Neues Fachkräfte-Einwanderungsgesetz

  • Hat sich schon jemand mit den konkreten Auswirkungen des neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetz (was für ein Wortungetüm :denken) für Arbeitsuchende Filipinos beschäftigt, das ja nun ab November 2023 anwendbar ist? Für Krankenschwestern und Pflegekräfte scheint es ja schon bisher zielführende Möglichkeiten zur Arbeitsmigration nach D zu geben (kenne jedenfalls kaum ein Pflegeheim, das ohne Filipinos auskommt), aber was ändert sich für die übrigen "Fachkräfte"?

    In der Liste der sog. Engpassberufe geht es vor allem um akad. Fach- und Führungskräfte ->

    https://www.make-it-in-germany…2023_Engpassberufe_DE.pdf


    Würde sagen für den philippinischen "Normalfall" eher unrealistisch; und es ist mir auch völlig unverständlich, warum die Mängelliste nicht auf Handwerks- und Dienstleistungsberufe jeglicher Art ausgeweitet ist, denn fehlen doch vor allem Handwerker, Bäcker, Kraftfahrer etc. etc.


    Neu ist eigentlich nur, dass Berufseinseinsteiger, die innerhalb der letzten drei Jahre einen ausländischen Hochschulabschluss erworben haben, eine Blaue Karte EU erhalten können, wenn sie mit ihrem Job in Deutschland ein Mindestgehalt von 45,3% der jährlichen Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung (d.h. im Jahr 2023: 39.682,80 Euro) erreichen. Dies gilt sowohl für Engpass- aber auch für andere Regelberufe. Wie realistisch ein solches Gehalt für einen philippinischen College-Absolventen ist, kann ich schwer beurteilen - möglicherweise ist es für IT-Fachkräfte machbar.


    Hinzu kommen aber noch 2 große praktische Hürden:

    1. Ausreichende Deutschkenntisse (wohl mind. B2); d.h. man müsste einen entspr. Deutschkurs "vorfinanzieren".
    2. Die Hürden des philippinischen "Auswanderungsrechts", die eine Arbeitsmigration, ohne eine staatliche Agentur und entsprechende "Gebühren" meistens gar nicht zulassen! Der bloße Nachweis eines deutschen Jobangebotes bringt hier also gar nichts, da der phil. Staat hier mitverdienen möchte :Augenbraue

    Da dieses Thema ja auch deutsch-philippinische Familien betrifft, würde mich eure Erfahrung und Meinung dazu interessieren.

  • Ab März 2024 werden folgende Regelungen des Fachkräfte Einwanderungsgesetz für entspr. motivierte Filipinos relevant:

    • Beschäftigung bei berufspraktischer Erfahrung: Diese neue Regelung gilt für alle nicht-reglementierten Berufe in allen Branchen. (z.B. Techniker, Handwerker etc.) Die Anforderung an Personen mit berufspraktischer Erfahrung ist aber, dass sie einen Berufs- oder Hochschulabschluss ihres Landes vorweisen können (daran wird es oft scheitern Angesicht der geringen "Board Passing" Rates). Im Falle eines Berufsabschlusses (z.B. Vocational College wie TESDA) ist eine Ausbildungsdauer von mindestens 2 Jahren erforderlich. Zudem sind mindestens zwei Jahre Erfahrung im angestrebten Beruf vorausgesetzt. Die formale Anerkennung des Abschlusses in Deutschland ist nicht mehr erforderlich (d.h. auch ein philippinischer Tesda Abschluss z.B. als "Computer Techniken" mit ohne weiteres anerkannt!)
    • Für IT-Spezialist-(innen) wird die notwendige einschlägige Berufserfahrung auf 2 Jahre reduziert (vorher drei Jahre). Ein Berufs- oder Hochschulabschluss ist weiterhin nicht erforderlich. Deutsche Sprachkenntnisse müssen für das Visum nicht mehr nachgewiesen werden!!
    • Arbeitsmarktzugang von Pflegehilfskräften aus Drittstaaten: Mit den geplanten Neuerungen wird der Arbeitsmarktzugang für Pflegekräfte um eine Regelung für Pflegehilfskräfte aus Drittstaaten ergänzt. Alle Personen aus Drittstaaten mit einer Pflegeausbildung unterhalb der dreijährigen geregelten Fachkräfteausbildung können im Gesundheits- und Pflegebereich beschäftigt werden. Voraussetzung ist, dass diese Personen entweder eine entsprechende deutsche Berufsausbildung im Pflegebereich oder eine ausländische Pflegequalifikation, die in Deutschland anerkannt wurde, nachweisen können.
    • Niederlassungserlaubnis für Fachkräfte aus dem Ausland: Ausländische Fachkräfte, die eine Aufenthaltserlaubnis nach § 18a, § 18b, § 18d oder §18g AufenthG besitzen und weder eine inländische Berufsausbildung noch ein Studium in Deutschland absolviert haben, erhalten bereits nach drei Jahren (vorher vier Jahre) die Niederlassungserlaubnis in Deutschland. Darüber hinaus erhalten Inhaber einer Blauen Karte EU noch schneller eine Niederlassungserlaubnis: Nach 27 Monaten in Beschäftigung mit einer Blauen Karte EU ist ihre Erteilung möglich, bei ausreichenden Deutschkenntnissen (Niveau B1) sind es sogar 21 Monate.
    • Erleichterungen beim Familiennachzug der Fachkräfte: Wenn Ehegatten oder minderjährige Kinder zu bestimmten Fachkräften nach Deutschland ziehen, wird künftig auf den Nachweis ausreichenden Wohnraums verzichtet. Zudem können solche Fachkräfte auch ihre Eltern und – wenn die Ehegattin oder der Ehegatte auch dauerhaft im Bundesgebiet ansässig sind – Schwiegereltern zu sich holen, wenn sie ihre Aufenthaltserlaubnis erstmals am oder nach dem 1. März 2024 erhalten.

