Guide zu Offloading auf den Philippinen

  • Dies ist ein kleiner Guide zu Offloading in den Philippinen. Ich werde ihn regelmäßig aktualisiren, wenn sich aus der Diskussion unten neue Fakten ergeben.


    Worum geht es?
    Probleme bei Ausreise von philippinischen Staatsbürgern mit geplanter Rückkehr (z.B. touristischer Aufenthalt, Besuch von Freunden oder Verwandten, etc.)
    In bestimmten Fällen kann es passieren, dass philippinische Staatsbürger von der philippinischen Immigration an der Ausreise ins Ausland gehindert werden.


    Ausnahmen
    Das alles gilt NICHT für Personen, die das Land längerfristig für Arbeit oder Auswanderung verlassen. In beiden Fällen ist vorab eine Klärung notwendig (im ersten Fall über die POEA, im zweiten über das CFO), sodass bei der Ausreise keine Hindernisse mehr zu erwarten sind. Diese Fälle werden hier aber nicht diskutiert. Weitere Informationen zum PDOS-Seminar beim CFO: Philwiki - CFO-Sticker


    Übersicht
    Wenn Filipinos das Land verlassen, werden am Schalter zunächst Reisepass, Rückreiseticket und - falls erforderlich - Visum für das Reiseziel geprüft. Weiters sind folgende 4 Punkte wesentlich:
    (1) ausreichende Geldmittel für die Reise
    (2) keine geplante Arbeitsaufnahme
    (3) keine geplante Auswanderung
    (4) keine geplanten illegalen Aktivitäten oder Gefahren
    Am Schalter werden dazu oft stichprobenartig Hotelbuchungen oder Nachweis von geregelter Arbeit (z.B. durch Work ID und Urlaubsbestätigung vom Arbeitgeber) gefordert. In manchen Fällen findet dazu eine Secondary Inspection statt, das ist ein längeres Interview, bei dem diese Fragen ausführlich geklärt werden. Wenn dabei aus Sicht des Immigrationsbeamten Unklarheiten bestehen bleiben, kann die Ausreise verweigert werden - das nennt sich Offloading.


    Eine Secondary Inspection findet üblicherweise statt (siehe auch Guidelines²):

    • Filipinos, die das erste Mal in ihrem Leben die Philippinen verlassen (das stand einmal auf einer Webseite des BI, ich finde sie aktuell aber nicht)
    • Filipinos ohne ausreichende Geldmittel, die mit einem Ausländer reisen
    • Bei Verdacht auf fehlende Geldmittel oder geplante illegale Aktivitäten

    Üblicherweise findet keine Secondary Inspection statt, wenn man bereits im Ausland war und Arbeit nachweisen kann oder mit einer Gruppe vertrauenswürdiger Freunde reist. Stichproblenartig ist eine Secondary Inspection jedenfalls immer möglich.
    - Die Guidelines² erwähnen explizit die Ausreise mit oder zu einem ausländischen Verlobten/Ehepartner, das kläre ich aktuell ab -


    Beachte:

    • Seriöse Kleidung und selbstsicheres Auftreten sind stark hilfreich.
    • Unbedingt eine klare Version über die Urlaubsreise zurechtlegen (Anreise, Reiseplan, Übernachtungen, Rückreise). Jegliche Andeutungen über andere Sachen entschieden zurückweisen und beharrlich die eigene Version wiederholen. Keinesfalls in ein Gespräch über andere Sachen verwickeln lassen, da kann man nur verlieren.
    • Das Interview dauert oft lange, 30 oder 60 Minuten sind durchaus möglich. Falls man dadurch den Flug verpasst hat man Pech, da ist man völlig rechtlos. Daher möglichst früh einchecken und danach sofort zur Immigration gehen, damit man genügend Zeit hat.
    • Es gibt keine Möglichkeit, die Sache vorab zu klären, sondern immer nur direkt beim Abflug. Die Entscheidung obliegt alleine dem Immigrationsbeamten am Flughafen.


    Nachfolgend erkläre ich die einzelnen Punkte im Detail.


