Holzbau, warum trotz Taifunen

  • Habe gerade die Bilder von Romblon gesehen, furchtbar. Da kam mir die Frage warum nicht mehr massive Bauweise. In Deutschland sind Häuser aus Steinen und Beton ja nicht unbedingt teurer als Holzhäuser, eher im Gegenteil. Woran es liegt, dass in P das nicht mehr genutzt wird?

  • Habe gerade die Bilder von Romblon gesehen, furchtbar. Da kam mir die Frage warum nicht mehr massive Bauweise. In Deutschland sind Häuser aus Steinen und Beton ja nicht unbedingt teurer als Holzhäuser, eher im Gegenteil. Woran es liegt, dass in P das nicht mehr genutzt wird?

    Weil es auf den Philippinen anders ist. Häuser aus Bambus, Spanplatten, Nipa etc. kosten in einfacher Bauweise fast nichts.

    Und von Innenausbau kann man in aller Regel dort nicht sprechen. Rohre und Leitungen werden durch den Raum gelegt wenn es billig sein soll.


    Häuser aus Hohlbausteinen kosten ein Vielfaches davon.


    LG Carabao

  • Wenn die Holzbauweise richtig gemacht wird, ist sie auch gut und ein Taifun wird das Haus nicht zerstoeren. Ich habe vor etwa 30 Jahren in Puerto Galera in einem Holzhaus gewohnt, das Haus hatte ein Nippadach, nach einem schweren Taifun stand das Haus noch. Die umliegenden Haeuser die billigst gebaut wurden lagen alle flach, also wenn das Holzhaus richtig gebaut wird ist es schon stabil. Ein Vorteil von dem Holzhaus war, wenn es abends kaelter wurde, war das Haus auch sehr schnell innen kaelter, wobei es bei einem Steinhaus die ganze nacht kaum kaelter wird.

  • Wasser ist das Problem. Viele Böden auf den Philippinen sind so beschaffen, dass bei Nässe Betonfundamente instabil werden. Und viele Steine schlechter Qualität werden auch instabiler, wenn sie lange durchgenässt sind. Das spricht für leichte Holzkonstruktionen. So eine Nipa ist ja schnell wieder aufgebaut. Oft fliegt ja einfach nur das Dach weg. Und so viele Habseligekeiten die man schützen muss, haben die Leute ja nicht. Und es ist ja nicht nur der Wind, der direkt am Haus angreift. Sondern das Material, das rumfliegt. Und dir dann auch deine teure Steinwand demolieren kann. In der Provinz flogen seit eh und je den Leuten regelmässig die Hütten davon. Und ein paar Tage später war alles wieder aufgebaut.

  • Da interessieren mich die Details. Wenn man sich z.B. folgende Hütte anschaut:


    https://d1nabgopwop1kh.cloudfr…et/1615280847170064219_wh


    Wenn ich das in Deutschland als Rohbau nachbauen würde würde es wohl 5000 Euro Material kosten, wenn ich das Material überhaupt finde. Aus Stein sogar mit Verputz wäre es billiger. In P ist der Lohn ca. 1/10 - deswegen erwarte ich nicht, dass auch das Material 1/10 kostet, da stecken ja auch Kosten drin die aus Export kommen (Diesel für Transport, Geräte wie Sägen, Anlagentechnik zum Brennen von Steinen usw.), aber eigentlich schon nur maximal 1/3.

    Mal ein paar Beispiele in D aus jüngster Erinnerung

    OSB Holzplatte 4 Euro/qm

    1 Dachziegel 0,8 Euro (wenn man >200 kauft), also ca. 25 Euro/qm

    1 Bimsstein 0,4x0,3x0.3 0,5 Euro

    25kg Zement 5 Euro

    Frischbeton frei Baustelle 100 Euro/cbm

    1 einfache aber dichte Kunststoff-Kellertür 100 Euro

    gute Aluhaustür 800 Euro++

    mittelgroßes Fenster 80 Euro

    Waschbecken Keramik 60 Euro


    -- während ich das so schreibe verstehe ich glaube ich,wo das Problem liegt.