    Fazit: Für entsprechend qualifizierte und motivierte Pinoys ergeben sich tatsächlich in Zukunft viele interessante Möglichkeiten für eine Tätigkeit in Deutschland. Wie ich aus eigener Erfahrung weiß, hapert es aber leider oft an der Motivation Deutsch zu lernen oder überhaupt, sich aus seinem vertrauten philippinischen Umfeld mal heraus zu wagen. Völlig unklar ist mir nach wie vor das Zusammenspiel mit den philippinischen Ausreiseregelungen für OFW - aber hier ergeben sich sicher interessante Geschäftsmodelle für entsprechende Agenturen; vielleicht war yannic hier nur etwas zu voreilig vorgeprescht. Würde ich in den Philippinen leben und wäre jünger, wäre es auf alle Fälle ein interessantes Betätigungsfeld zusammen mit einem philippinischen Partner. :rolleyes:

  • Fazit: Für entsprechend qualifizierte und motivierte Pinoys ergeben sich tatsächlich in Zukunft viele interessante Möglichkeiten für eine Tätigkeit in Deutschland. Wie ich aus eigener Erfahrung weiß, hapert es aber leider oft an der Motivation Deutsch zu lernen oder überhaupt, sich aus seinem vertrauten philippinischen Umfeld mal heraus zu wagen. Völlig unklar ist mir nach wie vor das Zusammenspiel mit den philippinischen Ausreiseregelungen für OFW - aber hier ergeben sich sicher interessante Geschäftsmodelle für entsprechende Agenturen; vielleicht war yannic hier nur etwas zu voreilig vorgeprescht. Würde ich in den Philippinen leben und wäre jünger, wäre es auf alle Fälle ein interessantes Betätigungsfeld zusammen mit einem philippinischen Partner. :rolleyes:

    Grundsätzlich war es auch vorher möglich. Aus der Erinnerung heraus ist der Unterschied Fachkräftezuwanderungsgesetz (2018) vs. Fachkräfteeinwanderungsgesetz, statt Anerkennung in einem deutschen Referenzberuf nun anerkannter Berufsabschluss im Herkunftsland.



    Nur sind die Anerkennungsverfahren undurchsichtig, chaotisch und vor allem langwierig. Theoretisch denkbar war es in den PRC regulierten Master Titeln im Handwerk und College Abschlüssen im Hospitality Bereich.


    Ich habe Zweifel, ob sich in Bezug auf die Philippinen viel ändert. Die Ausbildungsgrundlage der Berufsausübung ist dort häufig learning by doing oder wie von Dir genannt TESDA-Kurse. Letztere sind aber keine umfassende Berufsausbildung, sondern es werden einzelne Fähigkeiten vermittelt.


    https://car.tesda.gov.ph/tesdacar/list-of-tesda-courses/


    Ob diese als "Berufsabschluss" ausreichen und wenn ja, wie viele in einem Bereich? Die Kurse, die ich kenne, sind auch zu kurz und enden mit einer Teilnahmebestätigung, keinem Zeugnis.


    Um im Recruiting zweifelsfrei legal und unabhängig tätig zu sein, müsste man über philippinische Familienmitglieder eine lokale Agentur gründen. Die entsprechenden Lizenzen werden äußerst restriktiv und unter hohen Zugangshürden vergeben, u.a. benötigt man Kapital in sechsstelliger Höhe.