    (1) Geldmittel
    1. Möglichkeit: Regelmäßiges Einkommen (Nachweis z.B. über Einkommensbestätigung, Steuererklärung der vergangenen Jahres, Kontoauszug).
    2. Möglichkeit: Ausreichendes Vermögen (Nachweis z.B. über Kontoauszug, 100 000 Pesos sollten es wohl mindestens sein, selbst für einen Kurzurlaub), wobei man größere Summen am Konto sicherlich schlüssig erklären muss. Eine echte Kreditkarte (nicht Prepaid!) hilft auch oft. Etwas Reisebudget in bar ist auch empfehlenswert (allerdings darf man nicht mehr als 10 000 Pesos in bar aus den Philippinen bringen, bei größeren Summen braucht man z.B. Euros oder US-Dollar!). Unter umständen muss man sogar seine Geldbörse vorzeigen, um zu beweisen, dass man nicht mehr als 10 000 Pesos mitführt.
    3. Möglichkeit: Wenn kein ausreichendes Vermögen oder Einkommen vorhanden ist, kann ein Reisepartner garantieren, für Kosten aufzukommen (das gilt auch z.B. für Besuch von Freunden in Deutschland). Dieses Dokument heißt "Affidavit of Support". Fliegt der Reisepartner mit, kann er das Affidavit direkt beim Interview unterschreiben. Wenn der Reisepartner z.B. in Deutschland wartet, kann er es auch vorab verfassen, unterschreiben und der Person im Original zukommen lassen. Es wird empfohlen, es von der philippinschen Botschaft bzw. Konsulat im Ausland beglaubigen zu lassen .In Deutschland muss es davor noch von einem Notar und vom Landesgericht beglaubigt werden, bevor es die philippinische Botschaft bzw. Konsulat beglaubigt (danke an pooh_1973 für den Hinweis¹).
    Zwei Beispiele für so ein Affidavit of Support (das man muss die eigenen Zwecke aber noch geringfügig abändern): Affidavit of Support - Philippine Embassy in Oslo, Norway (2. Seite), Affidavit of Support and Guarantee - Consulate General of the Philippines in Dubai


    (2) Arbeitsaufnahme
    Philippinische Staatsbürger dürfen nicht selbstständig eine Arbeit im Ausland aufnehmen. Auch wenn sie selbst eine Arbeit finden muss das vom POEA (Philippine Overseas Employment Administration) genehmigt werden, andernfalls erfolgt Offloading. Wenn man eine geregelte Arbeit auf den Philippinen hat, sollte das kein Thema sein. Andernfalls kann man nur jede Andeutung auf Arbeit im Ausland zurückweisen (auch wenn nur hypothetisch gefragt wird, ob man sich vorstellen könnte, im Ausland zu arbeiten).


    (3) Auswanderung
    Wenn philippinische Staatsbürger auswandern, benötigen sie vorab das OK vom CFO (Commission on Filipinos Overseas), andernfalls erfolgt Offloading. Man kann nur jede Andeutung auf Auswanderung entschieden zurückweisen, ggf. kurz seine Verwurzelung in den Philippinen bestätigen und auf seiner Urlaubsreise beharren. Teilweise werden auch Fangfragen gestellt, z.B. ob man seine Geburtsurkunde oder andere persönliche Dokumente dabeihat (was für Auswanderung und gegen Urlaubsreise sprechen würde). Das Gepcäk sollte auch mit der Urlaubsreise zusammenpassen (z.B. mit 30kg Gepäck zum Wochendendtrip nach Hong Kong ist unglaubwürdig)
    Der Weg zum CFO für Auswanderung ist übrigens hier beschrieben: Philwiki - CFO-Sticker


    (4) Illegale und gefährliche Aktivitäten
    Unter diesen Punkt fallen diverse Sachverhalte.

    • Wenn z.b. eine Filipina mit ausländischem Boyfriend reist, ist oft nachzuweisen, dass der Boyfriend vertrauenswürdig ist. Das heißt: Nachweis der Beziehung und gemeinsamen Urlauben (Fotos am Handy, Chatprotokolle, er sollte philippinische Stempel im Reisepass von früheren Besuchen haben, etc.). Eventuell wird man auch getrennt zu Urlauben und Kennenlernen befragt, die Aussagen müssen dann übereinstimmen.
    • Staatsbedienstete benötigen eine Freigabe, um ins Ausland reisen zu dürfen. Alle anderen Angestellten brauchen eine Urlaubsbewilligung vom Arbeitgeber.
    • Andeutungen zu Prostitution, Drogenhandel, Schmuggel, etc. kann man nur entschieden zurückweisen.


