exaltiert theatralische Ausdrucksweise bei Nachrichten im TV

  • Ich habe die letzten Wochen häufiger die Nachrichten auf GMA7 gesehen (wohne in Deutschland), da mich die Lage in Manila interessiert.


    Dabei fällt mir die theatralisch exaltierte Ausdrucksweise auf, mit welcher die Nachrichten vorgetragen werden. Jeder Halbsatz wird zum Ende hin betont, ebenso werden wichtige Wörter extrem betont. Es gibt praktisch keine Nebensätze, jeder Satz ist ein Hauptsatz mit extremer Betonung.


    Das erinnert fast schon an das nordkoreanische Staatsfernsehen, wo auch so eine theatralische Ausdrucksweise vorherrscht.


    Meine Frau meinte, das sei Teil der Kultur, und sie kenne es nur so, war ihr aber noch nicht aufgefallen. Im Radio werden die Nachrichten auch in diesem Tonfall präsentiert.


    Ich meine, Kultur hin oder her - ich weiß nicht, ob es wirklich die "Kultur" ist. An der Sprache Tagalog kann es nicht liegen, Duterte spricht zumindest nicht so. Er spricht sehr ruhig und gelassen.


    Bei uns, wenn ich an die Sprecher des ZDF "heute journal" denke - diese sprechen doch sehr gelassen und ruhig. Ich höre auch häufiger Radio Havanna aus Kuba, hier werden die Nachrichten auch sehr gelassen, ruhig und sympathisch vorgetragen. Also doch eher eine asiatische Eigenart, dieses theatralische Vortragen?


    Auf den Philippinen findet man während der Nachrichten gar keine Entspannung. Es wird einem jeder Halbsatz entgegengedonnert. Ist das wirklich Kultur?


    Oder ist das technisch begründet, dass beim früheren Analog-Fernsehen der Empfang oftmals schlecht und verrauscht war, und man deshalb jeden Halbsatz so betonen musste, damit er beim Empfänger auch verstanden wurde?

  • Das erinnert fast schon an das nordkoreanische Staatsfernsehen, wo auch so eine theatralische Ausdrucksweise vorherrscht.

    Genau daran dachte ich beim Lesen deines ersten Absatzes ebenfalls!!


    Auf den Philippinen findet man während der Nachrichten hingegen gar keine Entspannung. Es wird einem jeder Halbsatz entgegengedonnert, als ob er aus einer Maschinenpistole käme. Ist Euch das auch schon aufgefallen? Woher kommt das? Wirklich Kultur?

    Das ist ein Stilmittel - je reisserischer der Ton je dramatischer wird die erzaehlte Geschichte wahrgenommen.

    Das funktioniert mit jedem Satz so, auch wenn man erzaehlt dass man sich Butter auf's Brot geschmiert hat, UND DAS MIT EINEM MESSER!!! :D

    Das findest du aber auch in z.B. der Bild-Zeitung...


    Ich moechte in Bezug auf das phil. TV jetzt nicht das Wort "Propaganda" in den Mund nehmen.... aber eigentlich doch. :floet

    Schau mal z.B. TV-Patrol, da wird wegen jedem Muckenschiss derselbe Ton an den Tag gelegt, allerdings noch etwas gemaessigter wie in anderen News wie ich finde.


    Ohne das abwertend zu meinen ist es auf den Phils eben relativ einfach das Volk aufgebracht zu halten bzw. mit Tsismis aufzubringen...


    Oder ist das technisch begründet, dass beim früheren Analog-Fernsehen der Empfang oftmals schlecht und verrauscht war, und man deshalb jeden Halbsatz so betonen musste, damit er beim Empfänger auch verstanden wurde?

    Was? :Rolf



    Das hier...



    ...koennte das Intro hiervon sein:


    "SITA VSVI LATE IN ISTA PER CANES"

  • Schau mal z.B. TV-Patrol, da wird wegen jedem Muckenschiss derselbe Ton an den Tag gelegt, allerdings noch etwas gemaessigter wie in anderen News wie ich finde.

    Das beste was ich da jemals gesehen habe (schon ein paar Jahre her) war, wie sie zwei alte Filipinos "verhaftet" haben, die als Bystander einer Sweeping-Aktion dem Sweeping-Trupp im Weg gestanden und Red Horse getrunken haben ("Sopdrink lang yan ser"). Sie wurden erst heimgeschickt, kehrten dann aber mit Essen an den Ort ihres Verbrechens zurück.

    Sie wurden mit einem Tricyle abtransportiert und sassen dann strunzdicht auf der Polizeistation und haben geweint(!) weil "nirgendwo kann man mehr richtig Spass haben", währenddessen der Reporter in o.g. Ton kommentierte, dass "die Beweise gegen die Verdächtigen erdrückend sind" (das halb gegessene Essen was konfisziert wurde sowie eine leere Flasche Red Horse).