    Sobald die Vermittlungen in diesem Bereich zunehmen, wird vermutlich eine philippinische Regulierung folgen. Mit Blick auf die Entwicklung der letzten Jahre, würde es vermutlich dazu führen, dass nahezu alle Kosten von deutschen Arbeitgebern zu tragen wären.

    Bei der Masse an Kleinbetrieben, etwa im Handwerk oder dem Gastgewerbe, wären vermutlich nur wenige dazu willens bzw. in der Lage dies zu leisten. Zusätzlich muss auch Wohnraum organisiert werden.

    Auch fehlt die Möglichkeit diese Investitionen abzusichern, in dem Sinne, dass es keine rechtlichen Hindernisse für die Fachkräfte gibt, direkt nach Ankunft den Arbeitgeber zu wechseln. Rückzahlungsvereinbarungen sind nach meiner Einschätzung nicht anwendbar, da die Investitionen dem Beschäftigungsbeginn vorgelagert sind. So kann man nur versuchen, psychologische Barrieren schaffen.


    Auch ist kritisch zu hinterfragen, wie wettbewerbsfähig unsere Arbeits- und Lebensbedingungen sind. Man kann am Anfang tricksen und ausschließlich mit Brutto-Gehältern werben. Der Schock kommt dann mit der ersten Gehaltsabrechnung. Ist man diesbezüglich offen, werden viele Interessenten abspringen. Filipinos können mit dem Sozialstaat oder mit anderen vermeintlichen Gegenleistungen für unsere Abgabenlast nichts anfangen. Sie sind in dieser Hinsicht anders als wir gestrickt, denn die alles überragende Motivation für die Arbeitsmigration ist in den allermeisten Fällen ein möglichst hoher Betrag, der monatlich nach Hause geschickt werden kann. Hier schneiden selbst Destinationen im Nahen Osten besser ab. Wenn eine Pflegekraft in Saudi-Arabien 1000 EUR verdient, dann kann sie diesen Betrag nahezu vollständig nach Hause schicken, denn Unterkunft, Verpflegung, teilweise auch Drogerieartikel und einzelne Freizeitaktivitäten, werden zusätzlich übernommen.


    Aus deutscher Perspektive sehe ich keine Grundlage für die Hoffnung, dass es zu einer Wende bei der Fachkräftemigration kommt.

  • Die Anforderung an Personen mit berufspraktischer Erfahrung ist aber, dass sie einen Berufs- oder Hochschulabschluss ihres Landes vorweisen können

    Ich frage mich, wie das in so manchen Bereichen funktionieren soll. Die Ausbildung wie wir sie in Deutschland kennen gibt es so nicht ansatzweise auf den Philippinen. Ein 2 jähriger TESDA Kurs ist mit Sicherheit weit vom Niveau einer deutschen dualen Ausbildung entfernt. Für Betriebe nicht wirklich interessant. man fängt ganz vorne an.

    Wahnsinn bei Individuen ist selten, aber in Gruppen, Nationen und Epochen die Regel.

  • . Sie sind in dieser Hinsicht anders als wir gestrickt, denn die alles überragende Motivation für die Arbeitsmigration ist in den allermeisten Fällen ein möglichst hoher Betrag, der monatlich nach Hause geschickt werden kann.

    ich kenne offensichtlich immer die falschen Leute auf den Philippinen. Das wäre für niemanden den ich kenne der ausschlaggebende Punkt um wohin zu gehen. Klar ist Kohle auch wichtig, aber nicht zum nach Hause schicken sondern für die eigene Tasche bzw. Zukunft, und die Zukunft ist halt mehr als nur "viel Asche". Das ist zum Beispiel ein besserer Pass, und damit siehts halt im Nahen Osten recht dünn aus. Die sind dann eher in Richtung USA orientiert als nach Deutschland.

    "Manche […] sind halt einfach nur dumm! Muss man ihnen aber nicht direkt ins Gesicht sagen!" :hi

  • ich kenne offensichtlich immer die falschen Leute auf den Philippinen. Das wäre für niemanden den ich kenne der ausschlaggebende Punkt um wohin zu gehen. Klar ist Kohle auch wichtig, aber nicht zum nach Hause schicken sondern für die eigene Tasche bzw. Zukunft, und die Zukunft ist halt mehr als nur "viel Asche". Das ist zum Beispiel ein besserer Pass, und damit siehts halt im Nahen Osten recht dünn aus. Die sind dann eher in Richtung USA orientiert als nach Deutschland.