    Offloading - was nun?
    Wenn die Ausreise verweigert wird, sollte man unbedingt auf einen "Findings Report" bestehen (also ein offizielles Dokument, in dem eine Begründung für die verweigerte Ausreise steht). Keinesfalls abwimmeln oder mit Info-Zetteln abspeisen lassen. Wenn keine triftigen Gründe vorliegen, ist das eine letzte Chance, dass man doch fliegen kann. Andernfalls hat man offiziell in der Hand, was einem vorgeworfen wird und kann sich beispielsweise im Nachhinein beschweren oder für die nächste Ausreise vorbereiten.
    User Dino hat mal gemeint, wenn man alle Vorwürfe gut entkräften kann und trotzdem an der Ausreise gehindert wird, einen Agenten oder Station Manager der jeweiligen Fluglinie zu verlangen - ich kann das aber nicht beurteilen.


    Es gibt viele Berichte über Personen, die ein paar Tage nach verweigerter Ausreise erfolgreich ausreise durften. Wieso das funktioniert, weiß ich nicht. Ich habe auch keine Information, welche Informationen zu Offloading im Computersystem der Immibragtion stehen. Und es funktioniert sicherlich nicht immer. Aber eine größere Zahl an Fällen zeigt, dass man bei sehr guter Vorbereitung beim zweiten Mal durchaus reale Chancen hat.


    Bemerkung
    Es gibt Berichte, wonach Immigration Officer versucht haben, Personen nur gegen Zahlung von Schmiergeld ausreisen zu lassen. Auch deren Vorgesetzte waren teilweise involviert, die haben sich das Schmiergeld anscheinend geteilt. In so einem Fall hilft nur, sofort eine offizielle Sache daraus zu machen und unbedingt die irgendwie Airline einzuschalten. Wenn man es schafft, außenstehende Personen mit offizieller Funktion dazuzuziehen, sollte sich die Sache schnell klären lassen.


    Disclaimer
    Ich habe alle Informationen mit bestem Wissen und Gewissen zusammengefasst und beruhen auf einer Vielzahl von Erfahrungen und Quellen. Für Richtigkeit kann ich trotzem nicht garantieren.
    Sollte ich mich geirrt haben oder etwas vergessen haben, freue ich mich um Richtigstellung/Hinweise.


    Ich habe leider keine rechtlichen Quellen zur Hand. Falls jemand die entsprechenden Gesetze kennt, wäre das eine gute Ergänzung:

    • Rechtliche Grundlage für die Interviews und die Offloading-Praxis?
    • Recht auf einen "Findings Report" bei verweigerter Ausreise?
    • Verbot der selbstständigen Arbeitsaufnahme im Ausland?


    Quellen/Referenzen
    ¹ Guide zu Offloading auf den Philippinen
    ² Im Anhang die offiziellen guidelines der BI bezüglich des Offloadings/Secondary Inspection (Quelle: Guidelines on Departure Formalities)
    ³ BI: There is no such thing as "offloading policy"

  • Wann wurde eigentlichdieses dieses Gesetz verabschiedet? Mit scheint, da geht es eher um Angst vor Kontrollverlist, der Schutz vor Menschenhandel ist nur ein Vorwand. Meiner Meinung nach ein Klarer Verstoß gegen die Verfassung, aber auf den Supreme Court ist da diesbezüglich kein Verlass. Der hat schon ganz anderen Unsinn durchgewunken...

  • Wann wurde eigentlichdieses dieses Gesetz verabschiedet? Mit scheint, da geht es eher um Angst vor Kontrollverlist, der Schutz vor Menschenhandel ist nur ein Vorwand. Meiner Meinung nach ein Klarer Verstoß gegen die Verfassung, aber auf den Supreme Court ist da diesbezüglich kein Verlass. Der hat schon ganz anderen Unsinn durchgewunken...

    Ich bin auch der Meinung, dass die Offloading-Praxis gegen andere Gesetze und die Constitution verstößt. Soweit ich weiß wurden die entsprechenden Gesetze zum Offloading irgendwann unter Arroyo beschlossen und unter Noynoy Aquino adaptiert.