  • Ich verkehre seit 25 Jahren auf den Philippinen und da war der Ton in gewissen

    " Nachrichtensendungen " schon genauso. Reisserisch ohne Ende ( gibt es eigentlich " Saksi !!! ) noch ?

    Da war als mehr Blut auf der Strasse als Wasser im Pasig.

  • Man kann sich auf YouTube mal die Folgen von "Imbestigador" anschauen. Die Betonung und Wortmelodie sind heutzutage noch einigermaßen gemäßigt. In meiner Erinnerung war das früher schlimmer, aber der Moderator/Sprecher ist auch älter geworden, vielleicht liegt es daran.


    Thematisch jedoch ist es reinster Kriminalvoyeurismus. Früher gab es noch Berichte über unhygienische Zustände in Lebensmittel verarbeitenden Betrieben. Heute scheint es nur noch Mord, Totschlag, Vergewaltigung zu geben, mit amateurhaften Nachstellungen und, wie immer, echten Leichenfotos. Schon allein die Vorschaubilder bei YouTube reichen, um einen kleinen Eindruck vom Inhalt zu bekommen. (Man kann aufs Bild klicken, um es ganz zu sehen.)


  • Die reisserische Sprache bei TV-Nachrichten ist mir auch schon aufgefallen.

    Nach meinem dafürhalten ein Tribut an den philippinischen Drang zur Dramaturgie

    :334: ich bin süchtig, kann nicht anderst, muss wieder hin .......
    ..... bin angekommen 8-)


    so langsam bin ich zu alt um andern Menschen Honig um den Mund zu schmieren

  • Manchmal denke ich dass die Reporter gar kein Mikrofon bräuchten!:D


    Die Lautstärke und das Theatralische sind schon toll! Es stimmt, wirkliche News

    werden fas keine gesendet....nur Drama! Denke mal das ist einfach die "Kultur"

    hier. CNN Philippines ist besser aber leider senden die immer mehr in Tagalog.


    Gruss

    Das Leben ist schön.....geniesse es!

  • Das beschriebene Stilmittel wird m. E. gewählt, um dem Zuschauer die Möglichkeit zu entziehen oder zumindest diese einzuschränken, sich selbst eine einigermaßen objektive Meinung über den geschilderten Sachverhalt zu bilden. Stattdessen versucht man durch entsprechende Betonung, die Nachricht von vornherein in die eine (gut) oder andere (schlecht) Richtung zu interpretieren und damit die Zuseher zu beeinflussen. Das ganze dürfte unter dem Oberbegriff "tendenziöse Berichterstattung" einzustufen sein.


    The man

  • Duterte hat öfters bei Reden nachgefragt "was heißt das auf tagalog" weil er nur dass bisaya Wort kannte. Ein Beispiel für gutes tagalog ist der Schimpfwort König nicht.

  • Auf Mindanao (CdO) gibt (gab?) es einen Sender, wenn ich mich richtig erinnere Radio Bomba oder so ähnlich. Wenn es da Meldungen verbreitet werden, dann klingt das immer so, als wenn der 3. Weltkrieg ausgebrochen ist. Laute sonore Stimme in entsprechender Lautstärke und zwischen den Meldungen so eine Art Militärmusik-Jingle. Man hat das Gefühl, dass hinter dem Mikro so ein 2-Meter-Typ mit 110 kg in Uniform sitzt.

    Paragraf 5 des Grundgesetzes: Jeder hat das Recht seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äussern

  • Dieses theatralische könnte auch ein "Erbe" der US-Amis sein... wenn man dort (USA) Radio hört oder TV kuckt, ist häufig exakt dieser Sprachstil zu finden. Übrigens auch immer schön zu hören im philippinischen Radiosender "Music El Cafe"... alle Stunde kommt da eine Warnung, nicht betrunken zu fahren (ok, die wird dort gebraucht), abgeschlossen mit (ich habs nicht genau im Ohr im Moment) "always pray before you drive - your relatives are waiting at home". Und natürlich mit der komplett übertriebenen, theatralischen Betonung. Wenn ich nicht wüßte, daß das ein phil Sender ist, würde ich den sofort in USAmiland verorten.

    Vielleicht sollte ich das mal mitschneiden und hier als Anhang reinstellen :peinlich

  • Na ja, bei CNN habe ich diesen Eindruck nicht. Und das ist ein AMI!

    Übrigens, auch CNA (Singapore) berichtet sachlich und unaufgeregt.


    Gruss

    Das Leben ist schön.....geniesse es!