    Dann kennst du wirklich die falschen Leute. Was denkst du warum so viele Seeleute von den Philippinen unterwegs sind? Wegen dem Pass?! Wie das denn?! Wenn ich theoretisch Handwerker von dort holen koennte und diese hier anlerne und denen eine kostenlose Unterkunft, Auto und 2000 Euro netto plus Ueberstunden zahle dann kommen die garantiert nicht weil Deutschland denen eine Zukunft oder einen tollen Pass bietet.... Die wuerden einfach wegen dem Geld kommen und bei ordentlich Stunden haetten die ein Jahresgehalt binnen einem Monat verdient.


    Ein Jahresgehalt binnen einem Monat.... da wuerde ich auch auf die andere Seite der Welt fliegen und ackern....


    Und na klar ist der kleine braune Bruder aus den Philippinen total fixiert auf die USA. Immerhin wandern dort schon seit Jahrzehnten pinoys aus und haben dort quasi direkt Anschluss. Sowas gibt es quasi in Europa nicht.

  • Meine Frau hat früher 11 Jahre in der Pflege gearbeitet und hatte philippinische Kolleginnen.

    Die waren alle mit Deutschen verheiratet und haben den Job nicht wegen dem Geld, sondern damit sie raus von Zuhause kamen, gemacht.

    Als meine Frau dann die Berufsausbildung machte um examiniert zu sein, hat von ihnen keine mitgemacht, wollten alle lieber als Helferinnen weiter arbeiten.

    Wohl gemerkt, sie bekam während der Ausbildung volles Gehalt weiter und auch die Ausbildungskosten+Fahrgeld bezahlt.

    War anders, als 2007 Wirtschaftlich schlechter in Spanien lief und examinierte Spanierinnen dazu kamen,

    Die waren dann gleich wieder weg, wegen geringem Gehalt und hohen Abzügen.

    Da gibts anscheind in Spanien mehr Netto.

    Meine Frau war vor kurzem hier im privatem Krankenhaus gelegen und sie merkte durchaus, dass die Pflegekräfte mit ihrem Wissen und Arbeitsmethoden weit von Deutschen Standards entfernt sind.

    Man musste immer den Arzt holen, wenn man was wissen wollte.

    Meine Frau hatte in Dt. auch im Krankenhaus gearbeitet.

    Gruß Mangojo


    -------------------------------------------------------

    :yupi Frugalist, Privatier ohne Rente :yupi

    Auf dem Totenbett sagt keiner: Ach, hätt ich doch mehr gearbeitet.

    https://frugalisten.de/

  • Dann kennst du wirklich die falschen Leute. Was denkst du warum so viele Seeleute von den Philippinen unterwegs sind? Wegen dem Pass?! Wie das denn?! Wenn ich theoretisch Handwerker von dort holen koennte und diese hier anlerne und denen eine kostenlose Unterkunft, Auto und 2000 Euro netto plus Ueberstunden zahle dann kommen die garantiert nicht weil Deutschland denen eine Zukunft oder einen tollen Pass bietet.... Die wuerden einfach wegen dem Geld kommen und bei ordentlich Stunden haetten die ein Jahresgehalt binnen einem Monat verdient.

    Ich glaube Dir das, aber es gibt eben auch andere, und ehrlich gesagt wären die für mich interessanter. Ich habe halt lieber jemanden, dem ich vertrauen kann und wo ich weiss was er kann statt aller 3 Monate jemand neuen anlernen zu müssen weil irgend ein anderer nen Zehner am Tag mehr zahlt.


    Ich kenne natürlich auch die andere Seite, die Jungs die statt Urlaub oder Wochenende lieber noch mal nen 12-Stunden-Tag einlegen der Kohle wegen. Oder die Chinesen (outside China), die halt einfach rund um die Uhr ackern. Das sind aber zumeist nicht Leute, die in meinem täglichen Leben vorkommen. Die haben (auch die Jungen) mehr vor im Leben als sich einfach nur für ein bisschen mehr Asche für nen Saudi krumm zu buckeln*.


    Vielleicht kenne ich auch einfach die richtigen Leute ;)


    *Disclaimer: ich habe auch schon für Saudis gearbeitet. Allerdings eher mit als für, das hat auch ziemlich Spass gemacht. Hätte es das nicht, hätte ich es wahrscheinlich auch nicht gemacht ;)

    "Manche […] sind halt einfach nur dumm! Muss man ihnen aber nicht direkt ins Gesicht sagen!" :hi

  • aber es gibt eben auch andere,

    Was jedoch eine Minderheit ist gerade auf den Philippinen.



    Ich habe halt lieber jemanden, dem ich vertrauen kann und wo ich weiss was er kann statt aller 3 Monate jemand neuen anlernen zu müssen weil irgend ein anderer nen Zehner am Tag mehr zahlt.