    Wenn jemand in den Philippinen einen Dachziegel zwar für 0.05 Euro herstellen könnte, während die Herstellung in Deutschland 0.5 Euro kostet, würden die Dachziegel alle erstmal P verlassen, wenn der Transport nach D z.B. 0.2 Euro wäre. D.h. die Dachziegel würden in P trotzdem 0.25 Euro kosten, also 1/2 der Kosten in D, obwohl sowohl die Herstellungskosten als auch die Löhne in P nur 1/10 wären. Erst wenn die Dachziegelindustrie in P so stark wachsen würde, dass sie das Preisniveau in ganz P nach oben zieht wäre der Ziegel für den Philippiner erschwinglich wie in D.


    Das heißt aber dass Materialien mit hohen Transportkosten nach Export in P evtl. in P genauso erschwinglich sind (z.B. geringe Dichte pro Preis, daher wohl Bambuswedel, da sie schlecht zu exportieren sind). Eigentlich sind aber auch Bimssteine recht billig pro Masse.

  • Hallo havenborn,

    hier auf den Phil. wuerde der Rohbau incl. Dach, von Deinem Link, so um die 1000 Euro kosten. Das ist hier allerdings schon eine Edelhuette, die Armen hier haben andere Huetten. Hier gibt es oefters mal grosse Braende in den Slums, da sieht und hoert man dann im Fernsehen, 200 Haeuser bei dem Brand zerstoert Schaden 1 Mio. Peso, daran kann man sehen was hier die Haeuser in den Slums wert sind.

  • Die Armen haben schonmal keine Fenster in Ihren Hütten. Da wird nur eine Öffnung in die Flywoodplatte 0,6 mm gemacht und evtl. noch mit paar Bambusstäben gegen einsteigen gesichert.

    will weg aus D in die Sonne ohne Schnee und dort soll es günstig zu leben sein


    Weg bin ich nun, Sonne gibts genug ohne Schnee, nur mit dem letzten Punkt klappt es nicht zur Zeit

  • Quote from bagoong


    Wasser ist das Problem.

    Nein. Mit genug Geld ist das kein Problem.


    Die Probleme sind ganz einfach:


    1. Geld
    2. Pfusch

    Pfusch beim Herstellen der Hollowblocks, Pfusch beim Mischen von Zementm, Pfusch beim Fundament, Pfusch beim restlichen Bau, egal ob Holz oder Stein etc.


    Uebrigens ist es egal ob Pfusch durch Unkenntnis (Mangel an Ausbildung/Fachkraeften), aus Sorglosigkeit oder aus Gier/Geiz zustande kommt.


    Und weil viele kein Geld haben oder zumindest keine 10 Millionen und aufwaerts, ist es eben so wie es ist. Wobei Du auch bei 10 Millionen und mehr eben viel zu oft auch einfach Pfusch bekommst. In den teuersten Subdivisions mit Haeusern von 20 Millionen und aufwaerts. Da geh mal in das Bad. Oft genug haste da Bucket und Tabo, statt Bidet und funktionierender Spuelung und Dusche. Weil eben auch bei teuren Bauten gepfuscht wird. Aus Mangel an Kenntnis (auch beim Kunden). Und auch Mangel an entsprechend hochwertigen Baustoffen etc.


    Hier im Forum hat doch mal einer geschrieben das er sich Ziegelsteine selbst gebrannt hat, weil es hier nur minderwertige Hollowblocks gibt.


    Klar gibt es Ausnahmen und Leute holen sich das Material aus dem Ausland und auch gleich noch ein paar echte Fachleute. Aber ich schaetze mal so 99% und mehr, der Hausbesitzer, eben nicht.

  • Bei den Hohlblocks wird invert syrup verwendet. Das ist ok, wenn man das Mauerwerk sofort verputzt. Wenn die Steine etwas laenger im freien stehen wird der Zuckersirup ausgewaschen und der Hohlblock loest sich auf. Beim Bau von Brunnen ist dieser Hohlblock nicht verwendungsfaehig.

    Die Mauerung loest sich auf, ebenso bei kleinen Haesern die unverputzt bleiben. Wenn man Qualitat haben will muss man die Steine selber machen.


    Die Haeuser, die vor 20 Jahren gebaut wurden haben diese Maengel nicht.

  • Hallo havenborn,

    hier auf den Phil. wuerde der Rohbau incl. Dach, von Deinem Link, so um die 1000 Euro kosten.

    Rohbau? Dieses Kubo Bahay kostet mindestens 1500 Euro und ist kein Rohbau. Wenigstens bei uns in La Union.

  • Hallo havenborn,

    hier auf den Phil. wuerde der Rohbau incl. Dach, von Deinem Link, so um die 1000 Euro kosten.

