanden, wenn Du Dich in Deutschland nicht mehr blicken lässt. Warum auch? Du zahlst brav in die deutsche Krankenversicherung ein, obwohl Du deren Leistungen auf den Philippinen nicht in Anspruch nehmen kannst. Das Thema Krankenversicherung ist auf dem Philippinenforum zur Genüge durchgekaut worden, Gesundheit oder Krankheit ist auf den Philippinen in erster Linie eine Frage des Geldes.
Das Thema "Lebenshaltungskosten" wurde auch schon mehrfach diskutiert. Fazit hier: wenn Du halbwegs wie ein Europäer (oder ein Filipino aus dem Mittelstand) leben möchtest, gibst Du mindestens genauso viel wie in Deutschland aus.
Mein Vorschlag: einfach einmal zwei Monate ausprobieren. Vielleicht willst Du dann wieder nach Deutschland zurück, und bist froh, die Wohnung noch nicht gekündigt und leergeräumt zu haben.