    Was ja an meinem Beispiel schon mal nicht der Fall waere da ich fuer einen Helfer mehr zahlen wuerde als fuer einen Facharbeiter von hier.

  • Auch ist kritisch zu hinterfragen, wie wettbewerbsfähig unsere Arbeits- und Lebensbedingungen sind. Man kann am Anfang tricksen und ausschließlich mit Brutto-Gehältern werben. Der Schock kommt dann mit der ersten Gehaltsabrechnung. Ist man diesbezüglich offen, werden viele Interessenten abspringen. Filipinos können mit dem Sozialstaat oder mit anderen vermeintlichen Gegenleistungen für unsere Abgabenlast nichts anfangen. Sie sind in dieser Hinsicht anders als wir gestrickt, denn die alles überragende Motivation für die Arbeitsmigration ist in den allermeisten Fällen ein möglichst hoher Betrag, der monatlich nach Hause geschickt werden kann. Hier schneiden selbst Destinationen im Nahen Osten besser ab. Wenn eine Pflegekraft in Saudi-Arabien 1000 EUR verdient, dann kann sie diesen Betrag nahezu vollständig nach Hause schicken, denn Unterkunft, Verpflegung, teilweise auch Drogerieartikel und einzelne Freizeitaktivitäten, werden zusätzlich übernommen.


    Aus deutscher Perspektive sehe ich keine Grundlage für die Hoffnung, dass es zu einer Wende bei der Fachkräftemigration kommt.

    Das neue Fachkräfte-Zuwanderungs-Gesetz senkt zwar die Hürden der Zuwanderung aus den Philippinen (insbesondere formale Anerkennung von in den Philippinen erworbenen Berufsabschlüssen), aber de-facto gibt es insbesondere folgende Probleme:

    • Vorfinanzierung der Sprachkurse und der formalen Jobsuche in D; hier sind schnell einige Tausend EUR verbraten, das übersteigt oft die Möglichkeiten normaler deutsch-philippinischer Familien, wenn es nicht bereits von deutschen potentiellen Arbeitgebern vorfinanziert wird.
    • Rechtliche Hürden des philippinischen Arbeits-Emigrationsrechtes, wo individuelle Arbeitsverträge mit deutschen Arbeitgebern systematisch blockiert werden und die Filipinos in entsprechende Agenturen gedrängt werden. Die praktische Lösung ist dann oft eine Ausreise über ein Drittland mit Touristenvisum und Weiterreise nach Deutschland mit einem Arbeitsvisum
    • Steuerliche und kulturelle Unterschiede z.B. gegenüber dem US-Arbeitsmarkt im Hinblick auf die hohen Sozialabgaben und die Engpässe auf dem deutschen Wohnungsmarkt. Meine Erfahrung ist aber, das zumindest für phil. Pflegekräfte in der Regel eine preiswerte Unterkunft als "package deal" mit angeboten wird.

    Meine Beobachtung ist, dass insbesondere philippinische Pflegekräfte und Hoch-Qualifizierte von den neuen Regeln profitieren. Ich kenne zum Beispiel philippinische Juristen oder Informatiker, die über ein Aufbaustudium (Master oder Promotion) in Deutschland Fuss fassen Können (denn nach dem Aufbau-Studium gibt es automatisch ein erweitertes Visum zur Jobsuche.


    Falls jemand als Pflegekraft in Deutschland arbeiten möchte, kann ich deutsch-philippinischen Familien nur empfehlen, gleich nach dem Highschool Abschluss eine duale Ausbildung in einem deutschen Kranken- und Pflegeheim zu versuchen; den teuren und zeitintensiven Umweg über ein 4-jähriges Nurse-Studium in den Philippinen kann man sich damit ersparen!

    • Vorfinanzierung der Sprachkurse und der formalen Jobsuche in D; hier sind schnell einige Tausend EUR verbraten, das übersteigt oft die Möglichkeiten normaler deutsch-philippinischer Familien, wenn es nicht bereits von deutschen potentiellen Arbeitgebern vorfinanziert wird.