    Vieles wurde bereits hier diskutiert: Nachweis der finanziellen Leistungsfähigkeit / OffLoading

  • Einige Politiker? verdienen viel Geld mit den Overseaworker Agenturen, wollen das Monopol behalten, daher wahrscheinlich das Beharren auf diese unselige Praktik. Ausserdem muss man vielleicht einige abweisen um belegen zu können, dass nicht viele im Ausland illegal arbeiten, vielleicht verlangt die Visa Freiheit der Asean Staaten so etwas.

  • Habe das Thema mal eröffnet um das Thema von sanukk´s eigentlichem Thread abzukoppeln.


    Los geht`s......



    Löti

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  • Ich denke der Hauptgrund ist der Generalverdacht gegen die eigenen Bürger, dass diese im Ausland arbeiten möchten, ggf. auch illegal und nicht als registrierte OFWs. Müssen diese, auch wenn sie im Ausland arbeiten, nicht auch zu Hause eine gewisse Steuer zahlen? Diese würde der Regierung dann durch die Lappen gehen, und daher wird wohl gerne schon beim Verdacht einer nicht registrierten Arbeit im Ausland die Person mit Offloading daran gehindert...


    Das trifft wahrscheinlich häufig auch die richtigen....und diejenigen, die "nur" als Tourist oder Besucher ins Ausland wollen, werden dann halt als Kollateralschaden angesehen....

  • Hat ja nicht zwingend etwas mit OFW zu tun.
    Jeder Tourist kann auf den PH an seiner Ausreise gehindert werden (siehe mein Thread). Ob das mit demokratischen Rechten noch vereinbar ist? :floet


    In TH ist es genau umgekehrt: Da werden die Ausländer -auch ohne Grund - benachteiligt und die Einheimischen in jeder Hinsicht mit Sondervorteilen
    ausgestattet. Das nenne ich mal "Bürgerfreundlichkeit", zumindest was die eigene Bevölkerung angeht.


    Nach logischen Geswichtspunkten kann man diese Politik nicht mehr beurteilen. Was geht es die PH an, wenn ein Pinoy im Ausland illegal arbeitet?
    Strafbar macht sich der Pinoy oder jeder andere im Ausland, wenn er ohne Arbeitsgenehmigung illegal dort arbeitet.
    Die PH Immigration hat damit nichts, aber auch garnichts zu tun. ?(

  • Das Thema hat mich eigentlich bis gestern nicht interessiert. Jedoch hatte ich letzte Woche ein Ticket für meinen Schwager für die Fähre von Zamboanga nach Sandakan gekauft. Leider wurde er gestern so wie ca. 200 andere Filipinos nicht auf die Fähre gelassen. Grund war, dass diese Leute ein beglaubigtes Einladungsschreiben vorgelegt haben. Damit wurde automatisch eine Arbeitsaufnahme in Malaysia unterstellt (was natürlich zu 99% auch zu traf). Mein Schwager meinte jedoch, dass Touristen aufs Schiff gelassen wurden.


    Meine Idee war jetzt ihm ein Flugticket zu kaufen. Glaubt Ihr, dass er eine Chance hat über NAIA als Tourist auszureisen? Er hat seine Arbeitsstelle als guard gekündigt und natürlich kein Bankkonto. Pass und Bargeld hat er.


    Gruß,
    Dirk


  • 3. Möglichkeit: Wenn kein ausreichendes Vermögen oder Einkommen vorhanden ist, kann ein Reisepartner garantieren, für Kosten aufzukommen (das gilt auch z.B. für Besuch von Freunden in Deutschland). Dieses Dokument heißt "Affidavit of Support". Fliegt der Reisepartner mit, kann er das Affidavit direkt beim Interview unterschreiben. Wenn der Reisepartner z.B. in Deutschland wartet, kann er es auch vorab verfassen, unterschreiben und der Person im Original zukommen lassen. Es wird empfohlen, es von der philippinschen Botschaft im Ausland beglaubigen zu lassen.

    Man sollte hier evtl noch hinzufügen, dass man eine Beglaubigung bei der philippinschen Botschaft, aber auch bei den Generalkonsulaten vornehmen lassen kann. Allerdings muss man (zumindest in Deutschland) den Affidavit of Support zuerst vom Notar und danach vom Landgericht beglaubigen lassen, ansonsten lehnt die Botschaft oder das Konsulat eine Beglaubigung ab.