    Rohbau? Dieses Kubo Bahay kostet mindestens 1500 Euro und ist kein Rohbau. Wenigstens bei uns in La Union.

    Der TS hat von Rohbau gesprochen, er meinte damit sicherlich ohne Sanitaer, Strom, Bad usw., deshalb habe ich darauf geantwortet. Bei uns, in Antipolo City kann man sich so ein Bahay Kubo fuer um die 1000 Euro bauen lassen, die kleineren kosten 500 Euro.

  • Bei den Hohlblocks wird invert syrup verwendet. Das ist ok, wenn man das Mauerwerk sofort verputzt. Wenn die Steine etwas laenger im freien stehen wird der Zuckersirup ausgewaschen und der Hohlblock loest sich auf.

    Kannst du mir oder uns mal erklären, was "invert Syrup" ist? Ok "Hohlblocks" kenne ich zwar nicht.
    Bei den "Concrete Hollow Blocks" die ich anfertigen lasse, bestimme ich wie viel Zement % verwendet wird. Mit dem "Fall-Test" überprüfe ich dies.
    https://philconprices.com/tag/…-block-price-philippines/

  • Habe mich bei den Preisen für Steine wohl etwas vershätzt, sind doch etwas teurer.

    So Hohlsteine

    https://www.baushop-luki.at/images/0-0-370.png

    kosten pro qm Wand 12 Euro (ohne Füllung und Armierung). Wenn die aus Bims sind, würde mich nicht wundern, wenn die wirklich ohne Putz schnell verwittern. Das mit dem Pfusch kann ich nachvollziehen, wenn normales Mauern recht selten gemacht wird, dann haben die Leute ja auch keine Übung.

  • An jeder Ecke wird gemauert und ist sicherlich das kleinste Problem einen guten Maurer zu finden.

    Material ist das Problem, da wird gespart wo es geht, dafür zahlt man dann halt später die Rechnung.

    Alles wird gut :D


    Wir alle haben gleich viel Zeit......24 Stunden täglich.......

  • https://en.wikipedia.org/wiki/Inverted_sugar_syrup

    Mit dieser Flussigkeit wird der Hohlblock billiger, weniger Cement und glatte Steine

    Sehen wunderbar aus bis zum ersten Regen.

    Sag mal, was bist du denn für ein Theoretiker? Die Pinoy-Maurer werden vor dir auf die Knie fallen, weil sie jetzt gerade die große Erleuchtung bekommen haben. Bleib mal bitte auf dem Teppich und überleg dir mal, wie 90% dieser Arbeiter das verstehen. Aber ok, schick Ihnen den Wikipedia-Link. Nichts für Ungut.

  • Material ist das Problem, da wird gespart wo es geht, dafür zahlt man dann halt später die Rechnung.

    Genau das ist wohl oft das Problem. Ich erinnere mich dass in Eastern Samar viele der Hollowblock Hersteller (oft auch Privatleute) den Sand für die Hollowblocks und sonstigen Beton vom Strand geholt haben (was eigentlich sowieso verboten ist). Mit diesem Sand sind keine qualitativ vernünftigen Hollowblocks zu produzieren. Möglichkeiten den Sand so zu waschen, dass er den Anforderungen entspricht sind bzw. waren nicht vorhanden.

    Wahnsinn bei Individuen ist selten, aber in Gruppen, Nationen und Epochen die Regel.

  • Habe gerade die Bilder von Romblon gesehen, furchtbar. Da kam mir die Frage warum nicht mehr massive Bauweise.

    Ein mir bekannter Schreinermeister gründete nach der Hayan Katastrophe eine Hilfsorganisation auf Cebu. U.a. bauten sie die Holzhäuser der Einheimischen wieder auf, nach europ. Qualitätsstandard und mit seinem Fachwissen.


    Laut ihm wurde keins seiner Bauten bei Folgestürmen wirklich ernsthaft beschädigt, währenddem die Nachbarschaft mal wieder am Zusammenkratzen der Reste beschäftigt war.


    Das Holzhaus ist also nicht das Problem, sondern WIE man baut. :Augenbraue


    LG Alf

  • Haben die evtl. eine Webseite wo die baupläne veröffentlicht wurden?

    will weg aus D in die Sonne ohne Schnee und dort soll es günstig zu leben sein


    Weg bin ich nun, Sonne gibts genug ohne Schnee, nur mit dem letzten Punkt klappt es nicht zur Zeit