    Ich habe es ja schon zuvor geschrieben. Sobald das Volumen anderer Berufsgruppen steigt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass dort von philippinischer Seite regulierend eingegriffen wird. Wie das bei den Pflegekräften aussieht, kann man hier nachlesen:


    https://www.dmw.gov.ph/archives/gbr/2016/4.pdf


    Nach Inkrafttreten des Fachkräftezuwanderungsgesetzes war ich in den Dialog der philippinische Botschaft mit deutschen Branchenverbänden involviert bzw. wurde dieser schnell von Letzteren abgewürgt. Die Resonanz war eine Katastrophe und zumindest ich habe mich für die Art und Weise geschämt. Damit wurde die Möglichkeit verpasst, sich auf eine für beide Seiten tragfähige Regulierung zu verständigen. Danach kam Corona und es gab einen kompletten Austausch des Botschaftspersonals. Daher weiß ich nicht, ob es danach eine Entwicklung gab, höchstwahrscheinlich aber nicht.


    • Rechtliche Hürden des philippinischen Arbeits-Emigrationsrechtes, wo individuelle Arbeitsverträge mit deutschen Arbeitgebern systematisch blockiert werden und die Filipinos in entsprechende Agenturen gedrängt werden. Die praktische Lösung ist dann oft eine Ausreise über ein Drittland mit Touristenvisum und Weiterreise nach Deutschland mit einem Arbeitsvisum

    Das richtet sich nicht speziell gegen deutsche Arbeitgeber, sondern ist der rechtlich vorgesehene Weg, der für alle Destinationen gilt. Ausnahmen davon gibt es nur bei staatlichen Anwerbeprogrammen auf Basis bilateraler Abkommen, etwa Triple-Win, und die praktisch nahezu bedeutungslosen direct-hire Ausnahmen.


    Die Rechtslage gibt den lokalen Agenturen eine zentrale Rolle. Leider wird die durch mangelnde Seriosität und Unprofessionalität geprägte Branche dem regelmäßig nicht gerecht. Es ist aber nicht völlig einseitig. Ich kenne auch Fälle, in denen etwa OFW´s aufgrund von Eigenverschulden entlassen und zurückgeschickt wurden und dann auf den Philippinen die Agentur erfolgreich verklagt haben. Die Folge war, dass der komplette verbleibende Arbeitsvertrag von der Agentur ausbezahlt werden musste.


    Kein seriöser Arbeitgeber wird den Weg der Ausreise über Drittstaaten gehen, womit sich die Verantwortlichen übrigens auf den Philippinen strafbar machen würden. Daher wäre es töricht von OFW´s sich auf so etwas einzulassen.


    Auch steht man bei jeder Heimreise vor demselben Problem. Urlaubende OFW´s (balik manggagawa) benötigen für die Wiederausreise abermals ein OEC.


    • Meine Erfahrung ist aber, das zumindest für phil. Pflegekräfte in der Regel eine preiswerte Unterkunft als "package deal" mit angeboten wird.

    Das sind aber fast immer keine Dauerlösungen, da es etwa von Anfang an zeitliche Beschränkungen gibt und es sich um Gemeinschaftsunterkünfte handelt.

    Preiswert ist auch relativ. 300-400 EUR für ein ca. 20 qm Studio im Keller bei Zweierbelegung oder für ein Zimmer im Kloster, bei dem man sich weitestgehend an die dortigen Lebensregeln halten muss, als mir bekannte Beispiele halte ich für wenig begehrenswert.


    Falls jemand als Pflegekraft in Deutschland arbeiten möchte, kann ich deutsch-philippinischen Familien nur empfehlen, gleich nach dem Highschool Abschluss eine duale Ausbildung in einem deutschen Kranken- und Pflegeheim zu versuchen; den teuren und zeitintensiven Umweg über ein 4-jähriges Nurse-Studium in den Philippinen kann man sich damit ersparen!

    Für deutsche Arbeitgeber hat das den Vorteil, dass die Ausbildung hierzulande mit staatlichen Mitteln gefördert wird. Bei objektiver Betrachtung ist es aber ökonomisch nicht sinnvoll. Wenn hierzulande aufgrund der Demografie die Auszubildenden fehlen und man sich die im Ausland sucht, dann wäre es kosteneffizienter, die Fördermittel - etwa durch Bildungskooperationen, die vorgezeichnete Wege nach Deutschland anbieten - auch dort einzusetzen. Ausbildung und Versorgung ist z.B. auf den Philippinen wesentlich kostengünstiger. Auch fehlen hierzulande mittlerweile Pflegepädagogen.


    Zugegebenermaßen ist bei der dualen Ausbildung auch der Wert der schon geleisteten Arbeit zu berücksichtigen, für mich ändert das aber nichts an der Gesamteinschätzung.


    Für die Auszubildenden ist es nur auf den ersten Blick vorteilhaft. Man sollte dabei berücksichtigen, dass es sich um sehr junge und unreife Menschen handelt, die man vom Elternhaus direkt in eine völlig andere Welt verpflanzt. Viele würden das nicht schaffen. Hinzu kommt, dass auch hierzulande mehr als 30 % der Auszubildenden in der Pflege, zumeist aufgrund falscher Berufsvorstellungen, die Ausbildung abbrechen. In Kombination würde man eine große Gruppe an Gescheiterten produzieren und stünde dann vor dem Folgeproblem, wie man damit im Migrationskontext umgeht.