    Weiß jemand, wie lange eine beglaubigter Affidavit of Support gültig ist und wie häufig man diesen verwenden kann?

  • trivial


    Danke für die gute Zusammenfassung aller wichtigen Punkte.


    Das sollte sich jeder, der sich mit einer erstmaligen Auslandsreise - Reise befasst, mehrfach durchlesen. Das Einzige, wo ich etwas Bauschschmerzen bekomme, ist das Bankkontro, die "echte" Kreditkarte und den abgestempelten Urlaubsantrag vom Arbeitgeber.
    Ich vermute mal, dass ausreichende Geldmittel oder eben die Garantie durch den Mitreisenden Partner ausreichend sein müßten. Vermuten heisst natürlich nicht wissen.


    Aber die wenigsten Pinoys/Pinays besitzen ein dickes Bankkonto und/oder eine "gepflegte" internationale echte Kreditkarte.......Das fängt vermutlich erst in der oberen Mittelschicht an.

    Edited once, last by sanukk ().

  • pooh_1973 : Danke für den Hinweis, das werde ich anfügen.


    Wann wurde eigentlichdieses dieses Gesetz verabschiedet? Mit scheint, da geht es eher um Angst vor Kontrollverlist, der Schutz vor Menschenhandel ist nur ein Vorwand. Meiner Meinung nach ein Klarer Verstoß gegen die Verfassung, aber auf den Supreme Court ist da diesbezüglich kein Verlass. Der hat schon ganz anderen Unsinn durchgewunken...

    Nach logischen Geswichtspunkten kann man diese Politik nicht mehr beurteilen. Was geht es die PH an, wenn ein Pinoy im Ausland illegal arbeitet?

    Gesetze sind geduldig. Leider kenne ich die philippinische Verfassung zu wenig, um einschätzen zu können, ob diese Gesetze verfassungswidrig sind. Immerhin steht es noch frei, auch verfassungskonforme Gesetze als falsch und Unrecht zu bezeichnen und Änderungen zu fordern.


    Aber warum macht der philippinische Staat das? Ich denke, die Situation hat mehrere Gründe.

    • Erstens dürfen Filipinos in viele ASEAN-Staaten visumfrei einreisen. Diese Staaten haben aber klargestellt, dass sie nicht wünschen, dass Filipinos dann mittellos, illegal oder kriminell in ihrem Land stranden, sonst ist die Visumfreiheit gleich wieder weg. Weil der philippinische Staat das aber nicht möchte, kontrolliert er seine eigenen Bürger strengstens.
    • Zweitens leben viele Agenturen sehr gut von der Vermittlung von OFWs ins Ausland. Hier besteht das Interesse, das Geschäft aufrecht zu erhalten und zu maximieren.
    • Drittens ist es ein Teil der institutionalisierten Unterdrückung aller, die nicht zur Oberschicht gehören. Niemand in der Oberschicht hat Interesse an mündigen, selbstbewussten und selbstbestimmten Bürgern der Mittel- und Unterschicht.
    • Viertens ist ein ein Kontrollbedürfnis, dass ich in der philippinischen Gesellschaft auf allen Ebenen beobachte. Der Mensch wird nicht so frei wie in Europa gesehen, sondern muss für viele Sachen Rechenschaft ablegen. Das spiegelt sich auch in diesem Gesetz wider, indem sich der Staat als großer Vormund des kleinen Bürgers aufspielt.


    Duterte hat in seinem Wahlkampf angekündigt, die Offloading-Praxis abzuschaffen. Soweit ich weiß hat sich bislang aber noch nichts geändert.


    Strafbar macht sich der Pinoy oder jeder andere im Ausland, wenn er ohne Arbeitsgenehmigung illegal dort arbeitet.
    Die PH Immigration hat damit nichts, aber auch garnichts zu tun. ?(

    Nach philippinischer Rechtslage ist ein Filipino illegal, wenn er sich in Singapur einen Job sucht, von Singapur ein Arbeitsvisum bekommt, sich aber nicht als OFW bei der POEA registriert. Aus Sicht von Singapur hat natürlich alles seine Richtigkeit.
    Ansonsten siehe Punkt "Erstens" oben.