    Für die Erfolgreichen ist zu berücksichtigen, dass es keine Perspektive der Rückkehr auf die Philippinen gibt, denn eine deutsche Ausbildung wird umgekehrt nicht anerkannt. Das ist eine ethische Problematik, die von Befürwortern dieses Weges übersehen wird.


    Relativieren könnte man die Nachteile, indem man einen Teil der Ausbildung vorgelagert auf den Philippinen durchführt. Nur ist niemand hierzulande bereit, Strukturen im Ausland zu schaffen bzw. langfristig zu unterstützen. Damit habe ich reichlich ernüchternde Erfahrungen gesammelt.

  • Für die Erfolgreichen ist zu berücksichtigen, dass es keine Perspektive der Rückkehr auf die Philippinen gibt, denn eine deutsche Ausbildung wird umgekehrt nicht anerkannt. Das ist eine ethische Problematik, die von Befürwortern dieses Weges übersehen wird.

    Ich glaube das ist nicht unbedingt ausschlaggebend, für 15kPHP im Monat geht keiner wieder her. Eher in andere Länder, wo es auf Erfahrung ankommt und die deutsche Ausbildung vielleicht nicht formal anerkannt, aber finanziell wertgeschätzt wird.

    "Manche […] sind halt einfach nur dumm! Muss man ihnen aber nicht direkt ins Gesicht sagen!" :hi

  • Für die Erfolgreichen ist zu berücksichtigen, dass es keine Perspektive der Rückkehr auf die Philippinen gibt, denn eine deutsche Ausbildung wird umgekehrt nicht anerkannt. Das ist eine ethische Problematik, die von Befürwortern dieses Weges übersehen wird.

    Ich glaube das ist nicht unbedingt ausschlaggebend, für 15kPHP im Monat geht keiner wieder her. Eher in andere Länder, wo es auf Erfahrung ankommt und die deutsche Ausbildung vielleicht nicht formal anerkannt, aber finanziell wertgeschätzt wird.

    Diese Rückkehrfälle gibt es. Teils geschieht es überstürzt aufgrund von Frustration oder in übersehenen Konstellationen wie, dass ein Familienmitglied erkrankt ist und man dafür für längerer Zeit zurückkehrt.

    Davon abgesehen handelt es sich bei den Betroffenen um heutige Teenager. Man kann durchaus infrage stellen, ob es diesen Unterschied bei den Arbeits- und Lebensbedingungen zwischen Deutschland und den Philippinen, der heute Motor der Migration ist, in Jahrzehnten überhaupt noch gibt.


    Das wären meine Einwände. Viel relevanter ist eine ethische Problematik für diejenigen, die sich das lautstark auf die Fahnen schreiben. Davon gibt es in der Gesundheitsbranche überproportional viele bei den Wohlfahrtsverbänden und bei staatlichen Akteuren. Es wird explizit für diese Migration geworben, mit dem Hinweis auf den Wissenstransfer durch Rückkehrer. Daher ist es peinlich, wenn eine berufliche Rückkehr faktisch unmöglich ist.

  • Ich kenne zum Beispiel philippinische Juristen oder Informatiker, die über ein Aufbaustudium (Master oder Promotion) in Deutschland Fuss fassen Können

    Meine Frau ist ja Juristin (studiert in NZ / Phills)...Deutsches Recht ist aber etwas ganz anderes, als "Angelsächsisches" Recht und nochmal etwas ganz anderes als Phill. Recht! Um damals eine Anerkennung zu bekommen, hätte sie nahezu komplett neu studieren müssen in D.

    So einfach ist das nicht

    Eine gute Landung ist eine, bei der du hinterher weggehen kannst. Eine phantastische Landung ist eine, bei der das Flugzeug noch einmal verwendet werden kann. Starten muss man nicht. Landen schon

  • Diese Rückkehrfälle gibt es. Teils geschieht es überstürzt aufgrund von Frustration oder in übersehenen Konstellationen wie, dass ein Familienmitglied erkrankt ist und man dafür für längerer Zeit zurückkehrt.

    Das verstehe ich, sollte aber nicht die Mehrheit sein sondern Ausnahmen. Ich habe schon viel von Filipinos gelesen und gehört die wirklich gern wieder heim wollen, aber halt für das Geld einfach nicht arbeiten wollen was sie in den Philippinen bekommen. Das ist teils eklatant!


    . Es wird explizit für diese Migration geworben, mit dem Hinweis auf den Wissenstransfer durch Rückkehrer. Daher ist es peinlich, wenn eine berufliche Rückkehr faktisch unmöglich ist.

    Das ist ja schon eine andere Hausnummer. Grad in "zertifizierten Berufen".

    "Manche […] sind halt einfach nur dumm! Muss man ihnen aber nicht direkt ins Gesicht sagen!" :hi

  • Philippinische Pflegekräfte

    In der Heimat umworben, in Deutschland beschimpft

    In der Pflege herrscht Notstand. Millionenbeträge werden aufgewendet, um auf den Philippinen Pflegerinnen und Pfleger zu rekrutieren. Doch in Deutschland angekommen, wollen viele nur eines: schnell wieder weg.



    Philippinische Pflegekräfte erleben in deutschen Kliniken und Altenheimen Diskriminierung und Rassismus:

    »Die Chefin beschimpft uns als ›Vögel‹«



    leider hinter der Bezahlschranke:

    https://www.spiegel.de/karrier…ToooC&utm_content=rundown

    „Wir wissen sie lügen

    sie wissen sie lügen

    sie wissen, daß wir wissen, sie lügen

    wir wissen, daß sie wissen, daß wir wissen, sie lügen

    und trotzdem lügen sie weiter ! „

    Alexander Solschenizyn

  • I am multi-talented!

    I can talk and p.iss people off at the same time!


    A pessimist is a man who thinks all women are bad.

    An optimist is a man who hopes they are.


    My mouth is not a bakery, I don't sugarcoat anything!


    If you ask my opinion,
    I am going to tell you the truth,
    Not that what you'd like to hear!


    Ein erfahrener Pilot ist,

    wer seine Erfahrung benutzt,

    um Situationen zu vermeiden,

    die seine Erfahrung erfordern!


    ╭∩╮(︶︿︶)╭∩╮

  • Quote

    Das reiche von Beschimpfungen wie „Schlitzauge“ über Ablehnungen durch Patienten und den Ausschluss aus WhatsApp-Gruppen der deutschen Kollegen bis dahin, dass sie stets als Erste beschuldigt würden, wenn etwas nicht in Ordnung ist.

    Dann müsste jeder Expat ja auch aus den Philippinen fliehen..."Hey Joe oder Americano" entsprechen ungefähr dem Schlitzauge!

    Demokratie ist eine Einrichtung, die es den Menschen gestattet, frei zu entscheiden, wer an allem schuld sein soll :hi

  • Auch hier gibt es wie üblich verschiedene Seiten. Ich kenne einige Filipinos die seit ein paar Jahren in Deutschland sind. Der erste Arbeitgeber hat sich nicht ausreichend gekümmert, nach Ende des ersten Vertrages sind alle zusammen abgeworben worden. Keiner will zurück auf die Philippinen. Zwei hatten im ersten Jahr starkes Heimweh, das lag aber eher an den Persönlichkeiten.


    Aus solchen Artikeln lässt sich kaum ableiten, dass das Geschilderte auf alle in D. arbeitenden philippinische Pflegekräfte zutrifft.

    Wahnsinn bei Individuen ist selten, aber in Gruppen, Nationen und Epochen die Regel.

  • Auch hier gibt es wie üblich verschiedene Seiten. Ich kenne einige Filipinos die seit ein paar Jahren in Deutschland sind. Der erste Arbeitgeber hat sich nicht ausreichend gekümmert, nach Ende des ersten Vertrages sind alle zusammen abgeworben worden. Keiner will zurück auf die Philippinen. Zwei hatten im ersten Jahr starkes Heimweh, das lag aber eher an den Persönlichkeiten.


    Aus solchen Artikeln lässt sich kaum ableiten, dass das Geschilderte auf alle in D. arbeitenden philippinische Pflegekräfte zutrifft.

    Da stimme ich dir zu.

    Meine Schwester hat u.a. auch eine phil. Pflegekraft. Deren Mann ebenso Pfleger. Die beiden bewegen sich natürlich in ihrem Umfeld auch viel mit ihresgleichen also Pinoys als Pflegekräfte. Von denen will auch keiner mehr zurück, sagen die mir. Auch von "schlechter Behandlung" konnte ich da nichts hören, eher von Zufriedenheit.

    „Wir wissen sie lügen

    sie wissen sie lügen

    sie wissen, daß wir wissen, sie lügen

    wir wissen, daß sie wissen, daß wir wissen, sie lügen

    und trotzdem lügen sie weiter ! „

    Alexander Solschenizyn