    Das Einzige, wo ich etwas Bauschschmerzen bekomme, ist das Bankkontro, die "echte" Kreditkarte und den abgestempelten Urlaubsantrag vom Arbeitgeben.
    Ich vermute mal, dass ausreichende Geldmittel oder eben die Garantie durch den Mitreisenden Partner ausreichend sein müßten. Vermuten heisst natürlich nicht wissen.


    Aber die wenigsten Pinoys/Pinays besitzen ein dickes Bankkonto und/oder eine "gepflegte" internationale echte Kreditkarte.......Das fängt vermutlich erst in der oberen Mittelschicht an.

    Man muss ja nicht Einkommen und Vermögen und Kreditkarte nachweisen, sondern nur ausreichende Geldmittel über Einkommen und/oder Vermögen und/oder Kreditkarte und/oder Affidavit of Support.
    Die Urlaubsbewilligung von Arbeitgeber braucht man zwingend, falls man in einem regulären Job angestellt ist (falls nicht, dann braucht man so etwas auch nicht).

  • Auch von mir vielen Dank an Trivial für die saubere Auflistung.


    Oh je... aber es hört sich schon wieder alles so aufwändig und unsicher an :(


    Im August oder September bin ich vermutlich beruflich je 2 Wochen Singapur und Malaysia. Da wollte ich meine philippinische Verlobte auch hinkommen lassen, so dass wir etwas Zeit zusammen verbringen können. Sie war noch nie aus den Philippinen ausgereist.
    Verstehe ich es richtig, dass es seltener zu "Offloadings" kommt, wenn man als unterstützender Partner Hand in Hand mit der Ausreisewilligen am Flughafen erscheint? Dann kann ich dort direkt ein Dokument unterschreiben, dass ich finanziell für meine Verlobte aufkomme, richtig?


    Bei dem anderen Weg, dass sie alleine ausreist, sollte ich dieses Dokument.... dessen Namen ich weder aussprechen noch mir merken kann :floet .... von einem Notar und vom Landgericht beglaubigen lassen. Hmmm.. im Moment bin ich kaum zu Hause, da ich zwischen Projekten in China und USA pendle. Danach liegt halt Singapur und Malaysia an und laut derzeitiger Planung meines Chefs bin ich immer nur 2 Tage zu Hause... meist an einem Wochenende.
    Deshalb denke ich, wäre es die beste Lösung für uns, wenn ich meine Verlobte zu ihrer ersten Ausreise direkt aus Manila abhole. Wie seht ihr das? Nachdem, was ich gelesen haben, ist mir natürlich klar, dass es keinen 100% sicheren Weg gibt.


    Gruß, Thomas

  • So, gab zwar keine Antwort auf meine Frage, trotzdem möchte ich ein kurzes Update geben:
    Ich habe es so gemacht, dass ich meine Verlobte aus Manila abgeholt habe.
    Dabei hatten wir für sie natürlich Hin- und Rückflugticket Manila <> Singapur, Hotel-Buchung auf ihren Namen, Fotos.
    Wir gingen zusammen zur Passkontrolle und dort hat sie der Beamtin kurz alles erklärt. Hat alles vorgelegt etc. Schließlich wollte die Beamtin noch Fotos von meinem Handy sehen, hier sollte ich Facebook Einträge von letztem Jahr zeigen aus denen hervorgeht, dass wir uns schon etwas länger kennen.
    Dann war alles okay. Hat maximal vielleicht 10 Minuten gedauert.
    Um meine Frage, die ich vor einiger Zeit gestellt habe selbst zu beantworten: Ja, es hilft bestimmt, wenn man für die erste Ausreise seine Holde begleitet.
    Nächsten Monat muss ich beruflich nach Malaysia und werde meine Verlobte dann wieder aus Manila abholen. Dann hat sie zwei Aus-/Einreisen im Reisepass und hoffe, dass die Grenzkontrolle in Manila kein Problem mehr für sie ist, wenn sie in einen anderen asiatischen Staat reisen möchte.


    Gruß, McTom

  • Vielen Dank für den Bericht, wollen diesen Sommer in die Türkei. Werde dann wohl vorher nach Manila fliegen auch wenn es deutlich teurer wird und stressig Köln Manila Istanbul. Teuer ;(